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SVP-Angriff mit Rime und Zuppiger zeichnet sich ab

Bruno Zuppiger kandidiert für den Bundesrat – auf Wunsch der Parteispitze, wie er sagt. Vermutlich wird ihm ein Bewerber aus der Romandie zur Seite gestellt.

Vor der Bundesratswahl Von Fabian Renz, Bern Unter den bisher gemeldeten Bundesratskandidaten der SVP ist Bruno Zuppiger wohl der chancenreichste. Der 59-jährige Nationalrat und Gewerbeverbandspräsident, der gestern von seiner Zürcher Kantonalpartei als Kandidat portiert wurde, ist in Bundesbern bestens vernetzt. Seine joviale und umgängliche Art hat ihn über die Parteigrenzen hinaus beliebt gemacht. Sein Verhältnis zur eigenen Parteispitze um Christoph Blocher war in der Vergangenheit zwar alles andere als spannungsfrei (siehe rechts). Doch mit Blick auf die schwierigen Bundesratswahlen vom 14. Dezember ist die Führungsriege offenbar zum Vergeben bereit. Dass sich Zuppiger etwa unlängst gegen die Masseneinwanderungsinitiative der SVP stellte, will ihm Parteistratege und Blocher-Intimus Christoph Mörgeli nicht verübeln: «Er hat sich da als Präsident seines Verbands geäussert. Unsere Ausländerpolitik trägt er sonst mit.» Mörgeli begrüsst Zuppigers Gang in den Ring ausdrücklich: «CVP und FDP müssen sich schon eine ganz gute Ausrede einfallen lassen, wenn sie diesen Kandidaten nicht wählen wollen.»Tatsächlich betonte Zuppiger gestern bei einem kurzen Auftritt vor den Medien, dass er auf Anregung der nationalen Parteileitung kandidiere. Letzte Woche sei er in dieser Angelegenheit von SVP-Präsident Toni Brunner angegangen worden, am Freitag schliesslich von Christoph Blocher. Den Entscheid zur Kandidatur habe er übers Wochenende gefällt, nach Rücksprache mit der Familie. Jagd nach welschen Stimmen Die Chancen, dass Zuppiger am Donnerstag von seiner Bundeshausfraktion auf das offizielle SVP-Bewerberticket gesetzt wird, sind somit gross. Parteivertreter wie Mörgeli und Ständerat This Jenny plädieren indes dafür, der Bundesversammlung beim Angriff auf BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf einen Zweiervorschlag zu präsentieren – möglichst mit einem Vertreter aus der Westschweiz. Hierfür wäre wohl der Freiburger Kandidat Jean-François Rime gesetzt. Mörgelis Kalkül: Ein Romand könnte in den ersten Wahlgängen die Stimmen einiger welscher Parlamentarier auf sich ziehen und Widmer-Schlumpf zusätzlich schwächen. Favorit beim Angriff auf den Sitz der Bündnerin bliebe aber der Deutschschweizer Zuppiger. Dieser bekräftigte gestern die offizielle SVP-Position, wonach die Kleinpartei BDP im Bundesrat nichts verloren habe. Ob er auch gegen einen der beiden FDP-Magistraten antreten würde, liess Zuppiger dagegen offen: Die Strategie lege die Fraktion fest. Über eine mögliche Attacke auf die FDP scheint SVP-intern noch keine Einigkeit zu herrschen. Wahrscheinlich ist zumindest, dass ein FDP-Sitz ins Visier der SVP gerät, falls ein namhafter Teil der Freisinnigen zur Wiederwahl von Widmer-Schlumpf beitragen sollte. Kein Erfolg auf sicher Auch wenn Zuppigers Bewerbung die Situation der unter Kandidatenarmut leidenden SVP etwas verbessert: Einen Erfolg hat die Partei mit ihm noch lange nicht auf sicher. Denn Zuppiger trägt eine Reihe politischer Hypotheken mit sich herum. Hypothek Hinwil: Zuppigers wohl grösstes Manko ist seine Herkunft, wie eine Umfrage unter Parlamentariern erahnen lässt. Der SVP-Politiker stammt aus Hinwil im Zürcher Oberland – genauso wie der amtierende SVP-Bundesrat Ueli Maurer und Armeechef André Blattmann. Zuppiger versuchte gestern, sich selber als Kosmopolit im Kleinen und seinen Wohnsitz als Ergebnis von Zufälligkeiten hinzustellen. Er sei im Kanton St. Gallen geboren, habe in Zug die Schulen besucht und in Goldingen SG seine erste Stelle angetreten – ehe ihn dann «die Liebe» ins Zürcher Oberland verschlagen habe. Als Bundesrat politisiere man für die ganze Schweiz.Hypothek Militär: Zuppigers Nähe zu Armee und Rüstungsindustrie könnte ihn bei der Linken Stimmen kosten. Die Gesellschaft für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) erinnerte gestern an ein umstrittenes Waffengeschäft von 2006: Zuppiger lobbyierte damals für den Verkauf von Panzerfaustgranaten an die Vereinigten Arabischen Emirate. «Wer Waffenexporte an ein totalitäres Regime ermöglicht, missachtet demokratische Prinzipien und ist als Bundesrat nicht tragbar», findet GSoA-Sprecherin Cordula Bieri. Andere Linke kreiden ihm sein Kampfjetmanöver an. Zuppiger ist eine der treibenden Kräfte hinter dem Parlamentsentscheid, ohne Volksabstimmung Ersatz für die alten Tiger-Flugzeuge anzuschaffen. Hypothek Atomkraft: Für einen Wahlsieg ist Zuppiger auf Stimmen aus dem Mitte-links-Lager angewiesen. Für die erstarkten Grünliberalen ist jedoch die Sicherung des Atomausstiegs eines der zentralen Wahlkriterien, wie Parteichef Martin Bäumle sagt. Atomfreund Zuppiger ist hier im Nachteil gegenüber Widmer-Schlumpf, die im Bundesrat dazu beitrug, die Abkehr von der Atomenergie mehrheitsfähig zu machen. Bäumle betont aber auch, dass letztlich die parteipolitische Konstellation sowie Absprachen unter den Fraktionen über den Wahlausgang entschieden – und weniger die jeweilige Person des Kandidierenden. «Man kann höchstens so viel sagen», so Bäumle: «Mit Caspar Baader oder Toni Brunner hätte es die SVP erst gar nicht versuchen müssen.» Bruno Zuppiger gab gestern den Medien zu seiner Kandidatur Auskunft. Foto: Reuters Jean-François Rime soll Stimmen der Romands auf sich ziehen. Foto: Keystone Dossier: Die Bundesratswahlen www.bundesrat.tagesanzeiger.ch

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