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SVP setzt auf einen Quereinsteiger

Die Zürcher SVP schickt einen Chirurgen ohne Politerfahrung in den Stadtratswahlkampf. Warum, sagt sie vorerst nicht.

Zürich. - Die Stadtzürcher SVP hat alle überrumpelt. Sie zieht mit dem politisch unbeschriebenen Chirurgen Karl Zweifel in den Stadtratswahlkampf. Als zweiten Kandidaten hat der Vorstand Mauro Tuena vorgeschlagen. Tuena, der die SVP-Gemeinderatsfraktion leitet, war vor knapp eineinhalb Jahren bereits gegen Ruth Genner (Grüne) angetreten. Mit 29 Prozent der Stimmen blieb er chancenlos. Tuena gehört zu den prominentesten Vertretern der Stadtzürcher SVP.

Schweigegebot in der SVP

Karl Zweifel dagegen hat bisher noch kein offizielles Amt ausgeübt. Seine politische Karriere besteht aus je einer missglückten Kandidatur für den Gemeinde- und den Kantonsrat. 2007 stand er kurz in den Schlagzeilen. Er wehrte sich erfolgreich gegen die damalige Gesundheitsdirektorin Verena Diener, welche die Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie des Sanitas-Spitals in Kilchberg schliessen wollte.

Seine Kandidatur habe einen biologischen und einen ideologischen Grund, sagt Zweifel. Er befinde sich auf dem Zenit seiner Chirurgen-Karriere. «Die Fähigkeiten für diesen Knochenjob lassen mit dem Alter langsam nach. In der Politik kann ich mich aber noch lange voll einbringen.» Ausserdem betrachte er mit Sorge, wie es mit Zürich als Gesundheitszentrum bergab gehe. Das wolle er verhindern. Als weitere Schwerpunkte nennt Zweifel die Bildungs- und Wirtschaftspolitik.

Die SVP wollte ihre Zweiertaktik nicht kommentieren. Es handle sich erst um einen Vorschlag des Parteivorstandes. Die Delegierten werden am 3. September darüber entscheiden. «Danach erklären wir unsere Strategie», sagte Parteipräsident Roger Liebi. Alle angefragten SVP-Vertreter hielten sich - wenn auch teilweise widerwillig - an das Schweigegebot. Rein numerisch würden der Stadtzürcher SVP längst zwei Stadtratssitze zustehen. Obwohl sich ihr Wähleranteil seit 1990 von 7,9 auf 23 Prozent fast verdreifacht hat, versucht die Partei seither vergeblich, wieder in die Exekutive vorzudringen.

Ist die Nomination eines Unbekannten also eine Verzweiflungstat? «Es wirkt ratlos, jemanden zu portieren, der weder die Dossiers der städtischen Politik kennt, noch einen prominenten Namen oder einen Leistungsausweis mitbringt», sagt Daniel Leupi, Gemeinderat und Stadtratskandidat für die Grünen. Leupi kritisiert auch, dass keine der grösseren bürgerlichen Parteien eine Frau in die Wahl schickt. Ähnlich sieht es Andrea Sprecher, Ko-Präsidentin der städtischen SP: «Es ist schwierig, einem völlig Unbekannten in so kurzer Zeit ein Profil zu geben.»

Michael Baumer, Fraktionspräsident der FDP, stellt fest, dass der SVP offenbar nicht viele Kandidaten zur Auswahl gestanden seien. Das Zweierticket wertet er aber nicht als Attacke. «Auf dem Wahlzettel gibt es neun freie Linien», sagt Baumer. «Wer bürgerlich wählt, hat mehr als genug Platz.» Auch FDP-Präsident Urs Egger, der den Sitz der zurücktretenden Kathrin Martelli verteidigen will, ortet den Gegner auf der der anderen politischen Seite. SVP und FDP müssten sich am 7. März gemeinsam gegen den Machtanspruch der Linken und Grünen wehren.

Keiner der angefragten Politiker räumt Karl Zweifel grosse Chancen ein. Einig sind sich aber alle, dass sich in den nächsten Monaten ein harter Wahlkampf entwickeln wird. Die linke Seite tritt mit insgesamt sieben Kandidaten an, die Bürgerlichen sogar mit zehn. Frei werden zwei bisherige SP-Sitze und ein FDP-Sitz. Mauro Tuena. Karl Zweifel.

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