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Streit um die Vermarktung Zürichs ist vorerst beigelegt Der Aargau ist für Zürich verloren

Greater Zurich Area soll sich auf die Akquisition von neuen Firmen beschränken. Darauf haben sich die sieben Trägerkantone geeinigt. Dem Kanton Aargau geht die Neuausrichtung aber zu wenig weit.Der grösste Nachbarkanton Zürichs will mit dem Zürcher Wirtschaftsraum nichts mehr zu tun haben. Jetzt baut Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker die Greater Zurich Area um. Und will Basel dazuholen.

Von Daniel Schneebeli Zürich – Die Wellen bei der Greater Zurich Area (GZA) gingen in den letzten Monaten hoch. Die halb öffentliche Vermarktungsorganisation mit elf Angestellten in Zürich, sechs in den USA und je einem in Shanghai und Indien stand sogar vor dem Ende. Die Gründe für die Schwierigkeiten sind vielfältig. Vor allem aber haben die verschiedenen Träger der GZA unterschiedliche Interessen. Ziel der Organisation ist, den «Wirtschaftsraum Zürich», der von Schaffhausen und Solothurn bis nach Graubünden reicht, im Ausland zu vermarkten. Doch am Ende geht es den zahlenden Kantonen vor allem darum, neue Firmen und Arbeitsplätze in ihre eigene Kantone zu holen. Kritik an den Vermarktern Für den Aargau ging die Rechnung nicht auf. Weil die GZA in den letzten fünf Jahren nur vier Firmen im Aargau ansiedeln konnte, ist der Kanton Ende Oktober ausgetreten. Die Investition von jährlich einer halben Million Franken lohne sich nicht, findet der Aargauer Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann (SP). Dem «Oltener Tagblatt» sagte er: «Einfach nur aus Solidarität und ohne messbaren Nutzen bleiben wir nicht dabei.» Ähnliche Stimmen gab es auch in anderen Kantonen, zum Beispiel in Schwyz. Nun haben sich aber die verbleibenden sieben Kantone (Zürich, Graubünden, Glarus, Zug, Solothurn, Schaffhausen und Schwyz) zusammengerauft. Die GZA macht weiter – arbeitet aber künftig anders. «Ich bin froh, dass wir die Situation stabilisieren konnten», sagte der Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP), der den Stiftungsrat der GZA präsidiert. Sein Hauptziel, die Greater Zurich Area in öffentlich-privater Partnerschaft weiterzuführen, sei erreicht. Dennoch wird der Leistungsauftrag überarbeitet. Die Aufgaben der GZA umfassen heute neben der Promotion des Wirtschaftsraums Zürich und der Akquisition neuer Firmen auch deren Betreuung beim Umzug und darüber hinaus. Damit kam die GZA wegen der unklaren Abgrenzung immer wieder den diversen nationalen, regionalen und lokalen Standort-Förderern ins Gehege. Neu muss sich die GZA auf die Akquisition konzentrieren, wie der Stiftungsrat gestern mitteilte. Zudem wird der Verwaltungsrat von sechs auf sieben Sitze aufgestockt. Die Trägerkantone und die beiden Städte Zürich und Winterthur werden mit vier Sitzen die Mehrheit haben. Die Träger aus der Privatwirtschaft (unter anderem Credit Suisse, ABB und diverse Immobilien- und Baufirmen) werden mit drei Sitzen in der Minderheit versetzt. Für Stocker ist diese Verschiebung richtig, da die öffentliche Hand bei der Finanzierung etwa 80 Prozent aufbringt. Stocker schielt nach Basel Ernst Stocker bedauerte gestern, dass es nicht gelungen sei, den Kanton Aargau zum Verbleib bei der GZA zu motivieren. «Der Aargau gehört natürlich auch zum Wirtschaftsraum Zürich.» Stocker äusserte aber auch Verständnis. Der direkte Nutzen sei für den Nachbarkanton nicht so gross gewesen. Allerdings meinte er: «Dem Aargau kann es nur gut gehen, wenn es Zürich auch gut geht.» Darum hofft der Zürcher Volkswirtschaftsdirektor auf eine Rückkehr der Aargauer. Um die dem Nachbarn zu vereinfachen, strebt Stocker eine engere Zusammenarbeit mit Basel Area an, der Marketingorganisation der beiden Basel. Als Vision schwebt Stocker der Zusammenschluss der Organisationen vor, die dann gemeinsam den Wirtschaftsraum Zürich/Basel vermarkten könnten. «Der Teich, in dem wir heute fischen, ist für uns beide gross genug.» Eine Fusion der Marketingorganisationen würde es auch dem Aargau erleichtern, wieder mitzumachen, glaubt Stocker. Nein zu Erfolgsprämien Dass der Aargau nicht mehr mitmacht, hat vor allem einen Grund: Der Stiftungsrat der GZA wollte keine erfolgsabhängige Finanzierung. Für die Zürcher Stadtpräsidentin und GZA-Stiftungsrätin Corine Mauch (SP) ist es dazu zu früh. «Wir wollen jetzt nichts übers Knie brechen.» Es sei derzeit unmöglich, den Erfolg der GZA zu messen. Erstens sei nicht immer klar, wer eine zuziehende Firma akquiriert habe, und zweitens erschöpfe sich der Nutzen der GZA nicht in neuen Ansiedelungen. Die Stadt Zürich zahlt jährlich 250 000 Franken an die Organisation. Gemäss Mauch hat sie in diesem Jahr gegen 20 neue Firmen in der Stadt Zürich ansiedeln können. Welche Auswirkungen die Neuerungen und das Ausscheiden des Aargaus auf die Arbeit der GZA hat, konnte gestern Geschäftsführerin Sonja Wollkopf Walt noch nicht abschätzen. Sie sei mit ihrem Team daran, Budget und Strategie für das nächste Jahr auszuarbeiten. «Im Moment gehe ich nicht von einem Stellenabbau aus», sagte sie. Noch nicht definitiv bewilligt ist zudem der Kantonsbeitrag Zürichs. Der Aargauer Urs Hofmann sieht keinen Nutzen in der GZA.Foto: Dominic Büttner Ernst Stocker hätte den Aargau gernweiter als Partner.Foto: Sabina Bobst

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