Zum Hauptinhalt springen

Strassensperre ärgert die Anwohner

Uster schliesst um 18 Uhr die Wührestrasse für die Frösche. Anwohner vermuten, dass der gewählte Zeitpunkt mit dem Feierabend der Gemeindearbeiter zu tun habe.

Von Andy Pfister Uster – Sobald das Thermometer steigt und Regen einsetzt, zieht es die Amphibien aus ihren Schlupflöchern. Sie begeben sich dabei nicht nur zu ihren Laichplätzen, sondern auch in Lebensgefahr. Sie haben dabei nicht nur natürliche Feinde – die grösste Bedrohung sind Autos. Einer der bedeutendsten Laichgründe auf Ustermer Gemeindegebiet ist das Grabenried. Oberhalb des Feuchtgebiets liegt ein Wald, welcher den Fröschen als Winterquartier dient. Eine Grasfläche trennt Gehölz und Sumpf – und die viel befahrene Wührestrasse. Um die Amphibien zu schonen, wird diese jeweils während der Hauptwanderzeit geschlossen. So versperren Barrieren in rund 20 Nächten pro Jahr die Durchfahrt zwischen Uster und dem Weiler Wüeri. Die dadurch wachsenden Amphibienbestände erfreuen die Naturschützer – bei den Anwohnern hingegen sorgt diese Massnahme für rote Köpfe. Silvia Landis lebt mit ihrer Familie im Weiler Wüeri. Die Bäuerin sieht in der versperrten Durchfahrt eine Gefahr für Leib und Leben: «Wie viel Zeit würde wohl verstreichen, bis die Sanität im Notfall bei uns eintrifft?» Sie gibt zu bedenken, dass beispielsweise bei einem Herzinfarkt jede Minute kostbar sei. «Auch eine Verspätung der Feuerwehr hätte bei einem Brand verheerende Folgen», fügt Landis an. Hanspeter Maag, Stabsoffizier der Ustermer Feuerwehr, beruhigt: Der Stützpunkt sei über die Sperrung informiert worden. «Auf dem Einsatzfahrzeug befindet sich jederzeit ein Schlüssel für die Schranken.» Schranke war im Januar zu Über denselben Schlüssel würde auch Franz Bucher gerne verfügen: Der Mönchaltorfer Landwirt verfüttert seinen Schweinen altes Brot, das er in Grossbäckereien abholt – auf dem Heimweg steht Bucher mit seinem Traktor regelmässig vor der Barriere. «Dann habe ich zwei Alternativen: Entweder fahre ich via Sulzbach über den Hügel, was mit dem schweren Anhänger nicht ungefährlich ist, oder ich benütze den schmalen Flurweg», beschreibt er sein Dilemma. Gegen die Sperrung an sich habe er nichts einzuwenden, es könne aber nicht sein, dass die Wührestrasse, wie in diesem Jahr, schon Mitte Januar gesperrt werde. «Da hüpft kaum ein Frosch über die Strasse», ereifert er sich. Schwierige Entscheidung Iris Scholl vom Büro für Verhaltensforschung und Ökologie (VerOek) reagiert gelassen auf diese Aussage. Scholl bestimmt im Auftrag der Gemeinde Uster, in welchen Nächten die Strasse gesperrt werden muss. Für die besagte Januarnacht seien warme Temperaturen und Regen angekündigt worden, begründet sie den kritisierten Entscheid. Ausserdem habe sie am Morgen zuvor zehn überfahrene Frösche auf der Strasse gefunden. Gerade die erste Sperrung sei ein heikler Entscheid: «Im Grabenried beginnt die Wanderung meist vor den anderen Gebieten. Somit muss ich völlig unabhängig entscheiden.» Für Bucher ist das ein schwacher Trost. Trotzdem glaubt der Landwirt weiterhin an eine einvernehmliche Lösung des Konflikts. Er wäre schon zufrieden, wenn die Strasse statt wie bisher um 18 Uhr erst zwei Stunden später gesperrt würde. «Der Zeitpunkt meines Transports ist von den Bäckereien abhängig. Wäre die Wührestrasse abends länger offen, könnte ich das Futter bequem heimbringen.» Bucher vermutet, dass der jetzige Zeitpunkt der Schliessung mit dem Feierabend der Gemeindearbeiter zusammenhängt. Peter Padrutt, der in der Ustermer Gemeindeverwaltung den Bereich Natur leitet, lässt diesen Vorwurf nicht gelten: «Die Schliess- und Öffnungszeiten wurden von Fachleuten festgelegt und richten sich nach den Amphibien.» Dennoch will Padrutt Buchers Anliegen prüfen. Zudem soll bald eine Aussprache mit den von der Sperrung betroffenen Anwohnern stattfinden. Die Frösche müssen die Wührestrasse queren, um zu ihren Laichplätzen zu gelangen. Abends haben hier jetzt die Amphibien Vortritt.Foto: Stephan Kälin

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch