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Strassenbäume müssen weichen

Laut Experten würden weniger Bäume an der Strasse die Sicherheit für Autofahrer erhöhen. Im Unterland fragen sich die Behörden jedoch, ob dann nicht noch schneller gefahren würde.

Von Heinz Zürcher Kloten/Weiach – Das Bild vom Strassenbaum ist oft ein zwiespältiges. Es gibt ihn als Glied einer schönen Allee – und es gibt ihn als stummen Zeugen eines Horrorunfalls. Ein solcher ereignete sich letzten Oktober auf der Strecke zwischen Gerlisberg und Kloten. Ein 20-Jähriger verlor in einer Linkskurve die Herrschaft über sein Fahrzeug und krachte gegen einen Baum. Während der Lenker unverletzt blieb, starben zwei seiner vier Mitfahrer. Seither wird in Kloten darüber diskutiert, wie solche Unfälle zu verhindern sind. Eine der Möglichkeiten hat kürzlich die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) vorgestellt. In einem Bericht schlägt sie unter anderem vor, zu nahe an der Strasse stehende Mauern und Bäume zu entfernen. Den Grund dafür liefert die Statistik. 180 Autoinsassen sterben jährlich auf Schweizer Strassen, 1800 werden schwer verletzt. Und in 35 Prozent der Fälle handelt es sich um Schleuderunfälle «mit anschliessender Kollision mit einem Gegenstand neben der Strasse». Fast die Hälfte aller Unfälle ereignet sich in Kurven. Sollen nun die Bäume an der Gerlibergstrasse entfernt werden? Priska Seiler Graf, die als Klotener Stadträtin dem Ressort Sicherheit vorsteht, will zunächst das Gutachten abwarten, an welchem die BfU wegen der vielen Unfälle entlang der Gerlisbergstrasse arbeitet. «Es muss jedoch gute Argumente liefern, damit wir die Bäume fällen», sagt Seiler Graf. Die Tempolimite von 80 auf 60 km/h zu reduzieren, sei allenfalls die effektivere Massnahme. Die Kantonspolizei prüft derzeit einen entsprechenden Antrag des Klotener Stadtrats. Weiacher Allee soll bleiben An einem Baum endete auch die Fahrt des 23-jährigen Lenkers, der im März 2010 auf der Strasse zwischen Weiach und Stadel tödlich verunfallte. Die Allee deswegen zu eliminieren, ist für Weiachs Sicherheitsvorsteher Thomas Steinmann kein Thema. Dies habe auch niemand aus der Bevölkerung öffentlich gefordert. «Die Kompetenz liegt ohnehin beim Kanton. Und der hat diese Allee als schützenswertes Kulturgut bestimmt.» Der Kanton beabsichtige jedoch, die Bäume Abschnitt um Abschnitt durch jüngere zu ersetzen und diese weiter weg von der Strasse zu pflanzen. Ziel sei es, in den nächsten Jahren Unfälle und Belagsschäden zu minimieren. Noch würden sich aber Landeigentümer gegen das Vorhaben wehren. Neue Alleen sind keine geplant. Sie verschönern zwar das Landschaftsbild, filtern Feinstaub und produzieren Sauerstoff. Nach Ansicht von Regierungsrat und Verkehrspsychologen (siehe Kasten) stellen sie jedoch eine Gefahr dar – nicht nur für Raser. Wegen des Schattenwurfs und der Feuchtigkeit im Winter erhöht sich die Vereisungsgefahr. Und bei Stürmen könnten Äste oder ganze Bäume auf die Strasse fallen. Ausserorts sparsam mit Bäumen Laut Reto Färber, Strasseninspektor des Kantons Zürich, werden ausserorts auf Kantonsstrassen seit vielen Jahren keine Bäume mehr gepflanzt. «Innerorts ist das Bedürfnis aber gegeben und unter Einhaltung der Normen auch eine Umsetzung möglich.» Diese Normen, die unter anderem die Abstände von Bäumen zur Strasse regeln, gibt der Schweizerische Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) vor. Färber legt den Bericht der BfU denn auch so aus, dass lediglich die Normen konsequent umgesetzt werden müssen. So etwa auf der Strecke zwischen Rafz und Wil. Diese Allee wird der Kanton noch in diesem Jahr verbreitern. Bäume, welche die Sicht im Kreuzungs- und Einfahrtsbereich behindern, werden gefällt. Solche, die zu nahe an der Fahrbahn stehen, etwas weiter weg durch neue ersetzt. Jürg Sigrist, Gemeindepräsident von Rafz, verspricht sich davon nicht zwingend weniger Unfälle. «Je mehr Hindernisse weg sind, umso schneller wird in der Regel gefahren.» Sigrists Ansicht teilt auch Silvan Granig, Sprecher der Strassenopfer-Stiftung Road Cross. «Einen Baum zu fällen, ist für mich die Ultima Ratio. Denn es kann nicht sein, dass dadurch eine Strasse erst recht zur Rennstrecke wird.» Letzten Oktober prallte ein Autofahrer zwischen Gerlisberg und Kloten gegen diesen Baum. Zwei Jugendliche starben. Foto: ZU

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