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Standpauke nach erneuter Niederlage

Erstligist YF Juventus kassierte beim 2:3 gegen die U-21 des FC Winterthur die vierte Saisonniederlage. Trainer Salvatore Andracchio nimmt sich seine Spieler nun zur Brust.

Von Ueli Zoss Während andere Trainer nach Niederlagen ins Grübeln geraten, um Erklärungen ringen oder den Konjunktiv bemühen, sagte YF-Juventus-Coach Salvatore Andracchio über die verlorenen drei Punkte gegen das 1.-Liga-Team von Winterthur ohne langes Federlesen: «Wir müssen uns wieder aufs Wesentliche besinnen und auf dem Platz mehr Einsatz zeigen.» Er übte weiter sogar ziemlich vernichtende Kritik: «Einige Spieler überschätzen sich zu sehr. Sie haben genau das Gegenteil von mangelndem Selbstvertrauen, sie sind zu überheblich.» Andracchio sagte es ruhig und sachlich. Schliesslich kennt er sich mit dem Innenleben von Fussballteams aus. YF Juventus trainiert der frühere FCZ- und GC-Spieler zum zweiten Mal, er war Trainer von Baden, Red Star und sprang zwischen 1996 und 1998 für die entlassenen Karl Engel und Jörg Berger 16-mal als Cheftrainer des FC Basel ein. Verpasster Aufstieg abgehakt Der Zürcher Verein verspielte Ende der letzten Saison im entscheidenden Spiel gegen Delémont in der Verlängerung den fast sicher geglaubten Aufstieg in die Challenge League. Andracchio stellte aber in Abrede, dass das Scheitern in letzter Minute Spuren hinterlassen habe. «Ich bin kein Psychologe, aber seither sind drei Monate vergangen. Und meine Spieler standen ja nicht unter Druck. YF muss nicht jedes Mal à tout prix an der Spitze mitspielen. Die Saisonplanung sieht das nicht vor.» Ein Platz im ersten Ranglistendrittel sollte es für Juventus aber allemal sein. Davon ist YF nach der dritten Niederlage in Folge weit entfernt. Andracchio will nun im Training das kämpferische Element forcieren und so seine Mannschaft aus dem Tabellenkeller führen. Schimpftirade nach Traumtor Andracchio liess seinem Unmut auch während des Spiels freien Lauf. In der 77. Minute ereignete sich auf dem Juchhof Aussergewöhnliches: Juventus kam zu einem Freistoss vor der Strafraumgrenze. Andracchio sprang von seiner Bank auf und erteilte seinen Spielern lautstark Anweisungen, wie sie sich um die Winterthurer Abwehrmauer herum zu positionieren hätten. Als Raul Cabanas anlief, fuchtelte der Trainer immer noch wild mit den Armen, statt das Folgende zu geniessen: Der Zuzug vom FC Baden zirkelte den Ball genau ins hohe Eck zum 2:3-Anschlusstor. Kaum war der Torjubel verklungen, bekam die Mehrzahl der rund 200 Zuschauer aber eine wahre Schimpftirade von Andracchio zu hören. Denn Barreiro, in der letzten Saison zehnfacher Torschütze, hatte sich erdreistet, den Trainer für dessen Anweisungen vor dem Freistoss zu kritisieren. Nun bekam er verbal dessen heftige Reaktion zu spüren. Barreiro spurte fortan und war im Endspurt einer der aktivsten Juventus-Spieler. Winterthur spielte 15 Minuten lang nur noch zu zehnt, weil Sead Jakupovic wegen einer Notbremse, die zum Freistoss geführt hatte, Rot sah. Letztlich gewann der schlicht athletisch bessere zweite Anzug der Winterthurer aber verdient. «Die Sache mit Barreiro ist erledigt», sagte Andracchio nach dem Spiel. «Aber ich dulde keinen Widerspruch.» Er sagte es nicht explizit, doch Barreiro gehört wohl zu jenen Spielern, von denen der Trainer mehr Einsatz verlangt. Grosse Namen enttäuschten Auch Raul Cabanas, der Cousin von GC-Regisseur Ricardo, konnte das Manko beim Stadtklub nicht kaschieren. So viele gute Bälle er spielte – eines seiner Zuspiele verwandelte Luca Dimita zum 1:2 (37.) –, so viele Zweikämpfe verlor er. Träger weiterer bekannter Namen wie Julian Bühler, früher Profi beim FC Thun, oder Raoul Mutter, vom FCZ gekommener Talentspieler, wurden ihrer Reputation ebenfalls nicht gerecht. Und der letzte Woche von GC verpflichtete U-21-Spieler Romano Schwarz blieb bei seinem Debüt für YF Juventus den Beweis noch schuldig, die Abwehr zu verstärken. «Während der letzten Saison sind wir als Gruppe gewachsen», sagte Andracchio noch. Auf eine ähnliche Entwicklung hofft er auch jetzt. YF-Trainer Salvatore Andracchio (r.) duldet keinen Widerspruch und fordert, die Überheblichkeit abzulegen. Foto: Nicola Pitaro

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