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Stadtmauern für das Furttal

Zwei Architekturstudenten wollen die Furttaler Gemeinden einmauern – mit Gebäuderiegeln – und damit das verbleibende Grün bewahren.

Von Florian Schaer Die Mauern, von denen Guillermo Dürig spricht, sind keine einfachen Steinwälle wie im Mittelalter. «Damals hat die Mauer die Stadt vor der Aussenwelt geschützt – unsere Mauern sollen die Aussenwelt vor der Stadt schützen.» Die Wälle, von denen der Zürcher Architekturstudent spricht, bestehen aus schmalen dreigeschossigen Gebäuden, die als Wohnraum, Gewerbeflächen oder für öffentliche Einrichtungen zur Verfügung stehen – entlang der Grenzen der bestehenden Siedlungsgebiete. Es ist Dürigs Vision für die Furttalgemeinde der Zukunft. «Damit könnten mehr Leute untergebracht werden, ohne dass sich die Gemeinde weiter in die Landschaft hineinfrisst.» Keine neuen Strassen nötig Eine Mauer um Dällikon, eine grössere Mauer um Regensdorf, eine um Otelfingen, jeweils gerade so an die Topografie angepasst, dass die jetzigen Quartiere innerhalb nicht im Schatten der «belebten Wälle» versinken. «Sehr wichtig war uns auch, dass dieser Gebäudezuwachs möglichst wenig neue Infrastruktur braucht», sagt Dürigs Kommilitone Philipp Schaefler. «Sie sehen, dass wir mit dieser Verdichtung am Rand der Dörfer 50 Prozent mehr Wohn- oder Gewerbefläche erhalten, ohne eine neue Strasse bauen zu müssen. Die bestehenden Grundstücke sind ja bereits erschlossen.» Die Gewerbetreibenden des Furttals hörten den beiden Studenten interessiert zu. Sie waren an der Furttal-Arena unter sich, flankiert von Vertretern der kommunalen Politik. Denn kaum jemand bezweifelt ernsthaft: Die Prognose für das Tal lautet in jeder Hinsicht «mehr». Mehr Einwohner, mehr Autos, mehr Wohnfläche – mehr von allem. In den letzten 30 Jahren ist die Bevölkerung im Kanton um 200 000 Personen gewachsen. Diese Prognose bestätigte auch Immobilienexperte Patrick Schnorf. Aus seinen zahllosen Statistikfolien liess sich deutlich ableiten, dass das Furttal vorwiegend punkto Wohnraum sehr gefragt ist; in Regensdorf wären noch zahlreiche Büroflächen zu haben, auf die sich offensichtlich niemand stürzt. «Wenn man die Pendlerströme zwischen den Boomregionen Limmattal und Glattal aufzeichnet, erkennt man, dass Regensdorf ziemlich abseits liegt.» Die Wundpunkte Zum Schluss listet Schnorf die aus seiner Sicht wunden Punkte der Furttaler auf: die Anbindung an den öffentlichen Verkehr, den Steuerwettbewerb, den Stau am Gubrist und eine Position weit abseits der «Entwicklungsachse». Der Watter SVP-Kantonsrat Hans Frei arbeitet derzeit am nächsten Richtplan mit, der die Stossrichtung für die nächsten 25 Jahre festlegt. «Die Nähe zu Zürich und die noch verfügbare Fläche führt dazu, dass fürs Unterland und fürs Knonauer Amt die stärksten Wachstumsraten vorausgesagt werden», sagte Frei. Jetzt müsse man in der Planung zwingend sicherstellen, dass die Gemeinden genug Spielraum behielten, ihre Bau- und Zonenordnung zu gestalten. Erlasse die Kantonsobrigkeit zu enge Vorschriften, riskiere sie eine Art Planwirtschaft, in der die einzelne Kommune letztlich nicht mehr flexibel genug reagieren könne. Im Geist der Furttalstadt Mit den Studenten und ihrem visionären Mauerprojekt verbindet den Kantonsrat im Mindesten sein simples, aber zentrales Anliegen: eine höhere Nutzung innerhalb des bestehenden Siedlungsgebiets, kurz: das verdichtete Bauen. In der Diskussion der Teilnehmer untereinaner war dann da und dort das Schlagwort der «Furttalstadt» zu hören. Jenes Modell einer Megacity für 30 000 Einwohner, wie es der Schriftsteller Max Frisch einst entworfen hatte, geistert noch immer in den Köpfen herum. In den Gesprächen kristallisierte sich ein eigentlicher Tenor heraus: Eine möglichst rasche und möglichst konkrete Auseinandersetzung mit der raumplanerischen Zukunft des Furttals sei nötig – und vielleicht gerade deshalb sei Frisch nicht vom Tisch, sondern vielleicht aktueller denn je. Ihre Vision besteht erst im Modell: Die ETH-Studenten Guillermo Dürig (links) und Philipp Schaefler. Foto: Florian Schaer

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