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«Solange ich kann, werde ich Blut spenden»

Der 64-jährige Neeracher Marcel Wanner hat schon 150-mal Blut gespendet. Damit ist er ein Vorbild in Zeiten, in denen die Blutreserven immer knapper werden.

Herr Wanner, gerade in letzter Zeit hört man wieder vermehrt, dass in der Schweiz zu wenig Blut gespendet werde. An Ihnen kann es wohl nicht liegen? Nein, das glaube ich nicht, denn ich kann gar nicht mehr geben. Man darf maximal viermal pro Jahr Blut spenden. Ich habe eine Spenderkarte und werde deshalb regelmässig telefonisch aufgeboten. Wenn immer möglich gehe ich. So habe ich insgesamt schon 150-mal Blut gespendet, wobei ich spezifizieren muss: Früher spendete ich Vollblut, später Blutplättchen und heute Plasma. Dabei wird nur das Plasma entnommen, während die übrigen Blutbestandteile dem Spender zurückgeführt werden. Weshalb, glauben Sie, gehen nicht genug Menschen Blut spenden? Ich weiss auch nicht, ob die Leute einfach nicht wollen, keine Zeit oder Angst haben. Oder ob es ihnen gleichgültig ist, weil sie das Gefühl haben, sie selber brauchen ja auch kein fremdes Blut. Ein Problem ist sicherlich auch, dass es Menschen gibt, die zwar gerne Blut spenden würden, aber die Voraussetzungen dazu nicht erfüllen. Wie könnte man die Bevölkerung dazu motivieren, mehr Blut zu spenden? Man müsste es wohl attraktiver machen. Es gibt Länder, in denen man Geld dafür bekommt. Da würde sich wohl mancher denken: Mit Blutspenden kann ich schnell ein bisschen Geld verdienen, wieso nicht? Muss man denn keine Angst vor dem Blutspenden haben? Ich hatte nie Angst und finde es völlig harmlos. Wer die Nadel nicht sehen mag, kann ja auf die Seite schauen. Ich gehe jeweils allein zur Blutspende. Ich brauche niemanden, der mir dabei Händchen hält. Haben Sie sich noch nie beim oder nach dem Blutspenden schlecht gefühlt? Es wird einem schon gesagt, man solle danach vorsichtig sein beim Aufstehen, aber ich hatte nie Probleme. Man wird übrigens bestens versorgt mit Lesestoff, Getränken und Essen. Nach dem Spenden merke ich dann jeweils schon, dass der Körper arbeiten muss, um das Blut zu ersetzen. Ich schwitze dann mehr als sonst. Warum ist Ihnen das Blutspenden so wichtig? Das ist meine Art, das Rote Kreuz und die Spitäler, die immer Blutnot haben, zu unterstützen. Es schadet mir nichts und tut mir gut. Sind Sie auch sonst ein spendabler Mensch? Es kommt drauf an, worum es geht. Ich finde: Wenn man in der Lage ist, Blut zu spenden, warum soll man es nicht tun? Man weiss nie, wann man selber mal darauf angewiesen ist. Das Gleiche gilt für Organspenden. Deshalb habe ich auch einen Organspenderausweis. Wie sind Sie zum Blutspenden gekommen? Vor der Rekrutenschule, als ich etwa 18 Jahre alt war, hatte ich oft Kopfschmerzen. Mir fiel auf, dass diese durch Nasenbluten verschwanden. Als ich dies einer Kollegin erzählte, die Krankenschwester war, meinte sie, ich solle doch mal Blut spenden gehen. Seither habe ich kaum noch Kopfschmerzen. Sind Sie eigentlich Rekordhalter in Sachen Blut spenden? Nein, ich habe schon von Leuten gelesen, die noch öfter Blut gespendet haben als ich. Es gibt viele, die regelmässig gehen, aber in Anbetracht der permanenten Knappheit an Blutreserven sind es immer noch zu wenig. Sind Sie trotzdem stolz darauf, schon 150-mal Blut gespendet zu haben? Schon ein bisschen, das macht schliesslich nicht jeder, obwohl es fast jeder könnte. Viele haben mir dazu gratuliert, und ich bekam als Geschenk vom Roten Kreuz einen Büchergutschein im Wert von 150 Franken. Wie lange wollen Sie noch Blut spenden? Solange ich kann, schliesslich gibt es keine Alterslimite mehr. Und wann werden Sie das nächste Mal gehen? Sobald ich vom Blutspendezentrum in Zürich wieder aufgeboten werde. Voraussichtlich Anfang Oktober. * Marcel Wanner ist 64 Jahre alt, Kaufmann von Beruf und lebt mit seiner Frau in Neerach. In seiner Freizeit singt er im gemischten Chor Neerach-Niederhasli und im Sängerbund an der Lägern. Er ist auch Präsident des Chorverbands Dielsdorf. www.blutspendezurich.ch.

Blutspender Marcel Wanner an seinem Gartentisch: «Ich habe auch einen Organspenderausweis.»

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