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Simpsons WM-Casting

Die Schweizer verpassten den Turniersieg an der Arosa Challenge. Doch die Niederlage gegen Weissrussland könnte heilsam wirken.

Von Simon Graf, Herisau Sean Simpson dürfte froh sein, dass sein ausgedehntes WM-Casting abgeschlossen ist. Auch wenn er dies am Samstag spät nach dem 3:4 gegen Weissrussland nicht explizit sagte, sondern so: «Ich habe wieder viel gelernt für die Zukunft, Spieler in verschiedenen Rollen gesehen. Ich weiss nun, was gut ist und was weniger optimal.» Was er genau gelernt hat, mochte der Kanadier nicht ausführen. «Ich gehe lieber nicht ins Detail. Sonst tönt es so, als kritisiere ich die Spieler. Und das ist nicht meine Absicht.» Denn es sei wieder eine positive Woche gewesen. Die Schlüsse daraus werden im Februar zu sehen sein, wenn die Schweizer am Slovakia-Cup erstmals in bestmöglicher Besetzung spielen sollen. Also dann, wenn man weiss, wer nach dem Casting – um die DSDS-Analogie weiterzuführen – auch zum Recall aufgeboten wurde. Bereits 74 Kandidaten Am Deutschland-Cup im November schickte Simpson eine verstärkte U-25-Auswahl aufs Eis, an der erstmaligen Arosa Challenge in Herisau nun ein Team ohne Spieler der Spengler-Cup-Teilnehmer (Back war die Ausnahme). 33 Spieler, die er im letzten Winter – noch nicht als Nationalcoach – erlebt hatte, debütierten an diesen zwei Terminen unter ihm. Insgesamt haben in der Ära Simpson schon 74 Spieler das rote (oder weisse) Dress mit dem Schweizer Kreuz getragen, in der Summe also dreieinhalb Teams. Obschon das Schweizer Eishockey breiter geworden ist, so viele valable WM-Kandidaten gibt es nun doch nicht. Simpson sammelt Erfahrungen, inwiefern sich gute Leistungen in der Liga aufs internationale Parkett transportieren lassen – oder eben auch nicht. Die Länderspiele gegen Frankreich (2:1), Dänemark (3:0) und Weissrussland (3:4) zeigten, dass viele Skorerpunkte in der NLA keine internationale Tauglichkeit garantieren. So waren die Langnauer Reber und Steiner und Zugs Casutt von der Intensität gegen die Weissrussen überfordert, auch die Klotener Entdeckung Bieber stiess an ihre Grenzen. Die Arosa Challenge deutete auch an, dass die Zeit Jeannins im Nationalteam abgelaufen ist. Der langjährige Captain wirkte kraftlos und blieb ohne Einfluss aufs Spiel. Zu Optionen im Sturm könnten dagegen Stancescu (als kräftiger Rollenspieler) und der gross gewachsene Lötscher werden. Und Domenichelli und Gardner wirkten bemüht, sich wieder aufzudrängen. Ambühls steiler Abstieg Die Bilanz der anderen «Zürcher» Spieler ist unterschiedlich: Captain Seger zeigte sich unbeeindruckt von seiner Baisse beim ZSC. Monnet gehört zu den torgefährlichsten Stürmern. Von Gunten gefiel im Spiel nach vorne, aber nicht in der eigenen Zone. Blum dürfte noch keine WM-Reife haben. Bärtschi kämpfte glücklos und Ambühl schon fast verzweifelt. An der WM war der Bündner noch der Center des ersten Sturms und Powerplays gewesen, inzwischen ist er in der vierten Linie und im Boxplay angelangt. Wertvolles Anschauungsmaterial lieferte vor allem der Final gegen ambitionierte Weissrussen. Auf die Osteuropäer, bei denen Simpson 2006 und 07 unter Glen Hanlon als WM-Assistent wirkte, treffen die Schweizer an der WM in der Slowakei im zweiten Gruppenspiel. Und genau die Partien gegen die zweite Garde Osteuropas sind wegweisend für den Turnierverlauf – in Deutschland war es jene zum Auftakt gegen Lettland. «Diese Nationen profitieren enorm davon, dass viele ihrer Spieler in der zweitbesten Liga der Welt spielen, in der KHL», bemerkte Simpson. Diese Fortschritte wurden auch im bitterkalten Herisau deutlich. Der Nationalcoach reiste bereits gestern weiter an die U-20-WM in die USA, wo er als Berater von Headcoach Richi Jost wirkt. Eine Stunde nach Spielschluss war Simpsons Enttäuschung über den verpassten Turniersieg verflogen. Er blickte freudig voraus und sagte: «Ich war seit 1980, seit ich in Helsinki für die Kanadier spielte, nie mehr an einer U-20-WM. Das wird spannend.» Sean Simpson muss nun aus den 74 Spielern, die bislang unter ihm gespielt haben, sein WM-Team formieren.Foto: Keystone

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