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Sie sind wenig zum Schlafen gekommen und haben in kurzer Zeit sehr viel geschaffen

In der Aktion 72 Stunden verwirklichten Jugendliche verschiedene Projekte in drei Tagen. Über 120 haben am rechten Zürichseeufer mitgemacht.

Von Julia Hitz «1, 2, 3, 4 . . .» tönt es zwischen den bunten Kartonhäusern auf dem Stäfner Gemeindeplatz hervor. Kinder spielen Verstecken, ihre Eltern dürfen sich im Café nebenan entspannen, und eine Bande Jugendlicher ist für all das verantwortlich. In drei Tagen hat sie Sponsoren gesucht, Flyer gedruckt, Kinder eingeladen und mit ihnen eine Kartonstadt gebaut und bemalt. Bunt sind nicht nur die Kartonhäuser auf dem sonst nüchtern grauen Gemeindehausplatz in Stäfa. Auch die Jeans der 14-jährigen Julia Niedermann sind mit Farbe bekleckert. «Macht nichts», sagt sie. Sie und ihre Freundinnen sind sichtlich stolz auf das Vollbrachte. Ohne Geld etwas auf die Beine zu stellen, sei etwas Besonderes, findet die 15-jährige Janine Sedleger. «Wir hätten nicht gedacht, dass so viel in so kurzer Zeit möglich ist», ergänzt Céline Riegger. Trauer in Zumikon Genau deshalb sei die Aktion 72 Stunden eine so gute Sache, findet die soziokulturelle Animateurin und Projektleiterin Judith Furrer. Sie hat die Jugendlichen während Besuchen in den Schulen Anfang des Sommers zum Mitmachen am Projekt bewegt. Eine solche Sache in so kurzer Zeit zu organisieren, sei eine Fähigkeit und Erfahrung der Jugendlichen, die nachhaltig sei, sagt sie. Der Entschluss, mit verschiedenen Aktionen Geld zu sammeln, hat für die Cevi Zumikon-Neumünster einen ganz persönlichen Hintergrund: Eines ihrer Cevi-Meitli verstarb letztes Jahr an Krebs. Die Jugendlichen sammelen daher mit verschiedenen Aktionen für die Vereinigung zur Unterstützung krebskranker Kinder. In der Stadt Zürich machen die 15- bis 25-Jährigen mit Morgenturnen im Tram und mit einem Velokurierdienst auf sich aufmerksam. Ein Höhepunkt ist der Sponsorenlauf am Sonntag. Das Ziel, 7200 Franken in 72 Stunden zu sammeln, übertreffen sie dabei. «Wir hatten alle wenig Schlaf», lächelt die Projektleiterin Sabine Kuster, «aber das war es wert.» Träume in Herrliberg Auch in Oetwil am See wird für einen guten Zweck gesammelt, an einem Strassenfest. Allerdings nicht ganz so erfolgreich: «Es waren wenige Leute da, die meisten waren irgendwo auf Ausflügen», meint Projektleiterin Janetta Allemann, da sei es schwierig gewesen, die Kinder zu motivieren. Die besten Ideen entstehen oft spontan. «Wünsche und Träume» sind das Thema in Herrliberg und Erlenbach. Zuerst war nur ein kleiner Film geplant. Die jungen Leute dachten sich aber noch mehr aus. Sie druckten Plakate mit Aufschriften, die zum Nachdenken anregen sollten. «Was wünschst du dir?», wird die Bevölkerung gefragt, als sie am Wochenende zum Einkaufen geht. Ausserdem überbringen die Jugendlichen im Auftrag von Passanten gute Wünsche. Das sei besonders schön gewesen, schwärmt die 21-jährige Jasmin Staub: «Die Leute sind es gewohnt, dass man etwas von ihnen will, wenn man klingelt. Als wir ihnen einen Muffin mit einem persönlichen Wunsch in die Hand drückten, waren sie überrascht und freuten sich sehr.» Mit 14 Kindern einen Zirkus zu veranstalten, dieses Ziel haben die Jugendlichen von Hombrechtikon erreicht. Da gibt es akrobatische Einlagen, einen Zauberer und eine Capoeira-Vorführung zu bestaunen. Sie hätten es bereut, an der letzten Aktion nicht mitgemacht zu haben, und hätten dieses Mal unbedingt dabei sein wollen, erklärt die 19-jährige Miriam Rupf. Männedörfler im Wald Am Sonntag um 18.11 Uhr ist die Aktion zu Ende gegangen. Im Wald neben Männedorf wird der erfolgreiche Abschluss gefeiert. Dort haben die jungen Leute eine Waldstelle gelichtet, eine Feuerstelle eingerichtet und zwei Sitzbänke aufgestellt. Die Leute seien sehr grosszügig gewesen, erzählt Thomas Zollinger, sie hätten «ganz viel Essen» gesponsert. Was übrig ist, wird jetzt verzehrt, und dabei diskutieren die Teilnehmer Projekte für die nächste 72-Stunden-Aktion in vier Jahren. In Stäfa ist vor dem Gemeindehaus eine Kartonstadt entstanden. Foto: Silvia Luckner

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