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Sie machen die Welt zu ihrem Spielplatz

Seit vier Jahren betreiben Horgner Jugendliche Parkour. Sie überwinden dabei spielerisch urbane Hindernisse, genau wie ihre Vorbilder in den Pariser Vorstädten.

Von Andreas Kurz Horgen – Michael Trinkler steht auf einem Betonsockel auf dem Pausenplatz des Bildungszentrums Zürichsee Horgen. Er hält kurz inne, bevor er aus dem Stand zu einem Zweimetersprung an eine knapp zweieinhalb Meter hohe Wand ansetzt. Dann springt er ab, hält sich an der Kante fest, stösst sich mit den Füssen ab und schwingt sich über die Wand. Er braucht keine zwei Sekunden, um das Hindernis zu bezwingen. Genau darum geht es bei Parkour: Möglichst direkt von A nach B zu kommen. Sei es über Pfützen, Papierkörbe, Bänke, Blumenbeete, Geländer oder Mauern. Bei der Aktion hat sich Trinkler die Handfläche am rauen Beton blutig geschürft. Schürfungen, blaue Flecken, verknackste Füsse und Muskelkater gehörten bei dieser Sportart dazu, sagt der 20-Jährige. Trotzdem sei Parkour nicht besonders gefährlich. Während neun Jahren Handball habe er sich mehr kaputt gemacht als in der Zeit, seit er Parkour praktiziere. Der Film als Inspiration Seit vier Jahren treffen sich Michael Trinkler, Yannik Bernasconi und Hans-Peter Flury zum Training ihrer Gruppe «Parkour Area51». Auf die Sportart aufmerksam wurden sie durch Fernsehberichte und Filme wie «Banlieue 13» oder «Yamakasi». Laufend stiessen weitere Kollegen dazu; heute sind sie zu zehnt. Seit knapp zwei Jahren ist auch eine jüngere Gruppe aus Oberstufenschülern dabei. «Wir sahen Videos auf Youtube und fanden es cool», sagt der 13-jährige Yanick Rek. «Wenn ich spät dran bin für die Schule, mache ich Parkour.» Ideale Trainingsorte sind für die Traceure moderne Betonbauten. Oft trainieren sie auf Schulanlagen oder in Industriegebieten. Dabei achten sie darauf, dass sie die Umgebung so zurücklassen, wie sie sie angetroffen haben. «Dazu gehört auch, dass wir keine Schuhe mit schwarzen Sohlen anziehen, weil diese Striemen an den Wänden hinterlassen», sagt Yannik Bernasconi. Auch das Training gehen sie gewissenhaft an. Sie dehnen, laufen sich ein und wärmen die Muskeln auf. Der Einklang von Körper und Geist ist bei Parkour zentral. Ansonsten könne es schmerzhaft werden. «Sich dazu zu überwinden, zu springen, ist die grösste Herausforderung», sagt Bernasconi, «und bei einem komischen Gefühl lässt man es besser bleiben.» Die Jugendlichen schätzen, dass sie ihren Sport jederzeit ausüben können, bestückt mit Pulswärmern zum Schutz vor Schürfungen, Bauchtasche und Videokamera, um die besten Sprünge festzuhalten. Passanten applaudieren Die beiden Automechaniker Michael Trinkler und Yannik Bernasconi haben sich auch in der Berufsschule mit ihrem Hobby befasst. In ihrer 38-seitigen Arbeit «Let the world be our playground!» machten sie die Meinung der Bevölkerung zum Thema. Früher habe es öfters Diskussionen mit Hausabwarten gegeben, Leute hätten mit der Polizei gedroht, «aus Angst, wir würden etwas kaputt machen», sagt Bernasconi. Mittlerweile sei das anders. «Immer öfters applaudieren uns Passanten sogar.» Statt um die Mauer zu gehen, springen die Traceure Michael Trinkler (l.) und Hans-Peter Flury (r.) darüber. Fotos: Silvia Luckner

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