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Sie haben sich ein Mikrofon gekauft und machen nun Radio für Junge

Fünf Thalwiler Jugendliche gehen heute mit ihrem T-Radio erstmals auf Sendung. Zu hören ist das Produkt im Internet.

Von Thomas Zemp Thalwil – Jetzt ist Joel Ribary plötzlich angespannt und nervös: Er hält das Mikrofon in der Hand und sagt zum ersten Mal einen Beitrag an für T-Radio. Vor ihm liegen drei A4-Seiten mit seiner Moderation. Wie die Profis hat Ribary alles so aufgeschrieben, wie er es sagen will: in Mundart. Er versucht, nicht allzu schnell zu reden, den Atem unter Kontrolle zu halten und sich nicht zu verhaspeln. In den ersten Sätzen hört man die Anspannung in seiner Stimme. Dann wird er gelöster, er spricht so, als würde er das Ganze einem Freund erzählen. Einmal stockt er noch, ein zweites Mal stolpert er über einen Namen. Vor der Aufnahme war Ribary noch ganz cool, engagierte sich in der Diskussion über die Radiosendungen. In der ersten Sendung berichten die Radiomacher vom Freestyle.ch. Der Anlass mit Extremsportarten ging vor zwei Wochen auf der Landiwiese in Zürich über die Bühne. T-Radio war mit zwei Reportern vor Ort und machte dort Interviews zur Schneezubereitung, aber auch zum Abfall und zum Eintrittspreis, der gerade für Jugendliche sehr hoch ist. Marc Vetterli und Joel Ribary hatten sich eigens für den Anlass als Journalisten akkreditieren lassen und ihren ersten Medienausweis erhalten. Seine Worte und die ganze Radiosendung kann man ab heute Samstag im Internet auf Facebook oder Youtube hören. Joel Ribary und seine vier Freunde Marc Vetterli, Pascal Ryser, Marc Utzinger und Mirco Leali haben dazu T-Radio gegründet – ausgesprochen wird der Name englisch. T steht dabei für Thalwil, aber auch für Teens, denn mit T-Radio wollen die fünf Jugendlichen die Teens in der Region Thalwil und am ganzen Zürichsee ansprechen. Sie selbst sind alle 13 oder 14 Jahre alt und besuchen verschiedene 2.-Sekundarklassen im Schulhaus Berg in Thalwil. 1000 Franken Startkapital Vom Radiovirus befallen wurden die Thalwiler vor einem halben Jahr: Vier der fünf Jugendlichen nahmen am Kurs von Yougendradio teil und lernten dort, wie man Sendungen aufzeichnet und schneidet, Interviews führt und Jingles produziert. Organisiert haben den Kurs die Jugendarbeitsstellen Richterswil, Wädenswil, Thalwil und Meilen. Nachdem die vier Thalwiler ihr Vorhaben an der Jugendsession vorgestellt hatten, sprach die Gemeinde ihnen 1000 Franken zu. Ein Teil des Beitrags ging für den Kurs weg, 200 Franken investierten sie in das Mikrofon. T-Radio haben die Jungjournalisten nun ganz ohne Unterstützung der Jugendarbeit gegründet. «Wir haben alles selber gemacht und nur dort Hilfe geholt, wo wir sie wirklich benötigten», sagt Marc Vetterli. Auch das Logo ihres Senders haben sie selber entworfen und darauf Grafikern vorgelegt. Ihre Vorschläge haben sie in die Umsetzung einfliessen lassen. Ein Vater musste für die Minderjährigen zudem ein Bankkonto eröffnen, damit diese für den Sender Geld deponieren können und über eine EC-Karte verfügen. Sichereres Auftreten Ein eigentliches Aufnahmestudio haben die fünf Thalwiler nicht: Um eine Radiosendung fürs Internet zu produzieren, brauche es das auch nicht. Ein Aufnahmegerät mit einem guten Mikrofon und ein Computer mit einem Audioprogramm reichten aus. Die erste Sendung wird bei Marc Vetterli daheim produziert. Für die Sprachaufnahmen ziehen sich die Jugendlichen in einen kleinen Raum zurück, weil es dort ruhig ist und der Raum nicht hallt. Geschnitten wird die Sendung im Wohnzimmer am iMac. Weitere Sendungen sind bereits in Planung. Die fünf Jungs möchten alle paar Wochen eine einstündige Sendung ins Netz stellen und immer ein Thema behandeln, das Jugendliche betrifft. In Planung haben sie zum Beispiel das Thema «Berufswahl». «In jeder Sendung wollen wir zudem einen Kinotipp bringen», sagt Vetterli. Und natürlich darf auch die Musik nicht fehlen, die unter dem Signet T-Charts laufen soll. «Wir haben in kurzer Zeit extrem viele Erfahrungen gesammelt», sagt Joel Ribary. Er habe gelernt, auf Leute zuzugehen und Fragen zu stellen, das brauche Mut. Seither trete er sicherer auf, und das Sprechen vor dem Mikrofon falle ihm leichter. «Das kann später wichtig sein, zum Beispiel bei Vorstellungsgesprächen.» Ribary kann sich auch gut vorstellen, einmal berufsmässig bei den Medien zu arbeiten. Aber eher beim Radio als beim Fernsehen. «Radio ist spannender. Und ich finde, man hat da mehr Freiheiten.» T-Radio finden: bei www.google.ch «t-radio», «facebook» und «thalwil» eingeben. Der erste Link verbindet mit der Homepage. Marc Vetterli, Joel Ribary und Pascal Ryser (v. l.) sind vom Radiovirus befallen und produzieren im Wohnzimmer Sendungen. Foto: Patrick Gutenberg

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