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Sicher ist nur noch das Minimum

Die Pensionskasse von SAP Schweiz lanciert ein neues Modell. Sie beteiligt die Versicherten direkt an der Performance. So sollen sie mehr erhalten, weil die Kasse weniger Reserven benötigt.

Von Erich Solenthaler Das Schweizer Pensionskassensystem hat viele Vorteile, für rasch wachsende Unternehmen aber auch Nachteile. Einen davon bekam der Softwarekonzern SAP drastisch zu spüren. Weil eintretende Mitarbeiter keine Reserven mitbringen und die in einer Pensionskasse angehäuften Rückstellungen auf mehr Personen und ein grösseres Vorsorgekapital verteilt werden müssen, geriet die Vorsorgeeinrichtung von SAP 2003 in eine Krise und musste vom Unternehmen mit 7 Millionen Franken saniert werden. «Reserven-Verwässerung» heisst der Effekt, der sie in die Knie zwang. «Das kam für uns überraschend und ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als das Umfeld auch für SAP schwierig war», erklärt Thomas Scherr, Präsident des Stiftungsrats und Finanzchef von SAP Schweiz in Regensdorf. Seine Pensionskasse, die Sapension, hat sich inzwischen erholt. Mit einer Bilanzsumme von 165 Millionen Franken gehört sie zu den mittelgrossen Vorsorgeeinrichtungen. Sie beteiligt sich regelmässig am Pensionskassenrating und holte sich dieses Jahr, nicht zuletzt dank den hohen Arbeitgeberbeiträgen, den 6. Rang. Aber Scherr zweifelt, ob die Gesundung nachhaltig ist. Automatik statt Beschlüsse Deshalb hat Sapension zusammen mit Marc Beuggert, Vorsorgespezialist vom VZ Vermögenszentrum, ein für die Schweiz neues Modell entwickelt: Die aktiv Versicherten werden seit diesem Jahr direkt an der Performance beteiligt. In guten Jahren ist dies kein Problem. Aber wenn Verluste anfallen, müssen sich die Versicherten auch mit sinkenden Guthaben in der Pensionskasse abfinden. «Das hat nichts mehr mit einer Lebensversicherung gemeinsam», kommentiert Beuggert das Konzept. Dabei geht Sapension weit. Die Gutschrift erfolgt mechanisch nach rechnerischen Kriterien und wird nicht mehr wie sonst üblich von einem Stiftungsrat festgelegt. Stiftungsräte beachten bei ihren Entscheidungen andere Kriterien als die Performance – besonders Deckungsgrad, Berechenbarkeit und verteilungspolitische Fragen. Solche Faktoren zählen bei Sapension nicht. Das Modell ist transparent; jeder Versicherte kann ausrechnen, was ihm zusteht, wenn er die Performance kennt. Zudem überträgt die Pensionskasse die Anlagerisiken auf die Mitarbeitenden und kommt so mit einer geringeren Schwankungsreserve aus. Sapension benötigt nur noch 5 statt wie bisher 12 Prozent des Vorsorgekapitals. Mitarbeiter profitieren Mitarbeiter müssen sich deshalb nicht wie in anderen Kassen – unter Umständen noch Jahre lang – mit einer geringen Verzinsung begnügen, bis die Reserven wieder aufgebaut sind. Sie profitieren schneller von einer günstigen Börsenentwicklung und können bei einem Stellenwechsel mehr mitnehmen. Das zählt in einer Branche mit einer hohen Fluktuation. Die Minimalvorschriften des Berufsvorsorge-Gesetzes gelten auch für Sapension. Um die Einhaltung zu kontrollieren, führt sie für jeden Versicherten zwei Konten: Auf einem Sparkonto kommen die gesetzlichen Minimalvorschriften zur Anwendung. Die Performancebeteiligung spielt sich auf dem Überschusskonto ab (Grafik). Auf Verlangen der Aufsicht muss sein Umfang auf 20 Prozent des gesamten Vorsorgekapitals eines Versicherten begrenzt bleiben. Das soll die Risiken in Grenzen halten. Trotzdem können Versicherte in einem Crash viel verlieren – und zwar dauerhaft, wenn dies ausgerechnet vor der Pensionierung geschieht. «Da muss man genau hinschauen, sagte Pedro Fischer, Kommunikationschef der Sulzer-Vorsorgeeinrichtung. Er befürchtet: «Das Modell gefährdet die Solidarität unter den Versicherten.» Beim Pensionskassenverband Asip stösst das Modell der direkten Performancebeteiligung auf Skepsis. «Es geht in der Individualisierung weit und widerspricht dem Gedanken der kollektiven Anlage, wonach die Pensionskasse das Risiko tragen soll», erklärt Geschäftsführer Hanspeter Konrad. «Für solche Modelle haben wir die dritte Säule. Die zweite braucht man dazu nicht auch noch.» Konrad vergleicht Sapension mit den amerikanischen 401k-Plänen. Auch Ernst Welti von der Pensionskasse der Stadt Zürich geht auf Distanz: «Eine Versicherung soll die Vorsorge glätten. Eine zu sprunghafte Entwicklung des Vorsorgevermögens ist nicht wünschenswert.» Für dieses gilt bei der PKZH sogar die Besitzstandwahrung. «Sie gibt den Versicherten ein gutes Gefühl.» Nur bei Herbert Brändli von der Sammelstiftung Profond kommt die Performancebeteiligung gut an. Er würde sogar einen Schritt weiter gehen: Die Versicherten sollten entscheiden, wann sie nach einem Stellenwechsel die Freizügigkeit transferieren. Brändli: «Das Auflösen von Vorsorgekapital kappt jede langfristige Anlagestrategie, für die Pensionskassen prädestiniert sind.» Auch die Renten anpassen Weil Sapension nach der Umstellung über keine grossen Reserven verfügt, müssen früher oder später auch die Renten an die Performance gebunden werden. Darüber ist sich Scherr von SAP im Klaren. Ein Modell wie das von PricewaterhouseCoopers kann er sich «durchaus vorstellen». Diese Pensionskasse teilt die Rente in einen vorsichtig kalkulierten, garantierten und in zweiten, an die Performance gebundenen Teil auf. Mit dieser Reform kann sich Sapension allerdings Zeit lassen, denn vorläufig hat die junge Kasse erst wenige Rentner.

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