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Seltene Krankheit in den Rebbergen am rechten Seeufer

Einzelne Sorten sind von Stiellähme befallen, was in der Gegend unüblich ist. Die Winzer befürchten aber noch keinen Ertragsausfall.

Von Petra Schanz Stäfa/Männedorf/Meilen – Der Räuschling an der Stäfner Sternenhalde ist stark von Stiellähme betroffen. Die Reben gehören zu einer Versuchsparzelle der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW). «Das ist ausserordentlich, denn am rechten Zürichseeufer haben wir normalerweise keine grossen Probleme mit Stiellähme», sagt Werner Siegfried von der ACW. Bei der Stiellähme ist wegen ungenügender Befruchtung die Nährstoffzufuhr der Traubenbeeren abgeklemmt, und diese beginnen zu schrumpeln. Je früher dies passiert, desto schlimmer, denn die Beeren können so nicht reifen, bleiben sauer und würden den Wein verderben. Seien mehr als 10 Prozent der Traubenbeeren befallen, müssten diese bei der Ernte mit viel Aufwand herausgelesen werden, sagt Siegfried. Ursache für den Befall der Reben seien die Witterungsbedingungen während der Blütezeit Mitte Juni bis Anfang Juli gewesen. Die sehr tiefen Temperaturen in dieser Periode hätten zu einer schlechten Befruchtung der Reben geführt. Ursache ist nicht eindeutig Das kalte Wetter während der Blütezeit hat eine weitere negative Folge: die sogenannte Verrieselung. Einzelne Beeren fallen aus oder hören auf zu wachsen, weil die pflanzeneigenen Hormone fehlen, erklärt Siegfried. Das Wachstum sei so schneller abgeschlossen, die kleinen Beeren schneller reif. So schrumpeln sie oder platzen bei Regen auf. «Wo die Trauben stark verrieselt sind, kann es auch zu stärkerer Stiellähme kommen», sagt Siegfried. Es sei aber nicht eindeutig erwiesen, dass Verrieselung und Stiellähme zusammenhingen. Ebenfalls gebe es für die Ursache der Stiellähme verschiedene Theorien. Neben dem kalten Wetter als Auslöser vermutet man auch, dass extreme Wetterschwankungen während der Blütezeit oder bei Beginn der Beerenreife zu Stiellähme führen können. Tatsache ist, dass Nährstoffe fehlen, weil die Versorgung unterbrochen ist. Deshalb bekämpft man die Krankheit auch mit Magnesium. «Mit zwei gezielten Behandlungen haben wir gute Erfahrungen gemacht», sagt Siegfried. Damit wird die Stiellähme grösstenteils gestoppt und kommt nur vereinzelt zum Ausbruch. Man sollte die Behandlungen in gefährdeten Gebieten aber prophylaktisch durchführen. Abzuschätzen, wo dies nötig wird, ist aber nicht ganz einfach. «Wir haben keine zuverlässigen Prognosen, auf die wir uns stützen können», sagt Siegfried. Sorten nicht gleich anfällig Dieses Jahr wurde beispielsweise eine Pflanzenschutzempfehlung herausgegeben und eine zweimalige Magnesiumbehandlung in gefährdeten Zonen und bei anfälligen Sorten vorgeschlagen. Der Rebbauer müsse dies aber selbst beschliessen, sagt Siegfried. Die Forschungsanstalt ACW Wädenswil hat sich dagegen entschieden. Fälschlicherweise, wie sich nun herausstellt. «Wir hätten besser etwas unternommen.» Nicht alle Sorten sind gleich anfällig auf Stiellähme. Riesling-Silvaner und Blauburgunder reagieren in der Regel weniger empfindlich als der Räuschling. Bei Winzer Hermann «Stikel» Schwarzenbach aus Meilen ist es umgekehrt. «Beim Räuschling sieht es sehr gut aus», sagt er. Einige wenige Traubenspitze seien befallen, der Verlust sei aber vernachlässigbar. «Vor zwei Jahren war es schlimmer.» Der Blauburgunder sei stärker betroffen, aber auch da könne man nicht von einem Problem sprechen. Befallene Trauben geschnitten Etwas mehr Befall hat der Männedörfler Rebbauer Eric «Rico» Lüthi. Im Lattenberg und der Sternenhalde gebe es keine Probleme, dafür in der Ueriker Risi. «Es kommt auf die Lage, den Boden und den Rebstock an, auf den die Traube aufgepfropft ist», erklärt Lüthi. Magnesium hat der Winzer auch in der Ueriker Risi nicht gespritzt. «Jetzt wäre es fast zu spät dazu.» Da man die Reben sowieso auslichten muss, habe er nun einfach die befallenen Trauben herausgeschnitten. Die Ertragseinbusse werde sich so im Rahmen halten.

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