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Sandfelsen-Projekt kritisiert wegen Kosten und Kommunikation

Behörde und Architekten präsentierten im Erlibacherhof das Überbauungsprojekt «Salamander».

Von Linus Schöpfer Erlenbach – Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul – dieses althergebrachte Sprichwort drängte sich an der Informationsveranstaltung vom vergangenen Mittwoch geradezu auf. Mehrmals wiesen Mario de Capitani und Claude Reinhardt von der Erlenbacher Liegenschaftskommission die 70 Anwesenden darauf hin, dass der Sandfelsen für eine Überbauung nicht ideal sei, dass die Gemeinde aber schlicht keine Wahl habe und sie das 2005 zum Vorzugspreis erstandene, knapp 6000 m2 grosse Gebiet nun möglichst optimal verwerten müsse. Der Handlungsbedarf sei bedrohlich gross geworden, meinte Kommissionspräsidentin und Gemeinderätin Nicole Lauener (CVP): «Der freie Markt kann die soziale Durchmischung nicht mehr gewährleisten.» 24 Wohnungen in 4 Blöcken Die geplante Kleinsiedlung «Salamander», über welche die Erlenbacher am 28. November abstimmen, soll dem überhitzten Erlenbacher Immobilienmarkt nun Linderung verschaffen. Sie ist primär für Familien und Pensionäre vorgesehen. «Salamander» wurde vom Architekturbüro phalt Architekten lanciert, nachdem die Gemeindeversammlung im Dezember 2008 den kommunalen Wohnungsbau im Sandfelsen beschlossen hatte, und ging schliesslich als Sieger aus dem Projektwettbewerb der Behörde hervor. Das Projekt sieht 24 neue Wohnungen vor, verteilt auf vier Blöcke. Eine Tiefgarage verbindet die Blöcke unterirdisch, was die Architekten an die Form eines Reptils erinnerte – deshalb die Bezeichnung «Salamander». 17 der 24 Wohnungen haben 3½ oder 4½ Zimmer. Sie sollen die Mieter plangemäss 1800 bis 2500 Franken im Monat kosten, was mindestens 1000 bis 1500 Franken unter dem Marktwert liegt. Der übrige Wohnraum besteht aus vier 2½-Zimmer-Wohnungen und drei 5½-Zimmer-Wohnungen. Das Siedlungsprojekt stiess im Plenum aus zweierlei Gründen auf teilweise heftige Kritik. Angeprangert wurde einerseits, dass die Behörde nunmehr für das Projekt Baukosten von 15 Millionen Franken veranschlagt, obschon an der Dezember-Gemeindeversammlung 2008 noch von lediglich 8,5 Millionen die Rede gewesen war. Die damals von der Förderstelle für genossenschaftlichen Wohnungsbau erarbeiteten Zahlen hätten auf falschen Prämissen basiert, erklärte Lauener die eklatanten Mehrkosten. Falsche Schätzung So habe die Förderstelle mit den ursprünglich vorgesehenen 20 Wohnungen gerechnet, währenddessen das «Salamander»-Projekt die Anzahl Wohnungen auf 24 erhöhen konnte, sagte Lauener. Überdies habe die Förderstelle den für «Salamander» vorgesehenen Minergie-Standard ebenso ignoriert wie die ungünstige Topografie und die verwinkelte Form der Parzelle. Auch sei die Förderstelle bei ihrer Schätzung von einer Siedlung mit 60 Wohnungen ausgegangen, welche sie dann fälschlicherweise auf die 20 Wohnungen heruntergebrochen habe. Mehrmals erhob ein Kritiker im Saal die Forderung nach einem Generalunternehmer, der für Kostensicherheit bürgen würde. «Sonst laufen die Ausgaben noch stärker aus dem Ruder», moniert er. Claude Reinhardt von der Erlenbacher Liegenschaftskommission begegnete diesem Ansinnen mit Skepsis: «Ein GU schraubt einfach an der Qualität, wenn er unter Preisdruck gerät, und das wollen wir nicht riskieren.» Komplett ausschliessen wollte Reinhardt eine GU-Lösung dennoch nicht. Keine Angst vor Rechtsstreit Verschiedene Anwohner der Sandfelsen-Parzelle zeigten sich erbost darüber, zur Projektplanung nicht beigezogen worden zu sein. «Nie wurde ich angehört», schimpfte ein Votant. Lauener gab kommunikative Versäumnisse zu, verwahrte sich aber gegen den ebenfalls erhobenen Vorwurf, mit der geplanten Areal-Erschliessung Recht zu brechen. Ihr war vorgehalten worden, die vertrackte Situation rund um die Kreuzung von Sandfelsenstrasse und Gottlieb-Pfister-Weg zu unterschätzen. Lauener erklärte auf Nachfrage, dass die Gemeinde über einen verbindlichen Vorentscheid bezüglich der Erschliessung verfüge und sich folglich vor einem Rechtsstreit nicht zu fürchten brauche. «Ein GU schraubt einfach an der Qualität, wenn er unter Preisdruck gerät, und das wollen wir nicht riskieren.» Claude Reinhardt Bildlegende.Foto: Vorname Name, Agentur

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