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Riit-Muus zieht nach Deutschland

Weil Andrea Schmidt ihren Ponyhof in Bassersdorf nicht mehr betreiben kann, wandert sie aus. Mit ihren 20 Ponys arbeitet sie künftig in einer grossen Reitanlage.

Von Sarah Sidler Bassersdorf – Nach einer dreijährigen, verzweifelten Suche atmet Andrea Schmidt auf. Sie hat endlich einen Weg gefunden, um ihren Ponyhof Riit-Muus weiterführen zu können. Anfang März zieht sie mit ihren 20 Ponys von Bassersdorf in die rund 30 Kilometer entfernte Reitanlage Feldwiesen in Lottstetten. Dort führt sie weiterhin Ausritte, Reitlager und Kindergeburtstage durch. «Diese Lösung kam in letzter Sekunde», sagt Schmidt. Sie hatte bereits Angst, ihre Tiere verkaufen zu müssen, weil sie den Hof in Bassersdorf nun endgültig verlassen muss. Obwohl ihr die Behörden gut gesinnt waren, kam sie in Zugzwang. Patrik Baumgartner, Abteilungsleiter Bau und Werke, sagt: «Die Bevölkerung machte Druck, damit die Gemeinde die Bau- und Zonenordnung umsetzt.» Das Regelwerk verbietet es, mehr als vier Pferde in der Wohnzone zu halten. Nach dem Pony wartet das Pferd «Anfangs hatte ich einige Bedenken, mit den Tieren nach Deutschland zu ziehen», sagt Schmidt. Doch schliesslich hätten die Sachzwänge überwogen: «Ich musste einfach zusagen, eine andere Möglichkeit sah ich nicht.» Sie habe die Riit-Muus fünf Jahre lang aufgebaut und viel Zeit und Geld darin investiert. «Ich hätte nicht gewusst, wie ich ohne die Tiere meinen Lebensunterhalt verdienen sollte.» Jetzt freue sie sich auf die kommende Zeit. Schmidt kennt die Betreiberin der Reitanlage in Lottstetten, Sonja Monsch, seit einigen Jahren. Die Bassersdorferin schickte ihre zwei Lehrlinge zu Monsch in die Reitstunde. Monsch ist Präsidentin des Reitvereins Wallisellen und führt den Hof ennet der Grenze seit gut einem Jahr. Die Anlage verfügt über zwei Reithallen, 50 Boxen und einen Sandplatz. Monsch sieht die Integration der Riit-Muus in ihren Betrieb als Ergänzung. Während sie einen Pensionsstall betreibt und Reitstunden auf ihren 10 Pferden anbietet, kann sich Schmidt mit ihren Ponys um die kleinen Kinder kümmern. Wachsen diese aus dem Ponyalter raus, können sie auf Monschs grossen Pferden weiterreiten und Dressur- oder Springstunden nehmen. Schmidt hofft nun, dass ein Teil ihrer 200 Kunden den Umzug mitmacht und die Mütter ihre Kinder auch nach Deutschland zu den Ponys bringen. Um baldmöglichst umziehen zu können, ist Schmidt derzeit in Kontakt mit Zollämtern und Tierärzten. Alle 20 Ponys benötigen aktuelle Gesundheitsbescheinigungen, um nach Deutschland umziehen zu dürfen. Zoolino war interessiert Bereits Ende des letzten Jahres war Hoffnung für Schmidt aufgeflackert. Der Zoolino des Zoos Zürich hat die Bassersdorferin für eine Zusammenarbeit angefragt. Im Zoolino können die jüngsten Besucher Tiere hautnah erleben. Sie haben die Möglichkeit, Schweine, Schafe, Ponys, Zwerggeissen und andere Heim- und Nutztiere zu streicheln und zum Teil auch zu füttern. Doch bis die Zusammenarbeit angelaufen wäre, hätte es zwei bis drei Jahre gedauert – zu lange für Schmidt. Die ursprünglichen Pläne Schmidts, den Kundelfingerhof bei Diessenhofen oder das Hotel Sternenberg im Zürcher Oberland zu erwerben, haben sich ebenfalls zerschlagen. Geplant war, die Höfe in Zusammenarbeit mit den Sozialwerken von Pfarrer Ernst Sieber und dem sozialpädagogischen Jugendtraining Anker weiterzuführen. Schmidts Partner Georg Langhart betreibt das Jugendtraining Anker. Dessen Aufgabe, die Integration von Jugendlichen ins Berufsleben, hätte das Angebot von Siebers Sozialwerken ergänzt: Schmidts Ponys sollten den Jugendlichen Halt geben und zu einem strukturierten Tagesablauf verhelfen. Was mit dem Hof in Bassersdorf geschieht, ist derzeit unklar: Der ehemalige Bewohner und Besitzer lebt im Altersheim. Die Erbengemeinschaft will das Bauernhaus samt Umschwung verkaufen. Andrea Schmidt kann wieder lachen: Ihre Tiere haben in Lottstetten bald ein neues Dach über dem Kopf. Foto: Madeleine Schoder

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