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Reiche Kirchgemeinden rüsten zum Aufstand

Kirchgemeinden der Goldküste wollen nicht ständig mehr Geld an die Zentralkasse abliefern. Sie bekämpfen höhere Abgaben, weil sie Austritte befürchten.

Zumikon. - Es ist zwar bloss ein Brief des Aktuars der Kirchgemeinde Zollikon an den Zürcher Kirchenrat. Doch er birgt Zündstoff. Beat Hauri schreibt darin, dass seine Kirchgemeinde Stimmfreigabe beschlossen hat zur neuen Kirchenordnung, über die am 27. September abgestimmt wird. Damit schert sie aus dem Chor der Befürworter aus, die von links bis fast rechts und quer durch den ganzen Kanton für das neue Regelwerk sind. Grundsätzlich ist die Vorlage kaum umstritten. Einzig die SVP stört sich am vorgesehenen Stimmrecht für Ausländer in Kirchenfragen.

Es sind jedoch nicht fremdenfeindliche, sondern pekuniäre Gründe, die zur Stimmfreigabe in Zumikon geführt haben. Die Gemeinde befürchtet mehr Abgaben an die Zentralkirche. Die Kirchenordnung sieht nämlich vor, dass die Synode mehr Geld in eigener Kompetenz ausgeben darf. Bei den einmaligen Ausgaben liegt die Limite neu bei 4 Millionen (bisher 2 Millionen), bei jährlich wiederkehrenden Posten wird sie von 200 000 auf 400 000 Franken erhöht. Hauri befürchtet, dass die Ausgaben überborden und die Kirchgemeinden immer stärker zur Kasse gebeten werden.

Zumikon zahlt 200 000 Franken mehr

Doch eigentlich ist die Kirchenordnung nur ein Nebenschauplatz. Zumikon geht in Stellung gegen die neue kirchliche Finanzverordnung, die in Vorbereitung ist. Auf deren Basis muss die Seegemeinde nächstes Jahr gut 50 Prozent mehr als bisher in die Zentralkasse nach Zürich liefern. Der Beitrag steigt von 482 000 auf 731 000 Franken. Ein Teil dieser Erhöhung erfolgt, weil neu die Kantonalkirche die Pfarrer besoldet. Netto zahlt Zumikon 200 000 Franken mehr. Und die Abgaben dürften noch weiter steigen, weil ein neuer Lastenausgleich zwischen reichen und armen Kirchgemeinden angestrebt wird.

Referendum wird vorbereitet

Der Brief ist also ein Warnschuss vor den Bug des Kirchenschiffs in Zürich. Sollte die geplante Finanzverordnung nicht geändert werden, werden einige reiche Gemeinden das Referendum dagegen ergreifen. Hauri: «Wir haben unsere Kriegskasse bereits mit 20 000 Franken geäufnet.» Kontakte bestehen mit Erlenbach, Zollikon und Küsnacht. Und auch die Stadtzürcher Kirchgemeinden haben Unterstützung signalisiert. Laut Hauri gehts beim Kampf gegen mehr Abgaben und Ausgaben ums Lebendige: Steigen sie, müssen die Steuern erhöht werden. Und da an der Goldküste einige wenige Kirchgemeindemitglieder sehr viel bezahlen, befürchten die Kirchen, dass sich die Austritte häufen. Sie leiden ohnehin bereits unter Mitgliederschwund.

Kirchenratspräsident Ruedi Reich versteht die Bedenken Zumikons, weist aber auf die grossen Unterschiede in der Steuerbelastung zwischen den Gemeinden hin: Während Zumikon 6 Prozent Kirchensteuern erhebt, müssen etwa die reformierten Winterthurer 14 Prozent bezahlen. Da müsse ein gewisser Ausgleich stattfinden. Zudem stehen der Kirche künftig weniger Staatsgelder zur Verfügung. «Wir nehmen aber die Anliegen dieser Gemeinden ernst und werden versuchen, eine mittlere Lösung zu finden», sagt Reich.

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