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Regensdorfer Primarschulpflege nimmt weitere Kündigungen in Kauf

Sollten im Primarschulhaus Watt auch Junglehrer ihren Dienst quittieren, stünden genügend Nachfolger zur Verfügung, sagt die Behörde. Eltern, Lehrer und Parteien sind entsetzt.

Von Bodo Lamparsky Regensdorf – Die Primarschule Regensdorf kennt den Begriff «Lehrermangel» offenbar nur vom Hörensagen. Acht langjährige Lehrkräfte aus dem Schulhaus Watt hatten Mitte Februar die Kündigung eingereicht, nachdem die neue Schulleiterin unvermittelt entlassen worden war. Inzwischen sind alle Stellen wieder besetzt. 38 Bewerbungen seien für die frei werdenden Jobs eingegangen, sagte Schulpräsidentin Brigitta Lott (parteilos) am Montagabend vor der Gemeindeversammlung. 13 Bewerbungen – «eine grosse Auswahl qualifizierter Kandidaten» – zählte sie für den Schulleitungsposten. «Wir gelten eben als eine der besten und innovativsten Schulen im Kanton Zürich», begründet sie ihren Erfolg am Stellenmarkt. Ein fortdauernder Konflikt mit dem Lehrkörper in Watt scheint ihr da nichts auszumachen. «Sollten im April Kündigungen von Junglehrern erfolgen, werden wir auch diese Stellen besetzen können.» Bei den Eltern der Watter Kinder kommt diese Kampfansage nicht gut an. «Ein Schlag ins Gesicht der ganzen Lehrerschaft», kommentiert Herbert Zimmermann, Sprecher der Interessengemeinschaft Pro Schule Regensdorf «die Tirade von Frau Lott». Die Primarschulpräsidentin zeige keinerlei Anzeichen von Selbstkritik. «Es ist sicher nicht im Sinne von uns Eltern, wie mit dem Lehrkörper umgegangen wird.» Die IG, der mittlerweile gut 80 Personen angehören, sei immer noch «in banger Erwartung» des 15. April. An diesem Stichtag ist offizieller Kündigungstermin für Lehrpersonen mit weniger als 10 Dienstjahren. Und die Eltern befürchten, dass auch dann wieder mehr als eine Lehrkraft das Weite suchen wird. «Fünf Kündigungen kommen schon noch», schätzt man im Lehrerteam im Schulhaus Watt. Im Sommer müssten demnach 13 von 22 Lehrpersonen ersetzt werden. «Die Schulpflege scheint fast noch froh zu sein, wenn wir weg sind», sagt eine junge Lehrkraft. «Wir sind einfach irgendwelche Nummern, die man ersetzen kann.» Das Vorgehen der Schulpflege habe System: «Die Leute so weit bringen, dass sie von selber gehen.» 213 000 Franken für den Anwalt Von «Schönfärberei» mit Blick auf die neu angeworbenen Lehrpersonen spricht der Regensdorfer FDP-Präsident Pierre Liechti. Wie es um die Qualität der Anstellungen tatsächlich steht, werde zu überprüfen sein. Liechti ist Präsident der Innerparteilichen Konferenz (IPK) in Regensdorf. Sämtliche Ortsparteien hatten im Vorfeld der Gemeindeversammlung vom Montagabend zusammengefunden. Eine gemeinsame Anfrage sollte Aufschluss über Missstände in der Personalführung durch die Schulbehörde geben. Die Schulpflege nutzte die Bühne vor 306 Stimmberechtigten und legte dar, dass nur «sehr selten» Kündigungen ausgesprochen würden: In den letzten neun Jahren gerade mal drei. Einen Anwalt habe man in dieser Zeit in acht Fällen beigezogen – gelegentliche juristische Beratung nicht eingerechnet. Die Kosten dafür beliefen sich laut Schulpflege auf 213 000 Franken – dies bei einem jährlichen Budget von 25 Millionen Franken. Parteientschädigungen seien keine ausgerichtet worden, Abgangsentschädigungen würden vom Volksschulamt festgelegt; die Gemeinde habe darauf keinen Einfluss. Bei der Entlassung der Watter Schulleiterin räumte die Schulpflege Verfahrensfehler ein: Die Kündigungsfrist wurde zu kurz angesetzt. Inzwischen hätten sich die Parteien einvernehmlich geeinigt, über die Modalitäten sei Stillschweigen vereinbart worden. SP bleibt bei Rücktrittsforderung Eine Diskussion zu den Ausführungen der Schulbehörde blieb am Montagabend von Gesetzes wegen untersagt. Pierre Liechti will sich mit den Antworten jedoch nicht zufrieden geben: «Die Frage wird zu stellen sein, warum so viel Unruhe in der Schule gewesen ist und immer noch ist.» Die IPK verlange nun eine Unterredung mit der Schulpflege. SVP-Präsident Gaudenz Lüchinger bezweifelt, dass die veröffentlichten Anwaltskosten die ganze Wahrheit wiedergeben und sagt: «Wenn ich einen Anwalt brauche, ist etwas nicht in Ordnung.» Für Robert Frommenwiler, den Präsidenten der politischen Gruppierung Forum 02, hat die Schulpflege am Montagabend «erneut eine Chance verpasst, der Lehrerschaft Wertschätzung auszusprechen». Es wirke «sehr arrogant», wenn die Behörde sage, sie könne alle frei werdenden Stellen locker wieder besetzen. Er hinterfrage grundsätzlich alle Aussagen der Schulbehörde. SP-Sprecher Marcel Burlet glaubt, dass die Mehrzahl der Bewerbungen für einen Lehrerjob in Regensdorf nicht von valablen Kandidaten stammt. Er hält fest, dass die Eltern keine neuen Lehrkräfte für ihre Kinder wollten. Die Situation sei dermassen «verkachelt», dass es einen Neuanfang brauche: «Frau Lott und ihr Vize sollen zurücktreten. Gerade dies hatte die Primarschulpräsidentin – seit neun Jahren in ihrem Amt – am Montagabend ausgeschlossen. «Als gewählte Behördenmitglieder werden wir unsere Pflichten für weitere drei Jahre erfüllen», sagte sie am Ende der Versammlung.

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