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Recycling-Dünger aus der Kläranlage

Werner Landert ist sicher, dass der Dünger aus der ARA Kloten/Opfikon seinem Getreide guttut. Ein Forscher glaubt aber nicht, dass die Ernte grösser wird.

Von Karin Wenger Kloten/Opfikon – Seit kurzem wird in der Kläranlage Kloten/Opfikon Stickstoff aus dem Abwasser zurückgewonnen. Daraus entsteht Dünger in Form einer sogenannten Ammoniumsulfatlösung. Als Recyclingprodukt einer Kläranlage sei der Dünger in der Schweiz bisher einmalig, sagt Betriebsleiter Christoph Liebi. Solche Dünger würden zwar schon länger verwendet – Ammoniumsulfat werde auch aus Abfallprodukten der chemischen Industrie hergestellt. Die Firma Peter Briner AG aus Hagenbuch in der Nähe von Frauenfeld kauft den flüssigen Dünger bei Liebi ein. Mit einer grossen Maschine rollt der Dienstleister für Landwirtschaftsbetriebe jeweils zu Beginn der Wachstumsperiode an und versorgt damit die Böden. Spritze für den Boden Cultan-Düngung heisst das Verfahren, mit welchem die Ammoniumsulfatlösung direkt unter den Boden gespritzt wird. «So wird ein Nährstoffdepot angelegt, und es muss nur einmal gedüngt werden», sagt Peter Briner. Der Dünger könne nicht verdunsten und werde nur leicht ausgewaschen. Mit dem enthaltenen Schwefel würden Pflanzen – wie Getreide, Mais, Zuckerrüben und Raps –, die besonders darauf angewiesen seien, viel besser gedeihen. Mais sei «so schön grün» Landwirt Werner Landert aus Hochfelden hat die Cultan-Düngung ausprobiert. Mais und Weizen würden sehr gut darauf reagieren, sagt er. «Mich dünkt, er wächst vor allem auch in den Trockenperioden weiter.» Er sei auch von anderen Bauern angesprochen worden, was er mit seinem Mais gemacht habe. Er sei so schön grün. Auch seine Zuckerrüben hätten im vergangenen Herbst besser ausgesehen. Nun hat Landert die eine Hälfte eines Weizenfeldes mit herkömmlicher und die andere Hälfte mit der neuen Methode gedüngt. So will er einen direkten Vergleich sehen. Dass die Cultan-Düngung nur einmal angewendet werden müsse, sei für ihn ein Vorteil. «Ich muss dann nicht drei- bis viermal Handelsdünger ausbringen. Briner kommt einmal, und der Fall ist erledigt.» Der Fachmann ist skeptisch René Flisch von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ist nicht so optimistisch. Seit drei Jahren läuft in der Forschungsanstalt der Versuch mit der Cultan-Düngung. «Zwar sehen die Pflanzen oft satter aus, der Ertrag ist jedoch etwa gleich wie bei herkömmlichem Handelsdünger», sagt er. Vor allem die Depotwirkung könne er nicht bestätigen. Beim Getreide stellte Flisch fest, dass es tatsächlich mehr Ähren bildete, diese seien jedoch kleiner. «Auf der Waage bleibt der Ertrag derselbe, und das ist schliesslich ausschlaggebend für den Landwirt.» Der Mais sehe zwar supergut aus. Im Herbst enthalten diese Pflanzen aber mehr Wasser und reifen etwas später ab. Bei lang anhaltender Trockenheit habe das Verfahren bestimmt Vorteile. Stickstoff im Grundwasser Regne es im frühen Frühjahr längere Zeit, könne es auch zum Nachteil werden, da die grosse Menge Stickstoff von den Pflanzen noch nicht benötigt werde und ins Grundwasser ausgewaschen werden könne. Noch ist der Versuch nicht abgeschlossen. Ob die Rechnung für die Bauern unter dem Strich aufgehen wird, kann Flisch noch nicht sagen. Dass in der Kläranlage Kloten/Opfikon der Stickstoff zurückgewonnen werde, sei aber aus ökologischer Sicht auf jeden Fall zu begrüssen. Handelsdünger ist zwar billiger als die Ammoniumsulfatlösung aus der Kläranlage. Da die Produktion viel Energie benötigt, ist er jedoch abhängig vom Ölpreis. Wenn dieser steigt, kann auch der Dünger aus der Kläranlage plötzlich konkurrenzfähig werden. Für Betriebsleiter Christoph Liebi steht jedoch der Umweltgedanke im Vordergrund. «Es ist unser Beitrag an eine neue umweltschonende Entwicklung.»

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