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Ratko Mladic Der Schlächter von Srebrenica, TA vom 27. 5.

Ratko Mladic Der Schlächter von Srebrenica, TA vom 27. 5. Mutmassliche Sprachverwässerung. In Berichten über seine Verhaftung wird Ratko Mladic als «mutmasslicher» Kriegsverbrecher apostrophiert. Gleichzeitig schildert der Artikel von TA-Auslandkorrespondent Enver Robelli, was man aus verschiedenen Quellen vernahm: dass Mladic im Juli 1995 «mit seiner Mörderbande» wohlweislich als deren Anführer in Srebrenica einmarschierte und dass daraufhin 8000 Menschen «bestialisch hingerichtet» wurden. Auch der chilenische Ex-Diktator Augusto Pinochet (1915–2006) war «mutmasslich» für die Ermordung Tausender unschuldiger Chilenen verantwortlich. In Berichterstattungen bei solch unumstösslicher Faktenlage trieft das Wort «mutmasslich» geradezu vor Zynismus und ist auch als mutmasslich rechtliche Absicherung nicht zulässig. Dies umso mehr, weil solche Leute aus «gesundheitlichen Gründen» und mit anderen juristischen Winkelzügen ihre Verhaftung und Verurteilung noch beliebig hinauszögern oder gar verunmöglichen können. Der Gesundheitszustand ihrer Opfer war für sie und ihre Schlächter kaum je von Belang. Die Pinochets, Karadzics und Mladics dieser Welt waren und sind nicht «mutmassliche», sondern einfach Verbrecher. Ihre Untaten könnten unbestrittener nicht sein. Aus Rücksicht auf ihre Opfer und im Interesse einer klaren Berichterstattung gehört der Begriff «mutmasslich» verbannt und durch zutreffendere Adjektive ersetzt. Hans-Peter Hubmann, Niederweningen

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