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«Ohne Substanzverlust geht das nicht»

Mit dem 23:34 gegen Leader Kadetten Schaffhausen verpassten die Handballer von GC Amicitia definitiv die NLA-Finalrunde. Trainer Urs Mühlethaler erklärt, weshalb er darin auch Vorteile sieht.

Mit Urs Mühlethalersprach Werner Reimann Urs Mühlethaler, sind Sie fest enttäuscht, dass Sie es mit GC Amicitia nicht in die Finalrunde schafften? Nein, man sah das ja so kommen. Es überrascht mich im Gegenteil, dass wir mit dieser Mannschaft so lange mithalten konnten im Kampf um einen Finalrundenplatz. Ausserdem: Auch wenn wir die Qualifikation geschafft hätten, wären wir wohl kaum Meister geworden. Jetzt haben wir die grosse Chance, in der Abstiegsrunde bereits ab heute die nächste Saison vorzubereiten. Und wir können gegen diese Gegner eher noch das eine oder andere Spiel gewinnen. Das ist für das Selbstvertrauen unserer jungen Spieler sicher nicht schlecht. Aber ein bisschen schade ist es schon, dass der Meister von 2008 und 2009 nicht mehr zur besseren Hälfte des Teilnehmerfeldes gehört. Im Gegenteil: Hätten wir es doch noch geschafft, hätten alle im Klub wieder gesagt: «Was jammert ihr dauernd, wir schaffen es ja doch.» Dabei ist es Matthäi am Letzen. Damals war das eine ganz andere Mannschaft mit ganz anderen finanziellen Mitteln. Wir können nicht permanent an Substanz verlieren und diese nur durch den eigenen Nachwuchs ersetzen, ohne dass es Folgen hat. Wo liegen denn die Gründe für das aktuelle Scheitern? Irgendwann kann man einfach nicht mehr alles auffangen: Toni Kern, Markus Hüsser, Daniel Fellmann und Stevan Kurbalja fielen zeitweise oder sogar die ganze Saison verletzt aus. Mathias Oltmanns musste Ende Jahr aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Zudem mussten wir Heiko Grimm und Michal Svajlen wegen unserer Finanzprobleme zu Pfadi Winterthur ziehen lassen. Alle diese Ausfälle konnten wir zwar durch eigene Nachwuchsleute ersetzen. Aber eben: Ohne Substanzverlust geht das nicht. Immerhin stellen Sie die abwehrstärkste Mannschaft der Nationalliga A, die noch weniger Tore einstecken musste als Titelverteidiger Kadetten Schaffhausen. Ich frage mich, ob das für uns oder gegen die anderen Mannschaften spricht. Bei einer guten Verteidigung ist vieles eine Sache des Fleisses. Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass wir so schnell, zusammen mit unseren beiden Torhütern eine so solide Deckung zustande bringen. Ist das der einzige Lichtblick? Nein. Einzelne Spieler haben individuelle Fortschritte gemacht. Der 19-jährige Roman Sidorowicz beispielsweise war vor einem halben Jahr noch ein Junior, den niemand kannte. Jetzt macht er unser Spiel. Oder der zwei Jahre ältere Stefan Freivogel, der von einigen vom Typ her als graue Maus bezeichnet wurde. Jetzt ist er schon weniger grau und hilft der Mannschaft. Und aus Kay Egger wurde aus meiner Sicht der beste Schweizer Linksaussen in der Liga, vor allem dank seiner Abwehrleistung. Zudem sind kollektive Ansätze zu einem Angriffskonzept sichtbar. Wir sind aber noch viel zu instabil. Sie könnten es doch den Rest der Spielzeit lockernehmen, denn absteigen werden Sie mit diesem Punktepolster wohl kaum. Warum wollen Sie jetzt schon mit der Vorbereitung der nächsten Saison beginnen? Weil wir in einem Jahr nicht absteigen wollen! Nächste Saison wird die Liga reduziert. In eine solche Situation mit einer so jungen Mannschaft gehen zu müssen, birgt grosse Gefahren. Mit unseren schon vor der Fusion verursachten finanziellen Altlasten müssen wir auch die bevorstehenden Abgänge von Daniel Fellmann, Arunas Vaskevicius, Markus Hüsser und Stevan Kurbalja mit eigenen Junioren kompensieren. Wir können uns nur die Verpflichtung von einem oder zwei abwehrstarken Kreisläufern leisten. Das heisst, wir haben nächstes Jahr elf junge Spieler im Kader – und das im Jahr der Ligareduktion. Wenn Sie sich heute schon so für die nächste Saison engagieren, bleiben Sie selbst als Trainer dabei? Ich habe Sportchef Walter Müller vor einem Jahr für zwei Saisons zugesagt, und ich will bis dann eine seriöse Arbeit abliefern. Schwierige Aufgabe: Kurt Mühlethaler muss bei GC Amicitia aus Junioren ein schlagkräftiges NLA-Team formen.Foto: Sophie Stieger

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