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«Oft eine Frage des Images»

Der Bau von Minaretten hat hitzige Debatten ausgelöst. Die neue Ausstellung «Kuppel – Tempel – Minarett» in der Heiliggeistkirche hat das Thema aufgegriffen und zeigt, wann und wo es zu Widerstand gekommen ist.

Sie wirken exotisch, die Zwiebeltürme der orthodoxen Kirchen, die Minarette der Moscheen und die reich verzierten Dächer und Fassaden buddhistischer Tempel. Und doch haben es alle mit mehr oder weniger Widerständen geschafft, ihr Plätzchen in der Schweiz einzurichten. In der Heiliggeistkirche am Bahnhofplatz in Bern zeigt die Ausstellung «Kuppel – Tempel – Minarett» bis Mitte September die Geschichte von 19 Sakralbauten, die nach dem Zweiten Weltkrieg durch Zuwanderung entstanden sind und nicht zu den Landeskirchen gehören. Es sind dies 7 orthodoxe Kirchen, 3 Synagogen, 3 Moscheen, 4 buddhistische Tempel sowie die Tempel der Sikhs und der Mormonen. Noch nicht aufgezählt ist die serbisch-orthodoxe Kirche in Belp, welche seit Juli in Betrieb ist. Reaktionen des Volkes Bei jedem Bau berichtet eine Erklärungstafel über Entstehungsgeschichte und spezifische Einrichtungen. Kern der Ausstellung sind jedoch nicht einfach die Auflistung der «fremden» Religionen, sondern die Reaktionen der breiten Öffentlichkeit. Abstimmung im November Die Ausstellung «Kuppel – Tempel – Minarett» ist ein Projekt des Zentrums für Religionsforschung an der Universität Luzern. Nach Bern geholt hat sie die Berner Fachstelle für Migration der evangelisch-reformierten Kirche, mit dem Ziel, das Publikum auf die Abstimmung zum Minarettverbot hin im November zu sensibilisieren. «Die religiöse Landschaft der Schweiz ist vielfältig geworden», halten die Aussteller fest und verweisen auf die aktuellsten statistischen Zahlen: Schätzungsweise leben heute rund 400000 Muslime und 50000 Hindus in der Schweiz. Dazu kommen rund 135000 orthodoxe Christen und je rund 20000 Juden und Buddhisten. Diese Minderheiten bilden heute insgesamt etwa acht bis neun Prozent der Gesamtbevölkerung. In Häusern und Kellern Die Anzahl von insgesamt 19 Bauten in über 60 Jahren scheint gering, doch hier handelt es sich ausschliesslich um jene Einrichtungen, die nach aussen hin ihren religiösen Charakter zeigen. Nicht mitgerechnet sind dabei all die Hunderten von Gebetslokalen in privaten Häusern, Kellern und Einstellhallen. Die Mehrheit befindet sich in den Regionen Genf und Zürich, 4 Bauten liegen zwischen Bern und Aarau, und je 1 Gebäude bei Basel sowie am Vierwaldstättersee. Weniger Einsprachen Eine überraschende Einsicht: Lediglich bei 6 Bauten kam es zu Einsprachen, und zwar bei 2 Moscheen, dem Mormonentempel und 3 orthodoxen Kirchen, je einmal serbischer, griechischer und russischer Provenienz. 2 weitere erhielten von den Behörden strengere Auflagen punkto Parkplätze und Waldabstand. Das heisst, für 11 Religionsgemeinschaften ging der Bau ihrer Kirchen, Tempel oder Moscheen glatt über die Bühne. Tempel seit 1955 Im Raum Bern sind 2 religiöse Einrichtungen dokumentiert: Der Mormonentempel in Zollikofen wurde 1955 als erster der vorgestellten Bauten eingeweiht und stiess vor allem bei der reformierten Kirche auf Widerstand. In Langenthal sticht der Gurwada-Tempel der Sikh-Gemeinschaft hervor. Trotz auffälliger Architektur und sehr fremd wirkender Rituale kam es zu keinen Einsprachen. Gründe für Ablehnung Die Haltungen und Reaktionen aus der Bevölkerung variierten zwischen Ablehnung, Gleichgültigkeit und Unterstützung. «Sie sind eingebettet in die Umstände ihrer Zeit», halten die Autoren der Ausstellung in der Berner Heiliggeistkirche fest, «und oftmals geben eher das Image einer Religion und politische Interessen den Ausschlag als Zonenkonformität und Einpassung ins Dorfbild.» Hannah Einhaus >

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