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Oben mit durch die Lava-Wüste

Ronnie Schildknecht will heute beim Ironman Hawaii einen Podestplatz.

Der berühmteste Triathlon der Welt ist fürBig Island ein massiver Wirtschaftsfaktor. So bringen die 1800 Teilnehmer durchschnittlich zwei bis drei Begleitpersonen mit auf die grösste Insel Hawaiis, wo sie in der Regel zwei Wochen bleiben, vor dem Rennen zur Akklimatisation, danach zur Erholung und für Ferien. 2010 qualifizierten sich 52 Schweizer für die Reise über 12 Zeitzonen in den Pazifik. Bei den Profis hoffen neben Ronnie Schildknecht auch Matthias Hecht (Willisau,8. Platz 2009) sowie Caroline Steffen (Spiez) und Karin Thürig (Retschwil) auf eine Top-10-Platzierung. (ebi) Von Emil Bischofberger, Kailua-Kona Wer im Lava Java Café, dem Szenetreff der Triathleten auf Big Island, nicht mehr ruhig sitzen kann, hat es geschafft. Am Nebentisch herrscht ein Kommen und Gehen, mitten drin ein unauffällig wirkender Herr mittleren Alters, der aber hier zur Topprominenz gehört. Es ist Mark Allen, sechsfacher Ironman-Hawaii-Sieger und damit Legende. Dagegen ist es am Tisch von Ronnie Schildknecht sehr ruhig, einzig ein Teilnehmer aus dem Tessin erkennt den Vierten von 2008. Der Thalwiler hat sich, von den Szenekennern unbemerkt, auf das grosse Rennen vorbereitet. In den Vorschauen wird ihm im besten Fall ein Vorstoss unter die ersten zehn zugetraut. «Es stört mich nicht, dass die meisten Leute nicht mitgekriegt haben, warum es mir im letzten Jahr nicht so gut lief», sagt der 31-Jährige. 2009 war er in der Vorbereitung für Hawaii am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt; entsprechend schwierig hatte sich der Aufbau gestaltet. Insofern war der 18. Platz kein grosser Absturz. Nur hatte Schildknecht im Jahr zuvor mit Rang 4 die Erwartungen selber hochgetrieben. An jenem Platz misst er sich nun auch bei seinem sechsten Start auf Hawaii. Die Top 10 sind für ihn Minimalziel, «schön wäre das Podest». Mit dem Wunsch steht er nicht alleine da. Von den 68 Profis am Start hat mehr als ein Drittel Top-10-Qualitäten; für die ersten fünf Plätze kommen mehr als zehn Athleten in Frage. Schildknecht zählt sich dazu. Er fühlt sich nach einer gelungenen Vorbereitung in Kalifornien und Hawaii bereit für die 3,8 km Schwimmen, 180 km auf dem Rennvelo und dem Marathon zu Fuss. «Jetzt muss es nur noch mein Tag sein», sagt er. Den braucht es, denn auf Big Island gelten andere Gesetze als etwa beim alljährlichen Qualifikationswettkampf in Zürich. Hier sorgen Luftfeuchtigkeit und Temperaturen in den hohen Dreissigern für eine natürliche Selektion. Und da ist auch noch der Kurs. Ist es beim Schwimmen die Strömung, welche den Rückweg ans Land zum Kampf werden lässt, sind es auf dem Rad die unendlich vielen Wellen auf der Küstenstrasse. Und bis zum Marathon hinaus in die Lavawüste hat die Sonne definitiv und schonungslos ihren Dienst aufgenommen. Doch es gibt mehrere Gründe, die Schildknecht zuversichtlich stimmen. Da wären die sporadischen Trainings mit anderen Spitzenathleten, etwa dem Sieger von 2007, Chris McCormack, die dem Schweizer gezeigt haben, dass er mit seiner Vorbereitung nicht so falsch liegen kann. Dann die Lockerheit, die er selber bei sich festgestellt hat und die ihm bedeutet, dass er sich nicht auf dieses eine Ziel versteift hat. «Das ist erfolgversprechend», sagt er. «I-Ron» als neuer Begriff Ein letztes fehlendes Puzzlestück könnte Schildknecht bei der Bekleidung gefunden haben. Während bei vielen Triathleten nach wie vor die Bekleidungsmaxime «so wenig wie nötig» gilt, geht er den umgekehrten Weg, trägt kein achselfreies Shirt mehr und auf dem Rad sogar Ärmlinge. «Dadurch hoffe ich, weniger schnell zu überhitzen, weil ich besser vor der Sonne geschützt bin. Zudem kühlt nasses Gewebe länger, als wenn man Wasser direkt auf die Haut schüttet», erklärt er. Und: «Früher hatte ich auf dem Rad immer das Gefühl, jemand halte mich zurück. Das ist jetzt weg.» Das Feld für einen prominenteren Auftritt im Lava Java nächstes Jahr scheint also bestellt für Schildknecht oder «I-Ron» – den Spitznamen hat er sich kürzlich zugelegt. Klug vom Studenten der Kommunikation: «I-Ron» sollte auch die Englisch sprechende Triathlongemeinde aussprechen können «I-Ron» Schildknecht (mit Leibchen) im Training und Windschatten der Favoriten, angeführt von Rasmus Henning. Foto: Alicia Bockel

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