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«Nur Südafrika ist gebucht»

«Für mich ist die Bekämpfung der Gewaltproblematik sehr wichtig», sagt der neue Generalsekretär des Schweizerischen Fussballverbands. Trotz des neuen, intensiven Amts will der

Wissen Sie noch, wer Ihnen als Erster zur Wahl zum Generalsekretär des Fussballverbands gratuliert hat? Ja, das war Patrick Krämer, Schwimmkollege aus Uster und inzwischen sehr erfolgreicher Sportfotograf. Er hat die Meldung in der Agentur gesehen und mir sofort ein SMS geschickt. Dann ging es so richtig los mit Anfragen und Gratulationen. Was für Reaktionen kamen? Durchwegs positive, aber das ist ja logisch. Es gab drei Arten. Die einen zeigten aufrichtige Freude, die anderen fragten mich, ob ich mir sicher sei und die dritten fragten mich nach Billetten (lacht). Und, sind Sie sich sicher? Sicher bin ich, weil ich schon ganz lange eine grosse Leidenschaft für den Sport in mir habe. Dies als früherer Spitzenschwimmer, aber auch als fanatischer Fussballkonsument. Ich hatte nun vier Wochen Zeit, die Wahl aus verschiedenen Lebenssituationen zu überprüfen. Nachdem ich aber in verschiedenen Situationen zu mir gesagt habe: «Läck, es wäre super, das zu tun», war es klar. Ich habe das Privileg, die Leidenschaft Fliegen gegen eine andere einzutauschen. Wie hat die Familie reagiert, steht man doch als Generalsekretär viel mehr in der Öffentlichkeit denn als Militärpilot? Sie hat ausserordentlich positiv reagiert. Mit meiner Frau habe ich dies zuerst diskutiert. Auch den Aspekt Öffentlichkeit haben wir kurz besprochen, aber ich stehe ja beim Fussballverband nicht im Zentrum, das ist mehr der Zentralvorstand. Nun gibt es verschiedene Gründe, seinen Job zu wechseln. Warum haben Sie sich überhaupt beworben? Es gab drei Fragen. Kann ich mir vorstellen, in der Luftwaffe pensioniert zu werden? Ja. Will ich mich noch auf einem anderen Gebiet weiterbilden? Ja. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Jetzt. Es ist klar, dass ich nicht tausend verschiedene Berufe wählen kann, sondern dass meine innere Motivation die Richtung Sport vorgegeben hat. Verbandsmanagement, Peoples Business, das sind meine Bereiche. Ich dachte mir, den Posten als Generalsekretär traue ich mir zu. Sie hatten 270 Mitbewerber,... Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mich wohl nicht beworben (lacht). ....welche Qualitäten haben für Sie gesprochen? Man hat mir nicht gesagt, warum man schliesslich mich gewählt hat. Klar scheint, dass der Zentralvorstand einen externen Kandidaten bevorzugte. Man hat mir sicher abgenommen, dass ich eine grosse Leidenschaft für den Sport habe. Wichtig war sicher, dass ich mich gern und gut in anderen Sprachen ausdrücke und im People Business einige Erfahrung habe. Aber nein, in den Selektionsprozess hatte ich noch keinen Einblick. Sie stammen nicht aus Fussballerkreisen? Nein und das habe ich am ersten Meeting auch sofort gesagt. Ich habe auch nicht versucht, irgendeinen J+S-Ausweis ins Feld zu führen. Ich habe eine Leidenschaft für den Sport und gute Kenntnisse der Schweizer Sportszene. Und ich werde mich hüten, mich auf die technische Ebene zu begeben. Ob der Nationaltrainer mit 4:4:2 spielt oder nicht, ist nicht mein Business. Was macht überhaupt ein Generalsekretär des Fussballverbands? Ich muss das Haus des Schweizer Fussballs in Muri im Griff haben. Es gilt, den Spielbetrieb reibungslos in Gang zu halten und für die Clubs ein Ansprechpartner zu sein. Dazu unterstütze ich den Zentralvorstand in der Arbeit, indem ich Strategien und andere Grundlagen erarbeite. Dazu braucht es viele Gespräche, auch um den klassischen Konflikt zwischen Profis und Amateuren so gut es geht zu lösen. Wie meinen Sie das konkret? Der Natistürmer Alex Frei muss wissen, dass seine Tore wichtig sind, auch für den FC Deitingen. Und dem Juniorenobmann des FC Deitingen muss klar sein, dass Alex Frei wichtig ist für die Begeisterung und den Erfolg in seinem Verein. Vielleicht wird ja Alex Frei einmal beim FC Deitingen eine Wurst braten... (lacht). Es geht mir darum, diese Verbindung und gegenseitige Abhängigkeit zwischen Profi und Amateuren aufzuzeigen. Wie stehts mit den Terminen? Ich beginne am 1. Dezember. Das VBS ist mir bei der Kündigungsfrist entgegengekommen, denn ich hätte eine von sechs Monaten. Peter Gilliéron ist froh, wenn er sein Doppelmandat als Präsident und Generalsekretär so schnell als möglich aufgeben kann. Bisher hat man mir erst einen fixen Termin gegeben, nämlich die WM in Südafrika im nächsten Sommer. Sicher wird es weitere Daten geben im Zusammenhang mit Uefa und Fifa, aber man will mir Zeit geben, um mich einzuarbeiten. Also wird man Sie in Zukunft bei Länderspielen auf der Tribüne entdecken können. Ja, und darauf freue ich mich auch extrem. Auf der Tribüne zu sein ist das eine, beim Fussvolk das andere. Wird man Sie nächstens einmal beim FC Biberist sehen? Da war ich schon, auch beim HSV Halten habe ich bereits Spiele verfolgt. Die grösseren Solothurner Vereine Grenchen und Solothurn kenne ich noch nicht, werde aber sicher dort auftauchen. Ich will die Basis spüren. Ich hoffe einfach, ich könne die Spiele schauen und den Fussball geniessen und müsse mich nicht für die Aufstellung des Nationaltrainers rechtfertigen. Aber es ist klar, bald werde ich auf den Fussballplätzen wie ein bunter Hund auffallen. Sie waren während der Euro 08 zuständig für die Luftraumüberwachung rund um die Stadien. Hat das eine Rolle gespielt bei Ihrer Wahl? Ich habe es zwar erwähnt, weil es zum beruflichen Palmares gehört, aber es spielte keine direkte Rolle. Ich konnte aber auch im Zusammenhang mit dem Kanderunfall und dem Heliabsturz am Titlis als Krisenmanager amten, was sicher wesentlicher war. Der Bezug zum Thema Sicherheit und Krise ist gegeben. Ich nehme an, das war ein wichtiger Punkt in der Bewerbung? Ich habe dieses Thema bei den Gesprächen als Erstes auf das Tapet gebracht. Die Gewaltproblematik gilt es prioritär anzuschauen. Mich ärgert es, dass ich mit meinem achtjährigen Sohn kein Fussballspiel anschauen kann, wenn die Gefahr besteht, dass Petarden gezündet werden. Ich habe mir dazu schon als Zuschauer Gedanken gemacht, auch weil ich aus einem Sport komme, der 100 Prozent gewaltfrei ist. Schwimmen ist extrem leidenschaftlich, aber dennoch fair. Haben Sie in diesem Bereich schon Pläne? Ich möchte nicht als Ankündigungsminister bekannt werden, darum will und kann ich noch nichts Konkretes sagen. Wichtig ist mir das Fussballspiel mit allen Emotionen, aber wenn das Spiel fertig, muss für den Zuschauer das Resultat klar sein und nicht noch durch Ereignisse in der Schwebe stehen. Die Hooligans sollten zur Erkenntnis gelangen, dass es besser ist, friedlich heimzugehen statt Randale anzuzetteln. Exemplarisch sind für mich die Rugby-Spieler: Dort gratuliert der Verlierer dem Sieger mit einem Spalier. Ist die Gewaltprävention tatsächlich so wichtig? Ja, denn daran hängt alles. Die Wahl des Sports durch die Junioren und ihre Eltern im Dorfverein bis hin zum Marketing im Fussballverband. Der Fussball muss weiblicher und familiärer werden. Alle sollen in einem Stadion Platz haben, aber der eine oder andere Präsident setzt die Prioritäten zu stark auf die schönen Gesänge der Ultras. Bleibt Ihnen noch genug Zeit für Ihr Amt als Gemeinderat? Ja, Gemeinderat möchte ich gerne bleiben. Das wurde mir auch zugestanden, wie früher schon beim VBS. Dort fand man, das bringe auch ihnen etwas. Ich werde auch weiterhin Milizoffizier bleiben und als Flugplatzkommandant Dienst machen. Das war mir wichtig, weil ich dem VBS viel zu verdanken habe. Ich scheide überhaupt in bestem Einvernehmen aus dem VBS. Beat Waldmeier>

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