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«Nur der Chüngel, der war ungeniessbar»

Sie schreibt verständliche Kochrezepte und gilt als bodenständige Köchin der Nation: Nächste Woche kommt Annemarie Wildeisen nach Opfikon.

Sie haben Ihren Mann in einem Kochkurs kennen gelernt.

Ich war die Kochlehrerin. Hat er sich geschickt angestellt?

Ja, gar nicht mal schlecht. Wie sind seine Kochkünste?

Er kocht sehr gut, allerdings nicht mehr so häufig, seit ich mehrheitlich am Herd stehe. Kochen Sie auch gemeinsam?

Nein, eigentlich nicht mehr. (lacht) In der Zeit der ersten Verliebtheit war das noch möglich. Nun lassen wir es bleiben, weil ich ihm doch öfters reinreden würde. Sie sind die Chefin eines florierenden Kochimperiums, werden sogar als Köchin der Nation bezeichnet. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Das Kochen ist meine Passion, der ich beruflich und privat sehr gerne meine Zeit widme. Ich denke, dass ich in meiner Arbeit normal geblieben bin. Ich bin geerdet und kenne als berufstätige Mutter das Bedürfnis, in nützlicher Frist ein gutes Essen auf den Tisch bringen zu können. Man muss in vernünftiger Zeit mit alltäglichen Zutaten zum Ziel kommen. Sie haben 38 Kochbücher verfasst.

Manchmal staune ich selber über diese Zahl. Das Verfassen von Kochbüchern ist mir immer schon leichtgefallen. Und ich bin immer noch gerne journalistisch tätig. Es macht mir Spass, gelungene Rezepte so zu beschreiben, dass sie auch gekocht werden können. Sie touren durchs Land und erklären den Leuten, wie ein Kochbuch entsteht. Ein reines Frauenthema?

Es freut mich, dass immer mehr Männer kommen. Das fällt mir auch in meinen Kochkursen auf: Im Gegensatz zu älteren Generationen interessieren sich heute sehr viele junge Männer fürs Kochen. Von den Kursteilnehmern sind etwa 30 Prozent Männer. Was ist für Sie ein gutes Kochbuch?

Wenn ich nicht nur ein Rezept daraus koche, sondern vielleicht 10 oder 15. Das Problem ist, dass nur wenige Spitzenköche rezeptieren können. Denn die Rezepte müssen funktionieren, auch wenn jemand nicht gut kochen kann. Viele Leute haben Mühe mit den Angaben im Kochbuch, weil diese nicht zum gewünschten Ziel führen. Schöne Bilder genügen nicht, wenn das Resultat im eigenen Kochtopf ganz anders aussieht. Sie haben mit Ihrer Tochter, einer Profiköchin mit 14 «Gault Millau»-Punkten, ein Kochbuch verfasst. Werden Sie das wieder tun?

Es war eine spannende Arbeit. Meine Tochter ist nicht nur Köchin, sondern auch ausgebildete Patisseurin mit grosser Liebe zum Süssen. So haben wir die spontane Idee eines Dessert-Kochbuchs in die Tat umgesetzt. Voraussichtlich Ende 2010 oder 2011 werden wir zusammen ein Backbuch verfassen. Wie kommen Sie auf die Ideen für die Rezepte?

Ich sauge nicht tagelang an den Fingern. Vielfach passiert es im Büro, ich lese sehr gern und lasse mich von den Bildern anregen. Wenn ich eine Rezeptidee habe, dann kann ich mir gut vorstellen, wie es schmeckt. Ich kann sozusagen im Kopf schmecken. Gibt es auch Geheimrezepte oder Tricks, die Sie nicht verraten?

Nein, das finde ich blöd. Köche, die das tun, verstehe ich nicht. Kochen ist ja auf jeden Fall etwas sehr Individuelles. Wenn zehn Köche ein Gericht zubereiten, wird es zehnmal anders schmecken. Was für ein Verhältnis haben Sie zur Spitzengastronomie?

Ein völlig unverkrampftes. Es ist schön, wenn man auswärts essen geht und sich verwöhnen lassen kann. Bei meinen Rezepten kommt es einfacher heraus, die Zutaten sind auch nicht exotisch. Misslingt Ihnen auch mal etwas?

Natürlich. Essen kann man es aber eigentlich immer. (Sie lacht) Es gab da mal einen Chüngel, den habe ich nach einem italienischen Rezept vor dem Garen in Salz eingelegt. Er war ungeniessbar, und ausgerechnet an dem Tag war die Schwiegermutter zu Besuch. Und was mögen Sie nicht essen?

Kutteln und Nieren. Und ich habe eine Meeresfrüchteallergie. Da darf ich nicht mal beim Kochen probieren, sonst bin ich spitalreif. Wie stehen Sie zu Fastfood?

Ich habe Kinder, die gingen auch mal gerne zu McDonald’s. Fertigteig und andere Produkte können einem das alltägliche Kochen erleichtern. Was ich hingegen nicht verstehen kann, ist das Verfeinern von Fertigpizzas. Das ist doch irgendwie schizophren.

Bei Annemarie Wildeisen kommt ausser Kutteln und Nieren fast alles in den Kochtopf.

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