Zum Hauptinhalt springen

Nicht im Stadion und doch dabei

Die Vorfreude war gross, der Aufmarsch auch: 600 Anhänger verfolgten die Premiere der Langnauer neben dem Ilfisstadion.

OrtsterminIm Fanzelt in Langnau bei der ersten Playoff-Partie der SCL Tigers Von Claudia Blasimann, Langnau Die Blicke sind gebannt auf die Leinwand gerichtet. Eben noch, als wie im Kino Werbung über die 15 Quadratmeter geflimmert war, haben sich die Fans in Grüppchen unterhalten. Doch jetzt gilt die volle Aufmerksamkeit dem «Hauptfilm», der Liveübertragung aus dem Eishockey-Tempel, der Postfinance-Arena in Bern. Die Mannschaft der SCL Tigers läuft in 24 km Luftdistanz in westlicher Richtung aufs Eis, und hier, auf dem Zeughausareal in Langnau, brandet der erste Applaus durchs Zelt. Tigers-Trainer John Fust in Nahaufnahme verleitet zu Johlen. Und die erste Schlägerei (auf dem Eis, wohlgemerkt) wird mit Pfiffen quittiert. Munischau und Starparade Was bei Fussball-Europa- und -Weltmeisterschaften schon vielerorts zum festen Bestandteil geworden ist, gibt es im «Hockey-Country», das seit dem 22. Januar definitiv und erstmals zum «Playoff-Country» geworden ist, nun ebenfalls fürs Eishockey: Public Viewing. Weil die Markthalle unmittelbar neben dem Ilfisstadion wegen Munischau, Starparade und Schlachtviehmarkt besetzt ist und das Zeughaus von der Armasuisse nicht freigegeben wurde, wich man auf die mobile Lösung gleich daneben aus. Über 600 Anhänger sind zur Premiere des Derbys gekommen. Im Zelt von 16 mal 35 Meter Grösse fänden zwar mehr als doppelt so viele (1500) Platz, doch im Emmental ist man zufrieden. Zeltmeister ist Rudolf Gautschi, Vater des Noch-Ambri-Spielers Marc und VR-Mitglied der Young Tigers sowie seit 25 Jahren Nachwuchstrainer in Langnau. Er hatte für das erste Spiel am Samstagabend bloss mit der Hälfte gerechnet und nur insgeheim auf 500 zu hoffen gewagt. Für den nächsten Dienstag und Spiel 2 kalkuliert er nun gar mit 1000 Eintritten. Der HC Trub schenkt aus Normalerweise gehen die Mitglieder des HC Trub in der Wilden Liga zu Werke, jetzt stehen sie hinter dem Buffet und schenken aus. Während das Spiel läuft, sind sie meist arbeitslos, doch sobald über die Boxen die Sirene ertönt, strömt die Masse zur Bar. Rund 450 Liter Bier, gut 50 Liter Mineralwasser, 150 Kaffee und 250 Bratwürste landen in den Bäuchen der Besucher, zur Stärkung für die allererste Playoff-Partie der SCL Tigers. Wobei diese auch Kraft gibt: Ein älterer Herr lehnt seinen Gehstock kurzerhand an einen Zeltpfosten und stützt sich nur ab und zu an einem Bistrotischchen auf. Die Stimmung ist angespannt, aber durchwegs friedlich. «Ho, ho, hopp Langnou» wird skandiert, «Schiess!» in breitem Berndeutsch «gmööget». Als auch die x-te gute Möglichkeit vertan ist, reicht es nur noch zum Haareraufen, Kopfschütteln und einem leiseren «Giele, Giele . . .» Vor dem letzten Drittel, als «seine» Tiger erst 0:1 zurückliegen, meint einer: «We si i de erschte füf Minute eine mache, de cheerts.» Diskussionen hier und da Doch statt des Spiels dreht die Meinung: «Itz isch dä Mischt äuä gcharrlet», tönt es nach dem 3:0 durch Gamache in einer anderen Ecke. Der Jubelschrei nach dem ersten Langnauer Tor wird jäh unterbrochen vom Bild des Schiedsrichters, der abwinkt. Dort wie hier wird diskutiert, ob Moser in den Torraum «gemüpft» wurde oder nicht. Umso lauter wird es im Fanzelt, als der Treffer gegeben wird. Doch die Flamme der Hoffnung, die kurz auflodert, erlischt bald. Noch rascher leert sich am Ende das Zelt. In der Enttäuschung verhallt der Aufruf «blibet doch no chli» grösstenteils ungehört. Stehparty auf dem Zeughaus-Areal: Das 0:0 gegen den SCB währte lange – die Hoffnung starb erst im letzten Drittel.Fotos: Franziska Steinegger

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch