Zum Hauptinhalt springen

Neigung des Leiters war bekannt

Seit fünf Wochen sitzt der Leiter des Stäfner Kletterplauschs in Untersuchungshaft. Bereits 2006 wurde er verdächtigt, sexuelle Beziehungen zu Minderjährigen zu haben.

Von Mirjam Bättig-Schnorf Stäfa – Der Gründer des Stäfner Vereins Kletterplausch.ch sitzt wegen Verdachts auf sexuelle Handlungen mit zwei 10- und 13-jährigen Kindern in Untersuchungshaft. Der Fall erinnert an den jüngst verhafteten Pfleger, der während vieler Jahre Dutzende Behinderte sexuell missbraucht hat. Viele ahnten, dass mit dem Mann etwas nicht stimmt. Doch aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes konnte der Pfleger weiterziehen und weiter seine Triebe ausleben. Auch im Fall des verhafteten Leiters vermuteten viele, dass er mehr als nur einen padägogisch guten Draht zu Kindern hat. Schon 2006 erhoben Eltern Vorwürfe wegen Grenzverletzungen. Der Beschuldigte war damals als Jugendleiter beim SAC Pfannenstiel tätig. Aufgrund mehrerer Reklamationen wurden der SAC Schweiz sowie Mira, ein Verein zur Prävention sexueller Ausbeutung, eingeschaltet. Der Trainer wies die Beschuldigungen von sich. Eindeutige E-Mails verschickt Vereinspräsidentin Silvie Troxler bedauert, dass die Eltern damals auf eine Anzeige verzichteten und somit die Unschuldsvermutung gelte. «Wir haben Hinweise wie etwa E-Mails oder SMS, die an Kinder gerichtet waren, gesammelt.» Leider habe man das Material aus juristischen Gründen nicht verwenden dürfen. Troxler ist aber überzeugt, dass die Verdachtsfälle nur die Spitze des Eisbergs darstellen. «Es wird noch vieles herauskommen.» Aufgrund des laufenden Verfahrens dürfe sie sich jedoch nicht konkret äussern. Troxler betont, dass der SAC Pfannenstiel alles unternommen habe, um mögliche Übergriffe in Zukunft zu verhindern. Anstatt sich auf Gespräche mit dem Verein Mira einzulassen, verliess der Beschuldigte aber den SAC – um kurz darauf seinen eigenen Kletterplausch.ch zu gründen. Andere Vereinsmitglieder halfen beim Aufbau des neuen Klubs mit. Laut Troxler wurden zwei der Vorstandsmitglieder über die Vorgeschichte des Vereinsgründers in Kenntnis gesetzt. «Doch man schenkte uns kein Gehör.» Trainer galt als Risikoperson Auch im Kletterzentrum Greifensee machte man mit dem Beschuldigten unangenehme Erfahrungen. Laut Geschäftsleitungsmitglied Marco Geiser gingen mehrere Reklamationen ein. «Man könnte die Vorwürfe unter dem Stichwort Abgrenzungsprobleme gegenüber Jugendlichen aufführen.» Das Kletterzentrum kündigte ihm. Doch der Entlassene kehrte zurück: Als Nutzer der Infrastruktur mit seinen Vereinsmitgliedern. Der Beschuldigte stand in der Kletterhalle unter Beobachtung. «Er wurde als‹Risikoperson› betrachtet.» Ursula Ziegler, Vorstandsmitglied des Vereins, isthingegen«perplex». Sie habe nichts von früheren Vorwürfen gewusst. «Und ich hegte nie irgendeinen Zweifel.» Ziegler ist bekannt, dass immer wieder Kinder beim Gründer privat zu Besuch waren – auch über Nacht. Sie sah jedoch nichts Anrüchiges dabei, räumt jedoch ein, dass der Beschuldigte seine Schützlinge sehr gut beeinflussen konnte. «Sowohl positiv als vielleicht auch negativ.» Ein 17-Jähriger, der seit fünf Jahren bei Kletterplausch.ch übt, besuchte den Trainer mehrfach zu Hause. Der Jugendliche meldete sich gestern bei der Redaktion. Er schilderte den Beschuldigten als netten Kerl, der sich ihm gegenüber nichts habe zuschulden kommen lassen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch