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Nachts um halb zwei laden die Bäcker in ihre Stuben ein

In der Nacht der offenen Backstuben konnte die Bevölkerung den Bäckern bei der Arbeit zuschauen. Mit der Ruhe war es für den Chef und seine Angestellten vom Thalwiler Kölli-Beck vorbei.

Von Andreas Kurz Thalwil – Dass die Bäcker vom Kölli-Beck ihre Arbeit um halb zwei Uhr morgens beginnen, ist nichts Besonderes. Speziell war an der ersten Schweizer Bäckernacht, dass sie dabei Zuschauer hatten. Die Bäckerei von Hansruedi Kölliker war einer von fünf Betrieben im Bezirk, die sich am Wochenende an der Nacht der offenen Backstuben beteiligten. Für die Besucher standen Festbänke, Kaffee, Kuchen, Brot und Bier bereit. Pünktlich um halb zwei kamen bereits die Ersten vorbei: Jugendliche von der Jungwacht, die ihm Rahmen der 72-Stunden-Aktion schon bei den Aufbauarbeiten mithalfen. Es riecht bereits nach frischem Brot, und auf den Tischen liegt schon haufenweise Brotteig. Eine Viertelstunde später wuseln gut zwanzig Personen in der Bäckerei herum, schauen den Bäckern bei der Arbeit zu oder bestaunen den zwei Meter hohen Rotor-Ofen, in dem sich Dutzende Nussgipfel drehen. «So einen sollte man zu Hause haben», sagt eine Besucherin lachend. «Wann brauchst du denn solche Portionen», entgegnet ihr Mann. Die Aggressionen beim Kneten Sogar einige Kinder kamen in den frühen Morgenstunden in die Bäckerei. «Für sie ist es ein tolles Erlebnis, um diese Zeit wach zu sein», weiss Hansruedi Kölliker aus Erfahrung. Er hat einen ähnlichen Anlass schon letztes Jahr anlässlich eines Betriebsjubiläums organisiert. Ein Vater ist mit seinem Sohn gekommen. «Ich fand es eine lässige Idee, mal was anderes. Ich war noch nie in einer Backstube.» Sein Sohn hat bereits Erfahrung. «Ich war in Regensdorf schon mal in einer Bäckerei und wollte nun sehen, wie es hier aussieht.» Vor allem die Maschinen, wie etwa der Teigteiler, imponierten den Jungen. Die beiden Bäcker lassen sich durch die ungewohnte Kulisse nicht aus dem Konzept bringen. Sie füllen emsig ein Gestell nach dem anderen. Jeder Arbeitsschritt sitzt, ein eingespieltes Team. Sie klopfen und kneten ihre Teige. «So wird man Aggressionen los», sagt ein Mädchen von der Jungwacht. Ein bisschen mühsam sei es schon mit so vielen Leuten in der Backstube, meint Bäcker Martin Fischer. «Man muss aufpassen, wenn man an ihnen vorbeikommt», sagt auch sein Kollege Andreas Moser. «Wir sind es uns gewohnt, dass es in der Backstube ruhig ist. Das schätzt man auch am Beruf.» Ausserdem sei es in der Backstube heisser als sonst. Immer wieder werden die Bäcker auf ihre Arbeitszeiten angesprochen. Andreas Moser hebt dabei auch deren Vorteile heraus. «Man kann dafür am Nachmittag zum Coiffeur oder auf die Bank. Diese Möglichkeit hat man in vielen anderen Berufen nicht.» Rund 2000 Backwaren wandern in dieser Nacht in die Öfen der Bäckerei. Die erwachsenen Besucher nutzen die Gelegenheit, um Insiderinformation übers Backen zu holen, oder erkundigen sich nach der Herkunft der Rohstoffe. Für ihn sei dieser Anlass die beste Werbung, sagt Hansruedi Kölliker. «Die Kunden sehen, dass alles noch von Hand in der Backstube hergestellt wird.» Deshalb sei es für ihn gar keine Frage gewesen, ob er sich an der Aktion beteiligen wolle. Ein Highlight besonders für die jüngeren Gäste war dann das «zöpflen». Unter Anleitung der Profis konnten sie ihre eigenen Zöpfe flechten. Und nach nur 35 Minuten Backzeit auch gleich nach Hause nehmen. Allen ihre Aufgabe: Hansruedi Kölliker schneidet den Zopftieren Ohren, ein Vater gönnt sich ein Bier, ein Junge kostet vor, und ein Mädchen fotografiert. Foto: René Kälin

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