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Nachtaktive Sportler stören das Wild

Jogger und Schatzsucher mit Stirnlampen scheuchen die Tiere im Wald genauso auf wie Biker mit Scheinwerfern. Unterländer Wildhüter sind besorgt.

Von Fabian Boller Der frühe Dämmerungseinbruch hält heute kaum mehr einen Sportler davon ab, im Freien zu trainieren – Stirnlampen sei Dank. «Die Produkte verkaufen sich sehr gut und sind ein wichtiger Umsatzträger im Accessoire-Bereich», sagt Anna Hofmann, Mediensprecherin des Sportmarkts Athleticum. Die Nachfrage habe in den letzten Jahren stets zugenommen. Sie stieg 2009 gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent und ein Jahr darauf nochmals um 20 Prozent. Auch bei der Migros heisst es, entsprechende Produkte würden sich sehr gut verkaufen. Günstigere Modelle gibt es bereits ab 16 Franken, die Spitzenprodukte kosten über 100 Franken. Das nächtliche Sportvergnügen mit dem Scheinwerfer auf dem Kopf hat aber seine Schattenseite. Hatten die Wildtiere früher wenigstens nach Sonnenuntergang ihre Ruhe, werden sie heute rund um die Uhr gestört. Jetzt schlagen Unterländer Wildhüter Alarm. «Die Tiere sind bereits tagsüber permanent unter Stress, und nun finden sie auch in den Abendstunden keine Ruhe mehr», klagt der Bülacher Wildhüter Philipp Wieland. Die Tiere seien die mit Licht ausgestatteten Jogger und Mountainbiker nicht gewohnt. «Viele Leute haben einfach keine Ahnung mehr, welche Lebewesen es im Wald überhaupt gibt», sagt der Regensdorfer Jagdaufseher Ueli Mühlebach. «Sie kennen Bambi, und damit hat es sich.» Verantwortlich für die Probleme sind laut den Wildhütern nicht nur Jogger, sondern vor allem auch die sogenannten Geocacher. Mit dem Navigationssystem machen sich diese im Wald auf Schatzsuche. Sie verstecken kleine Gegenstände im Wald oder suchen solche, die von Gleichgesinnten versteckt wurden. Die entsprechenden Koordinaten holen sie sich aus dem Internet. «Immer mehr dieser Geocacher sind heute nachts und mit Licht unterwegs», klagt Wieland. Tagsüber wäre es ihnen wohl mittlerweile zu langweilig. Das Problem mit den Schatzsuchern sei vor allem, dass diese sich abseits der Wege bewegen würden. Mühlebach hat dieselbe Erfahrung gemacht. Zu Jagdzeiten sei das nicht ungefährlich, sagt er. «Einmal sass ich Wildschweinen auf, da knackte es hinter mir», erzählt er. «Ich drehte mich um und erkannte mit Müh und Not einen Geocacher. Das hätte für den Mann böse enden können.» Illegale Velo-Schanzen im Wald Neben Läufern und Schatzsuchern sind auch Mountainbiker immer häufiger bei Dunkelheit unterwegs. Auch hier haben sich die Möglichkeiten der Beleuchtung in den letzten Jahren verbessert. «Es gibt Einzel- und Doppelscheinwerfer, die am Lenker montiert werden», sagt Hofmann von Athlecticum. Es würden dafür sehr starke Halogenlampen, ähnlich wie beim Auto, verwendet. Der Wehntaler Jäger Urs Büchi entdeckt im Wald immer wieder illegal angelegte Pisten von Mountainbikern. «Zum Teil werden gar ganze Schanzen gebaut», sagt er. Für das Wild sei das alles andere als toll, denn die Tiere sollten nicht unnötig umhergejagt werden. Verteufeln wollen die Wildhüter die Freizeitnutzung des Waldes aber nicht. «Die Leute sollten einfach Rücksicht nehmen», sagt Mühlebach.

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