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Motorräder, die beschleunigen wie Steinschleudern Motorräder aus Japan, die wie Steinschleudern beschleunige

An der Motorradausstellung Swiss-Moto in Oerlikon lassen japanische Oldtimer die Besucher in nostalgischen Gefühlen schwelgen.An der Motorrad-Ausstellung Swiss-Moto in Oerlikon sind nicht neben den neusten Modellen auch japanische Oldtimer zu sehen.

Von Benno Gasser Zürich – Motorradfahrer mögen Benzin im Blut haben. Viele scheinen aber auch ein weiches Herz zu besitzen, das beim Anblick alter Motorräder schmilzt. Zumindest auf die Besucher der Swiss-Moto-Sonderschau «Japan Oldies» trifft diese Aussage zu, wie das Verhalten zweier grauhaariger Herren zeigt. Eine silberne Honda CB92 Benly Super Sport aus den frühen Sechzigerjahren mit erdbeerrotem Sattel weckt ihr besonderes Interesse: «Ahh, diese schöne Nabe», schwärmt der eine. «Eine solches Motorrad fuhr damals ein Kollege in der Gewerbeschule. Wir sind jedes Mal losgerannt, nur schon um den Sound des Motors zu hören», sagt der andere. «Ja, ich erinnere mich. Eine solche stand beim Motorradhändler in Schwamendingen.» Ein Senior aus Basel sprudelt ungefragt los, als er eine Kawasaki Mach III 500 erblickt. Genau dieses Modell habe er Ende der Sechziger besessen. Mit seiner Maschine sei er jeweils von Reinach nach Aesch gefahren. Damals habe es zwischen den beiden Ortschaften noch keine fünf Lichtsignalanlagen gegeben. «Kurz nach der Ortsausfahrt haben wir abgedrückt und sind mit 200 Kilometern pro Stunde über Land gerast. Das war damals noch möglich.» Der 62-Jährige streicht sich übers Kinn und schwärmt davon, dass die Mach III beschleunigte «wie eine Steinschleuder». Zuerst habe sie langsam die Spannung aufgebaut und sei dann losgedonnert. Das sei überhaupt kein Vergleich zu den heutigen Motorrädern, die gleichmässig das Tempo erhöhen würden. Ur-Suzuki im Internet entdeckt Solche nostalgischen Gefühle weckt die Suzuki Diamond Free nicht. Dafür ist sie mit ihren 57 Jahren zu alt. Vielmehr belustigt das 1953 gebaute Modell die Messebesucher. Die Diamond Free ist das älteste Suzuki-Motorrad Europas. Hansruedi Zihlmann, Besitzer des Oldies, vermutet, dass weltweit nur noch ganz wenige Exemplare existieren. Das ausgestellte Zweirad ist eines der ersten von der Firma Suzuki produzierten Motorräder. Wie ein solches sieht die Diamond Free nicht aus, vielmehr wie ein Velo mit Motor. Zihlmann entdeckte die alte Suzuki auf einer Online-Auktionsplattform in Japan. Obwohl solche Raritäten sehr gefragt sind, war er der einzige Bieter. «Ich kann mir das nur erklären, weil sie unter der Rubrik Fahrrad und nicht Motorrad aufgelistet war», sagt Zihlmann. Zu einem Spottpreis hat er die Diamond Free trotzdem nicht erhalten. Eine fünfstellige Summe hat sie gekostet. Die Maschine sei so selten, dass sie etwa Frankreich als Kulturgut ansehe. Eine Importerlaubnis für die Suzuki hätte unser Nachbarland deshalb nicht ausgestellt. Trotz ihres hohen Alters ist die Diamond Free noch fahrtüchtig. Eine Probefahrt ist auf www.youtube.com zu sehen (First suzuki diamond bike diamond free). Wie fährt sich die Ur-Suzuki? «Es Gschwür», sagt Zihlmann. Am besten zu vergleichen mit einem Velosolex. Das Motorrad ist ziemlich rostig. Von Grund auf erneuern lassen will Zihlmann es nicht, die Patina gehöre dazu. Und ausserdem würde das Motorrad dadurch an Wert verlieren. Verkaufen möchte er es auf keinen Fall, obwohl ihm dafür schon hohe Summen geboten wurden. Dass Retro-Bikes gefragt sind, zeigt ein Rundgang. Englische Traditionsmarken wie Norton und Royal Enfield besinnen sich mit Nostalgiemodellen auf ihre Wurzeln. Das Interesse für solche Bikes ist gross, bestätigt Zihlmann. Viele würden Motorräder aus den Sechziger- und Siebzigerjahren fahren, um nicht zu rasen und den Fahrausweis zu verlieren: «Motorräder der neusten Generation sind Waffen, für die es keinen Waffenschein braucht.» Die Diamond Free aus dem Jahr 1953 ist die älteste Suzuki Europas. In den Verkaufsshowrooms der Swiss-Moto ist Anfassen ausdrücklich erlaubt.Fotos: Sabina Bobst Bildlegende Text.Foto: Vorname Name, Agentur VideoDie neusten TrendsiPhone: Tagi-App aufTA+Mobile: SMS mit Text Plus an 4488

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