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Mit Tempo 60 über den Albis – da macht die Polizei nicht mit

Der Langnauer Gemeinderat wollte die Raser auf der Passstrasse bremsen. Doch die Kantonspolizei sieht keinen Grund, die Geschwindigkeitsbegrenzung herabzusetzen.

Von Anja Müller Langnau – Der Motorradfahrer kommt von hinten und mit hoher Geschwindigkeit. Er überholt Michael Hug, der in seinem Auto vom Albispass Richtung Langnau unterwegs ist, und schwenkt gefährlich nah vor ihm zurück auf die rechte Spur. Michael Hug geht auf die Bremse und nimmt Abstand – zum Glück. In der nächsten Linkskurve streift der Raser nämlich die Leitplanke, stürzt und kommt auf die Gegenfahrbahn zu liegen. In diesem Moment nähert sich das Postauto aus Richtung Langnau. Schnell stellt der unverletzte Raser sein Motorrad auf und braust davon. Es sind heikle Situationen wie diese, die Michael Hug nicht länger akzeptieren will. Er wohnt beim Escherrank kurz vor der Passhöhe und hat auch schon beobachtet, dass ein Töffraser innert 40 Minuten 13 Mal im Renntempo den Albispass auf der Ostseite rauf- und runtergefahren ist. Er hat deshalb im letzten Sommer den Verein «Lärm am Albis» gegründet. Die Gruppierung hat zum Ziel, die Verkehrssicherheit auf der Albispassstrasse zu verbessern und den übermässigen Lärm der Motorräder zu bekämpfen.Dies will auch der Gemeinderat Langnau. Im Sommer 2010 hat er auf die zahlreichen Beschwerden von Anwohnern reagiert und bei der Kantonspolizei den Antrag gestellt, die Geschwindigkeit auf der Passstrasse von 80 auf 60 km/h zu reduzieren und Sicherheitslinien anzubringen, um riskante Überholmanöver zu verhindern. Wie gestern bekannt wurde, hat die Kantonspolizei den Antrag aus Langnau aber abgelehnt. Dies vor allem aus zwei Gründen, wie der Langnauer Gemeinderat mitteilt: Einerseits stelle die Kantonspolizei auf dieser Strecke keine Missstände wie Lärm fest. Andererseits habe sich die Zahl der Unfälle – besonders im Haarnadelkurvenbereich – seit der Sanierung der Albisstrasse 2010 verringert. Dies zeige, dass der damalige Entscheid, keine durchgehende Sicherheitslinie anzubringen, richtig gewesen sei. Illegale Rennen Der zuständige Langnauer Gemeinderat Hans-Ulrich Braun (SVP) ist enttäuscht über die negative Antwort des Kantons. «Die gefährlichen Tempoexzesse werden so nicht aufhören, genauso wenig der unerträgliche Motorenlärm.» Der Gemeinderat hat dem Kanton gemeldet, dass auf der Passstrasse nicht nur sehr schnell gefahren wird, sondern auch illegale Rennen stattfinden. Demnach besammeln sich die Töfffahrer jeweils beim Schützenhaus, um sich dann, nachdem ein Späher Ausschau gehalten hat, miteinander zu messen. Laut Sicherheitsvorstand Braun will die Langnauer Exekutive den Entscheid der Kantonspolizei nicht hinnehmen und sich weiterhin für Massnahmen gegen die Raser einsetzen: «Das ist ein Muss!» Momentan werde geprüft, was möglich ist. Zum Beispiel, wie die Erfolgschancen eines Gutachtens wären, das beweist, dass der Lärmpegel mit Tempo 60 abnimmt. Eine andere Strategie wäre, gegen die Verfügung der Kantonspolizei zu rekurrieren. Mehr Kontrollen Die Kantonspolizei Zürich wollte gestern zu ihrem Entscheid nicht detailliert Stellung nehmen. Wie Mediensprecher Martin Sorg aber sagt, sei ihr bekannt, dass die Albispassstrasse in den Sommermonaten wegen ihrer Kurven bei den Motorradfahrern beliebt ist. Auch die Kantonspolizei erhält regelmässig Beschwerden von Anwohnern. Dass sie den Antrag der Gemeinde Langnau abgelehnt habe, heisse nicht, dass sie nicht reagiere, sagt Sorg: «Wir machen im Sommer vermehrt Geschwindigkeitskontrollen, wo die Topografie schnelles Fahren zulässt.» Das Ziel sei es, auf diesem Weg die schwarzen Schafe unter den Motorradfahrern aus dem Verkehr zu ziehen. Am Albispass darf weiterhin mit 80 km/h gefahren werden. Foto: ZSZ

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