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Mit taktischem Gespür bis ins Endspiel

Jessica Brühwiler aus Meilen ist an der Stork-Trophy in Oetwil bis in den Final vorgestossen. Dabei überzeugte das Tennistalent nicht nur spielerisch, sondern auch mit ihrer Reife auf dem Platz.

Tennis. - Die Situation scheint am vergangenen Freitag aussichtslos. Ein Punkt fehlt der Gegnerin, dann ist das Heimturnier für die Meilemer U-12-Tennisspielerin Jessica Brühwiler vorbei. 3:5 liegt sie im Entscheidungssatz an der internationalen Syntax-Stork-Trophy in Oetwil (siehe Kasten) zurück gegen die Italienerin Elena Pellegrini - die zudem mit 40:0 bei eigenem Aufschlag führt. Dann kommen die Nerven ins Spiel. Die Italienerin macht einen Doppelfehler, Brühwiler, seit kurzem 11 Jahre alt, bleibt cool. Sie erspielt sich Punkt um Punkt, gewinnt das Game, kurz darauf den Satz mit 7:5 und damit den Match. Die Lokalmatadorin steht im Final. Nervös sei sie bei den Matchbällen nicht gewesen, sagt Brühwiler. «Es wäre ja nicht schlimm gewesen, wenn ich verloren hätte.» Sie sei schon sehr zufrieden gewesen, im Halbfinal zu stehen. Das Endspiel am Samstagmorgen gerät dann zu einer einseitigen Angelegenheit. Die Schweizer Nummer 1, Chiara Grimm, besiegt Brühwiler mit 6:0 und 6:1. «Chiara war sehr stark und ich müde vom Halbfinal», resümiert die Geschlagene. Grimm, mit der Brühwiler an der SM vor einem Monat noch Doppel-Gold geholt hat, spielt in der Turnierwoche in einer eigenen Liga: In 5 Partien gibt sie nur 4 Games ab. Erstaunlich selbstständig Trotz der Niederlage im Final hat Brühwiler einmal mehr den Beweis erbracht, dass in ihr viel Talent schlummert - nicht nur, was Technik und Ballgefühl betrifft. Die 11-Jährige überrascht mit einer erstaunlichen Reife auf dem Platz. «Wir geben nie taktische Anweisungen vor einem Spiel», sagen die Eltern Janine und Daniel. Jessica lege sich die Strategie selber zurecht. In der Tat: Nach dem Achtelfinalsieg gegen Rahel Kindler aus Mellingen sagt Brühwiler: «Ihr Spiel liegt mir nicht. Aber ich habe versucht, oft Longline-Bälle zu spielen und sie laufen zu lassen. Das mag sie nicht.» Als Mutter Janine nach dem Spiel fragt, ob sie den Platz putzen solle, antwortet Jessica: «Nein, das mache ich selber.» Die Selbstständigkeit endet nicht am Zaun um den roten Sandplatz. Während die Eltern davon angetan sind, dass ein U-12-Turnier mit den besten Spielerinnen und Spielern Europas praktisch vor der Haustüre stattfindet, überrascht Jessica mit ihrer Ansicht: «Ich spiele lieber im Ausland.» Ihre Erklärung: «Dann sind die Eltern nicht dabei, und ich kann machen, was ich will.» Punkt. Brühwiler bringt schon in jungen Jahren viele Fähigkeiten mit auf den Tennisplatz. Laut Turnierdirektor Herold Super, der das Ausnahmetalent in Oetwil trainiert, ist das heutzutage ein Muss. «Das Niveau wird jedes Jahr höher. Die Spieler müssen schon in diesem Alter komplett sein, um später eine Chance zu haben», sagt er. Dann wird er nachdenklich und schiebt eine rhetorische Frage nach: «Wo soll das nur hinführen?» Nur wenige schaffen den Durchbruch Statistisch gesehen, schaffen laut Super pro Jahrgang nur 7 von 100 Nachwuchsspielern Europas später den Sprung in die Top 100 der Weltrangliste. Auch wenn der Weg noch weit ist, hat Brühwiler gute Aussichten. Sie hat in dieser Saison gegen keine europäische Gegnerin mit Jahrgang 1998 verloren. «Die Schweizerinnen spielen in Europa ganz vorne mit», sagt Super. Für Brühwiler wird der Vergleich mit der europäischen Konkurrenz in der nächsten Saison besonders interessant - dann gehört sie zu den Älteren in der U-12-Kategorie. «Centre Court ist ein Unikum», Seite 39 Jessica Brühwiler (o.) und Co. ähneln in Sachen Technik und Verhalten den Vorbildern aus dem Profizirkus.

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