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Meisterprüfung für Heiko Vogel

Der FCB-Interimstrainer kann gegen Manchester United das beste Argument für seine Beförderung liefern.

FCB daheim gegen Engländer Siebenmal schon hat der FC Basel im Europacup zu Hause gegen einen Verein aus der englischen Premier League gespielt, fünf dieser Partien fallen in die Ära Christian Gross. Vor dem Direktduell um den Einzug in die Champions-League-Achtelfinals gegen Manchester United am 7. November ist die Basler Bilanz in Heimspielen leicht negativ: Zwei Siegen und zwei Remis stehen drei Niederlagen gegenüber. (TA) EuropacupTrainer 95/96 UI-Cup Sheffield Wedn. 1:0Andrey 01/02 UI-Cup Aston Villa 1:1Gross 02/03 Champ. L. Liverpool 3:3Gross 02/03 Champ. L. Manchester Utd 1:3Gross 03/04 Uefa-Cup Newcastle 2:3Gross 05/06 Europa L. Middlesbrough 2:0Gross 09/10 Europa L. Fulham 2:3Fink Von Peter M. Birrer, Bukarest Der Anlass fand im ersten Stock des Fünfsternhauses statt, weit nach Mitternacht hielt der FC Basel in Bukarest ein Bankett ab wie es die ganz Grossen der Branche auch zu tun pflegen. Die Mannschaft zeigte sich nach dem 3:2 gegen Otelul Galati um 1 Uhr ihren Top-Supportern, und auf europäischen Geschäftsreisen ist es Chefsache, bei dieser Gelegenheit eine Tischrede zu halten. Nach dem 3:3 in Manchester und dem 1:1 in Lissabon wurde die Angelegenheit für Bernhard Heusler erneut eine vergnügliche Aufgabe. Der designierte Präsident lobte, dankte, und am Morgen schwärmte er: «Wie sich unser Klub als Einheit präsentiert, ist beeindruckend.» Wie eine Zeitreise muss ihm der Blick in den Spätsommer vorkommen. Am 20. August, einem heissen Samstag, stürzte der FCB auf Platz 8 ab, der stolze Meister befand sich auf Irrwegen. Seine Defensive war eine Baustelle, die Leader, Frei, Huggel und Streller, waren mit sich selber beschäftigt. Das mündete in den schlechtesten Saisonstart seit 2001. Und löste ziemlich Unruhe aus. Heusler bekam allerlei zu hören und zu lesen: Die Transferpolitik sei verfehlt, das Team nach zwei Meistertiteln in Folge gesättigt, eine Auffrischung verpasst worden.In der Kälte des Novembers ist alles Negative weit weg. Der FCB hat von den letzten 17 Pflichtspielen nur eines verloren, und Heiko Vogel, lange der Mann im Schatten von Thorsten Fink, macht seit Mitte Oktober fleissig Werbung, um sich die Beförderung zum Cheftrainer zu verdienen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Klubleitung das Dossier mit rund 50 Bewerbungen demnächst schliesst und Vogel als langfristige Lösung wählt, steigt von Woche zu Woche, von Sieg zu Sieg. Der 36-Jährige ist kein Blender, kein geschliffener Rhetoriker, dafür ein Schaffer, der am Morgen früh im Büro auftaucht, seinen Rundgang durch die Abteilungen des Vereins macht und «seine grosse Lust auf Kommunikation» zeigt, so formuliert es Heusler: «Er ist für alles empfänglich, das ihn weiterbringt.» Das Basler Selbstbewusstsein Die ausgeprägte Pro-Vogel-Haltung auf vielen Ebenen gefällt Heusler, er gilt selber als Befürworter von Vogel und brächte sich wohl in Argumentationsnotstand, würde er auf einmal doch einen neuen Coach nach Basel holen. Nur hält der Klubchef auch fest: «Wer heute am lautesten fordert, dass der Vertrag mit Vogel zwingend und am besten sofort verlängert werden muss, hätte nach ein, zwei Niederlagen die Theorie ausgepackt, dass man einen Assistenten doch niemals zum Chef machen darf.» Vogel selber hält sich aus Diskussionen um seine Person raus. Ihn interessiert kurzfristig, wie er den FCB im Cup gegen Wil eine Runde weiterbringt, wie er zum Abschluss des Jahres die Position an der Spitze der Super League festigen kann. Und vor allem: was am 7. Dezember erforderlich ist, um Manchester United zu besiegen, um den FCB in die Achtelfinals der Champions League zu führen. Es wird an diesem Mittwoch gewissermassen seine Chance zur Meisterprüfung. «Der Traum wird gelebt», sagt Vogel. Nichts kann ihn davon abbringen, an den Coup zu glauben. Damit steckt er auch seine Spieler an. Captain Marco Streller etwa sagt: «ManU ist derzeit nicht unwiderstehlich.»Dass der englische Rekordmeister und Champions-League-Finalist von 2011 überhaupt unter Druck geraten ist und sich im St.-Jakob-Park keine Niederlage leisten kann, löst in Manchester einige Verwunderung aus. «Eigentlich ist das nicht normal», sagte Mittelfeldspieler Darren Fletcher nach dem 2:2 gegen Benfica Lissabon und fügte an: «Wir sind uns gewohnt, die Achtelfinals vorzeitig zu erreichen. Jetzt aber müssen wir aufpassen. Seit dem 3:3 im Old Trafford wissen wir, was auf uns zukommt: Basel ist kreativ, angriffig und gefährlich.» «Meinen Sie das ernst?» Grundsätzlich haben die Engländer aber kein Problem mit ihrem Selbstbewusstsein. «Wir sind immer noch stark genug, um zu holen, was wir brauchen», sagte Fletcher. Sollten ihn doch plötzlich Zweifel befallen, kann er sich an seinen Trainer wenden. Als ein Journalist es wagte, Sir Alex Ferguson am Dienstag zu fragen, warum sich ManU derzeit so schwertue, schaute der Schotte zuerst grimmig drein und fragte schliesslich ungläubig lachend zurück: «Meinen Sie das ernst?» Es war das abrupte Ende der Pressekonferenz. Ferguson stand auf und ging. Und warf in den Raum: «Wir tun uns nicht schwer.»

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