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Mein Mann und ich stehen vor der Trennung, sollen wirs den Kindern sagen?

FRAGE AN ANNA: Mein Mann und ich stehen nach 17 Ehejahren kurz vor der Trennung. Er hat sich in eine andere Frau verliebt. Im Moment wohnt er noch bei uns zu Hause, damit die Kinder nichts mitbekommen. Ich liebe ihn immer noch sehr, trotz allem, was in der letzten Zeit passiert ist. Leider streiten wir uns auch öfter, aber die Kinder bekommen das meistens nicht mit, weil die Diskussionen oft erst stattfinden, wenn sie schon im Bett sind. Wir haben uns darauf geeinigt, momentan als Freunde zusammenzuleben, um für die Kinder da zu sein, aber ich weiss nicht, ob ich das aushalte, eigentlich will ich das so nicht. Mein Mann meint, wir sollten darüber mit den Kindern sprechen. Ich bin da sehr unsicher und befürchte, dass man damit nur Ängste hervorruft, denn unsere Kinder sind erst 6- und 9-jährig. Was sollen wir tun?S. aus SeftigenLiebe S.: So, wie ich die Situation beurteile, ist das Zusammenbleiben als «Freunde» kein gangbarer Weg. Sie sollten einen klaren Schlussstrich ziehen, denn eine Fassade aufrechtzuerhalten ist für alle Beteiligten meistens ein grösserer Leidensprozess. Ihre Kinder können sich nicht wirklich von dem Streit ihrer Eltern distanzieren, auch wenn Sie sich erst spät am Abend streiten, bleibt die Stimmung tagsüber erhalten. Kinder spüren das und glauben bei jedem Streit, sie seien schuld. Alle negativen Gefühle, die zwischen Ihnen und Ihrem Mann hin- und hergehen, übertragen sich eins zu eins auf die Kinder. Heutzutage ist es keine Schande mehr, geschieden zu sein, jede zweite Ehe scheitert statistisch gesehen, es ist normal, sich zu trennen, wenn das Zusammenleben nicht mehr funktioniert. Sie sollten gemeinsam mit Ihren Kindern sprechen und ihnen vor allem erklären, dass der Papa der Papa bleibt, auch wenn er nicht mehr zu Hause wohnt, und dass er seine Kinder genauso liebt wie vorher. Sie können eine Trennung nicht wirklich erklären, und das müssen Sie auch nicht, sagen Sie Ihren Kindern vor allem, wie es weitergeht, damit die Trennung ihren Schrecken verliert. Es wäre von Vorteil, wenn Sie es schaffen, das Gespräch mit den Kindern gemeinsam zu führen, so merken die Kinder, dass es eine Entscheidung von beiden ist, dass Sie sich beide um das Wohlergehen der Kinder sorgen und kümmern. Es kommt nicht darauf an, alle Zusammenhänge zu erläutern, in erster Linie sollen die Kinder wissen, was für sie wichtig ist. Kinder wollen wissen, wie ihr Alltag in Zukunft aussieht, sie haben also ganz praktische Fragen. Erklären Sie auch, wo Ihr Mann wohnen wird, dass er alles dort hat, was er braucht, und wie in Zukunft der Alltag aussehen wird. Sprechen Sie auch über Dinge, die sich nicht verändern, dass ist beruhigend und entlastend für Ihre Kinder. Natürlich ist es für die Kinder schwer, und Sie sollten damit rechnen, dass Ihre Kinder mit starken Gefühlen auf diese Nachricht reagieren werden, aber sie müssen ihre Gefühle auch ausdrücken dürfen, und dieses erste Gespräch über die schwierige Situation, mit der alle Beteiligten fertig werden müssen, sollte nur der Auftakt sein zu einem immer wiederkehrenden Dialog zwischen Kindern und Eltern. Ihre AnnaIhre Fragen an: liebe.anna@bernerzeitung.ch oder LIEBE ANNA, Postfach 150 3472 Wynigen >

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