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Mehrfahrten wegen Kindersitzpflicht

Sportvereine überlassen nach anfänglichen Bedenken die Verantwortung den Eltern.

Von Sandra Flückiger Seit rund einem halben Jahr müssen Eltern ihre Kinder, die jünger als 12 Jahre oder kleiner als 1,50 Meter sind, im Auto in einem Kindersitz sichern (siehe Box). Wer sich nicht daran hält, nimmt eine Busse von 60 Franken in Kauf. Die Verordnung, die im April in Kraft trat, sorgte für heftige Diskussionen. Vor allem die Sportvereine reagierten angesichts der logistischen und finanziellen Herausforderung empört. So kritisierte beispielsweise der Fussballverband, Transporte von Juniorenmannschaften würden unverhältnismässig kompliziert. Deshalb forderte der Appenzeller Ständerat Ivo Bischofberger (CVP) eine Ausnahme für Sportvereine. In einer von 30 Ständeräten unterzeichneten Interpellation wollte er von der Landesregierung wissen, ob sich der Bundesrat der Konsequenzen für den Sport im Juniorenbereich bewusst sei. Der Bundesrat ging in seiner Antwort nicht von negativen Auswirkungen aus. Damit scheint die Regierung recht zu behalten. Trotz anfänglicher Skepsis sehen die Sportvereine im Bezirk Meilen die Verordnung heute nicht als Problem. Die Veränderung handhaben sie unterschiedlich. Gemeinsam ist allerdings allen Vereinen, dass sie keine Kindersitze oder Sitzerhöher angeschafft haben. «Bei uns schauen Trainer und Eltern selber», sagt etwa Tomas Hermida, Juniorenobmann beim Sportclub Zollikon. Normalerweise erklärten sich einige Eltern bereit, die Junioren fahren. Da die meisten sowieso zwei bis drei Kinder im entsprechenden Alter hätten, müssten sie keine zusätzlichen Sitze anschaffen. Ähnlich tönt es beim Grasshopper-Club Küsnacht (GCK Lions): «Die Kinder müssen die Sitzerhöhung selber mitbringen, weil sie im Auto der Eltern sowieso eine brauchen», sagt Adi Stahl, Sportchef des GCK-Lions-Nachwuchses. Dass die Mannschaft in einem Bus zu einem Spiel fahre, sei jedoch selten der Fall. Oft übernähmen die Eltern den Transport. Eltern übernehmen Transport Der Handballclub Gelb-Schwarz Stäfa hat die Angelegenheit konsequent geregelt. Bei Anlässen, die unter 12-jährige Kinder betreffen, versammelt sich der Verein nicht mehr in Stäfa, sondern setzt einen Besammlungszeitpunkt am entsprechenden Ort fest. Damit liegt die Verantwortung für den Weg bei den Eltern, die sich untereinander arrangieren können, wie der technische Leiter Silvio Solenthaler erklärt. Das führe sicher zu Mehrfahrten. «Aber es wäre zu viel des Guten, wenn wir auch noch Sitze organisieren müssten. Schliesslich arbeiten alle ehrenamtlich», sagt er. Auswärtige Wettkämpfe seien allerdings nicht zahlreich, und die Obstgartenhalle – wo die Stäfner trainieren – sei auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Ob die Eltern sich an die Kindersitzpflicht halten, lässt sich mangels Statistik noch nicht sagen. Die Kantonspolizei überprüft die Einhaltung im Rahmen normaler Verkehrskontrollen. Statistisch werden die Fälle aber erst ab nächstem Jahr erfasst, wie Silvia Killias, Mediensprecherin der Kantonspolizei, auf Anfrage erklärt.

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