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Massive Luftschläge in Libyen lösen Kritik an der Militäroperation aus

Die Arabische Liga wirft dem Westen vor, er bombardiere Libyen masslos; Ghadhafi gibt sich siegesgewiss.

Von Oliver Meiler, Marseille Überziehen die westlichen Streitkräfte ihr Mandat in Libyen? Nach einer Serie massiver Angriffe mit Kampfjets und Lenkraketen gegen Installationen der libyschen Armee in der Hauptstadt Tripolis sowie rund um Benghazi hat der Generalsekretär der Arabischen Liga, der Ägypter Amr Moussa, am Sonntag sein Befremden über den internationalen Einsatz geäussert: «Was in Libyen passiert, weicht vom Ziel ab, eine Flugverbotszone durchzusetzen. Wir wollen den Schutz der Zivilisten und nicht deren Bombardierung.» Die Kritik hat Gewicht, weil erst die Unterstützung der Arabischen Liga eine Mehrheit für die UNO-Resolution gebracht hatte. Auch China und Russland, die sich im Sicherheitsrat der Stimme enthalten hatten, kritisierten das Ausmass der Angriffe. Doch aus der Sicht der Alliierten, denen sich am Sonntag als erster arabischer Staat Qatar anschloss, verlief die erste Phase der Operation «erfolgreich». Sie wiesen Moussas Vorwürfe zurück. Den USA war es wichtig, nicht als führende Kraft der Koalition zu erscheinen und den Franzosen und den Briten den Vortritt zu lassen. Doch am Wochenende waren es ihre Raketen gegen die libysche Luftabwehr, die für die grösste Zerstörung sorgten. Generalstabschef Mike Mullen sagte, Operation «Odyssey Dawn» habe auch eine Offensive Ghadhafis gegen Benghazi gestoppt. Die Anzahl der Todesopfer war vorerst unklar: Libyens Staatsfernsehen meldete 48 Tote. Es zeigte Bilder von Verletzten, wobei ungewiss war, ob es sich nicht um Propagandamaterial des Regimes handelte. Ghadhafi verhiess den «Kreuzrittern» des Westens die «Hölle» und einen langen Krieg, den sie verlieren würden. In einer Radioansprache aus seinem geheimen Aufenthaltsort sagte er: «Wir werden nicht zulassen, dass der Westen unser Öl wegnimmt.» Sein Sohn Saif al-Islam nannte am US-Fernsehsender ABC die Militärintervention «ungerecht». Von Drohungen seines Vaters, zivile Flugzeuge über dem Mittelmeer zu attackieren, distanzierte er sich aber. Das Regime soll Waffen an loyalistische Bürger verteilt haben, die bei der Verteidigung helfen sollen. In der Kaserne von Bal al-Aziziya in Tripolis, Hauptquartier der Herrscherfamilie, haben sich Anhänger Ghadhafis als menschliche Schutzschilder engagieren lassen, um ein Bombardement der strategischen Anlage, die lange als Ghadhafis Bunker diente, zu verhindern. Am Sonntagabend intensivierten die Alliierten ihre Angriffe auf das Zentrum von Tripolis.Die libysche Armee rief eine Waffenruhe aus. Ghadhafis Regime hatte dies schon am Freitag getan, das Versprechen aber nicht eingehalten. Libysche Rebellen posieren auf Fahrzeugen der Ghadhafi-Streitkräfte, die von französischen Kampfflugzeugen zerstört wurden.Foto: Patrick Baz (AFP) Der Westen greift in Libyen ein Kommentar:Barack Obamas Libyen-Politik ist unentschieden und risikoreich. –Seite 2 Das betonierte Herz des Regimes in Tripolis wird zum Symbol des Kriegs. –Seite 3

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