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Marine Le Pen bekundet Schwierigkeiten bei der Patensuche

In Frankreich bangt die Rechtspopulistin Marine Le Pen, ob sie für die Präsidentschaft kandidieren kann. Oder blufft sie nur?

Von Oliver Meiler, Paris Ihre Partei ist die dritte Kraft im Land, sie selber weiss je nach Umfrage zwischen 18 und 21 Prozent der französischen Wähler hinter sich. Und doch ist nicht sicher, ob Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National am 22. April an der Präsidentschaftswahl teilnehmen kann. Offenbar hat sie viel Mühe, jene mindestens 500 Unterschriften von gewählten Würdenträgern zu sammeln, von sogenannten Paten, die es laut Gesetz braucht, um überhaupt antreten zu dürfen: Bürgermeister, Parlamentarier, Regionalräte. 500 – bei einer Schar von 43 000 möglichen Paten sollte das kein Problem sein. Ist es aber, zumindest für Marine Le Pen. Viele scheuen sich, ihre stille Sympathie für die streitbare Politikerin und Tochter des rechtsradikalen Polterers Jean-Marie Le Pen mit einem offiziellen Akt, der im Amtsblatt publiziert wird, öffentlich zu bekunden. Gerade auf dem Land, wo so mancher Bürgermeister einer Bürgerliste ohne Parteicouleur vorsteht, kostet eine solche Patenschaft auch schon mal das Amt. Und so hat Marine Le Pen erst zwischen 300 und 400 Unterschriften. Die Zeit drängt: In sechs Wochen läuft die Frist für die Einreichung der Liste ab. «Unfair, undemokratisch» Am Dienstag trieb es sie für eine Protestaktion auf die Strasse, vor den Palais du Luxembourg, den französischen Senat, wo sie den Medien ihre ganze und laute Empörung kundtat. Unfair sei das, sagte sie, und undemokratisch. Sie forderte einmal mehr, dass die Paten fortan anonym bleiben dürften. Nur so würden sich gewisse Amtsträger trauen, sich dem Druck der grossen Parteien und der öffentlichen Meinung zu widersetzen. Eigentlich aber fordert sie einfach nur, dass sie kraft ihrer breiten Gunst im Volk an der Wahl teilnehmen dürfe. «Sollte ich nicht kandidieren dürfen, verabschiedet sich Frankreich von der Demokratie», sagte sie. Und für einmal weiss sie 70 Prozent der Franzosen hinter sich – aus allen politischen Lagern. Bei einer Umfrage der Zeitung «Le Parisien» fanden fast drei Viertel, dass man Le Pen notfalls auch ohne die 500 Unterschriften die Möglichkeit geben müsse, antreten zu können.Weniger klar sind die Meinungen im politischen Betrieb. Das hat einerseits damit zu tun, dass sich auch ihr Vater immer über die Schwierigkeit beklagt hatte, genügend Paten zu finden – und die nötige Anzahl dann doch fünfmal erreichte, wenn auch meist nur sehr knapp. Es hiess dann jeweils, er bluffe und geriere sich gezielt als Märtyrer, damit man noch etwas mehr von ihm rede. Und obschon er einmal, 1981, tatsächlich am Quorum scheiterte und vom Rennen ums Elysée ausgeschlossen wurde, lebte die Legende des taktischen Bluffs weiter und übertrug sich nun auf die Tochter. Bei Marine Le Pen muss man sich jedoch fragen, ob sie es nötig hat, künstlich noch mehr Publizität um ihre Person zu provozieren: Sie hat schon sehr viel davon.Andererseits hat die Polemik um Le Pen auch mit ihrem Störpotenzial bei den Wahlen zu tun. Im rechten Lager fürchtet man, dass es ihr wie einst ihrem Vater 2002 gelingen könnte, in die Stichwahl zu ziehen – gegen den Sozialisten François Hollande. Angesichts der schlechten Umfragewerte von Amtsinhaber Nicolas Sarkozy mutet diese Konstellation nicht ganz unwahrscheinlich an. Und so wäre es Sarkozy sehr recht, wenn es die Vertreterin der extremen Rechten gar nicht erst an den Start des Rennens schaffen würde. Le Pen muss 500 Unterschriften von Würdenträgern auftreiben. Foto: Keystone

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