Zum Hauptinhalt springen

Mann muss wegen Schändung ins Gefängnis

Ein Mann stieg heimlich zu einer Nachbarin ins Bett. Es war nicht das erste Mal. Deshalb muss er die Strafe von 18 Monaten zur Hälfte im Gefängnis absitzen.

Von Marco Morosoli Horgen – Das Horgner Bezirksgericht fasste gestern einen 30-jährigen Angeklagten aus Afghanistan nicht mit Samthandschuhen an und verurteilte ihn wegen Schändung zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten. Die Staatsanwaltschaft hatte in der Anklageschrift 15 Monate gefordert. Der Angeklagte war im Frühling 2008 in einer Seegemeinde in die Wohnung einer Nachbarin eingedrungen, legte sich zu ihr ins Bett und betastete die schlafende Person unsittlich. Als sie erwachte und den Nachbarn neben sich bemerkte, war sie entsetzt und schockiert. Die Geschädigte schilderte die Tat kurze Zeit später der Polizei. Diese setzte eine Untersuchung in Gang. Das Schweizerische Strafgesetzbuch umschreibt die Schändung so: «Wer eine urteilsunfähige oder eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zustandes zu einer beischlafähnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung missbraucht, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren bestraft.» Im gestrigen Prozess rollte der Vorsitzende Bezirksrichter Bruno Derungs mit Nachfragen den nicht alltäglichen Fall bis ins kleinste Detail noch einmal auf. Dabei stellte er fest, dass der Angeklagte bei allen Befragungen nur in einem Punkt konsequent war: Er stritt die Tat ab. Der Mann behauptete, er sei weder in der fremden Wohnung gewesen, noch habe er die Geschädigte in irgendeiner Form berührt. Vielmehr ortete er im Vorwurf der Frau einen Racheakt. Immer wieder tischte er neue Versionen auf, die er später umformulierte. Das Opfer seiner nächtlichen Attacke hingegen blieb bei allen Einvernahmen auf ihrer einmal vorgezeichneten Linie. «So kann den Vorfall nur jemand schildern, der dabei war», sagte der Staatsanwalt. Für ihn waren deshalb die Aussagen der bedrängten Frau «glaubwürdig». Dies führte ihn zur Feststellung, dass «am vom Opfer geschilderten Tathergang keine Zweifel bestehen» könnten. Beweise belasten Angeklagten Den Angeklagten belasteten aber nicht nur die Aussagen der Geschädigten, sondern auch am Tatort gesicherte Beweise. So stellte die Polizei auf der Bettdecke der Frau orangefarbene Textilfasern fest. Sie sollen vom Pyjama stammen, das der Angeklagte in der Tatnacht getragen habe. Der Angeklagte versuchte diesen Vorwurf aber zu kontern: «Ich weiss nicht mehr, was ich in dieser Nacht angehabt habe.» Bei dieser Aussage blieb er auch noch, als ihm der Vorsitzende des Gerichts das Nachtgewand zeigte. Der 30-Jährige konnte sich auch nicht erklären, wie ein Haar der Geschädigten auf sein Pyjama gekommen sein soll. Trotz der von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Beweise wies der Angeklagte seine Pflichtverteidigerin an, für einen Freispruch zu plädieren. Dabei erlitt er auf der ganzen Ebene Schiffbruch. Das Bezirksgericht erhöhte die von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafe um 3 auf 18 Monate. Die Hälfte davon muss der Angeklagte absitzen, der andere Teil wird aufgeschoben. Erschwerend wirkte sich für den Mann aus, dass er schon 2003 wegen eines ähnlichen Vorfalls verurteilt worden war. «Die 9 Monate Gefängnis sollen ihm zeigen: So geht es nicht», sagte Bezirksrichter Bruno Derungs. Der Angeklagte schüttelte darob nur den Kopf. Der Entscheid des Gremiums ist noch nicht rechtskräftig. Die Begründung wird den Parteien später schriftlich zugestellt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch