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«Man war sich bei Wegelin nicht bewusst, wie ernst die Lage ist»

Wegelin Das Ende der ältesten Schweizer Privatbank, TA vom 28. Januar Auf Kosten der «Dummen». Gemäss «Tages-Anzeiger» hat Herr Konrad Hummler, ehemaliger geschäftsführender Teilhaber der Bank Wegelin, gesagt oder geschrieben: «Wer Steuern zahlt, ist dumm.» Nun, ich zahle Steuern, also bin ich dumm. Und zusammen mit allen andern Dummen sorge ich dafür, dass Herr Hummler in einem Rechtsstaat mit Gesetzen, Justiz und Vollzugsorganen lebt, die ihrerseits dafür sorgen, dass beispielsweise auch unwillige Kreditnehmer der Bank Wegelin ihre aufgenommenen Darlehen verzinsen und rückzahlen müssen, dass der mit der Bank Raiffeisen eingegangene Vertrag eingehalten wird, dass Herr Hummel durch St. Gallen spazieren kann, ohne von Wegelagerern überfallen zu werden. Wir Dummen verhalfen Herrn Hummlers Kindern, so er denn welche hatte, zu einer unentgeltlichen Schulbildung, wir sorgen dafür, dass Herr Hummler auf einem Strassen- und Schienennetz reisen kann, und dies erst noch, ohne die vollen Kosten dafür zu begleichen, denn zusammen mit Dummen, die vor uns lebten, haben wir diese Netze geschaffen, und heute unterhalten wir sie und bauen sie aus. Ja, wir helfen Herrn Hummler sogar, dass er keine schädlichen Medikamente einnimmt, denn wir sorgen dafür, dass Medikamente vor der Zulassung in der Schweiz geprüft werden. Und so weiter und so fort. Entweder sieht Herr Hummler dies nicht ein, dann ist er sogar noch dümmer als wir normalen Dummen, oder er weiss es, ist aber ein gewissen- und rücksichtsloser Egoist, der so weit als möglich auf Kosten von uns Dummen leben möchte. Felix Ziegler, Uitikon Verräterisches Glaubensbekenntnis. «Ein Glaubensbekenntnis von mir ist (zwar), dass jeder Franken, der am Staat vorbeigeht, ein gut eingesetzter Franken ist, weil er weniger Schaden anrichtet.» Dieses Bekenntnis kann man als Rechtfertigung der Steuerhinterziehung verstehen. Abgesehen davon, dass nicht jeder Franken, der von Privatpersonen ausgegeben wird, ausschliesslich Gutes bewirkt, ist es eine irritierende Behauptung, dass der Staat mit seinem Geld bloss Schaden anrichte. Wenn nun irgendeine Privatperson sich solchermassen äussert, mag es eine verständliche spontane Unmutsäusserung beim Erhalt der Steuerrechnung sein. Aber angenommen, es wäre ein Bankdirektor, der so denkt und spricht, dann würden die Steuerbehörden anderer Staaten genauer hinsehen, wenn diese Bank internationale Kunden betreut. Hat der Bankdirektor vielleicht gemeint, der Staat habe damals mit seinem – unserem – Geld zur Rettung der UBS Schaden angerichtet? Die Pointe dieses Geschichtchens ist, dass es tatsächlich der Ausspruch eines Bankdirektors ist. Wir ahnen es schon: Das Glaubensbekenntnis stammt von Konrad Hummler aus einem Interview in der NZZ vom 8. 8. 2009. Raymond Frey, Zürich Fahrlässig und leichtsinnig. Die Privatbank Wegelin, ein Aushängeschild unter den Schweizer Finanzinstituten, ist nach 270 Jahren Geschichte wegen Gier nach Profit und Grösse von den Teilhabern mit einem längst überholten, vom Ausland nicht mehr tolerierten Geschäftsmodell an die Wand gefahren worden. Das war so grob fahrlässig und leichtsinnig, dass man sich nicht nur in Fachkreisen fragt: Wie konnte das nur passieren? Bundesrat Schneider-Ammanns Feststellung, es gebe einen Interessenkonflikt mit den USA in Sachen Bankgeheimnis, ist nun wirklich nichts Neues. Nur war man sich bei Wegelin und anderen Banken nicht bewusst, wie ernst die Lage ist – auch nicht nachdem sich die US-Justiz des «Interessenkonflikts» angenommen hatte. Schneider-Ammann hat zwar recht, wenn er sagt, dass das Bankgeheimnis nicht dazu erfunden wurde, um mit hinterzogenen Geldern ein Geschäft zu machen. Dass sich mit dieser Wahrung der Privatsphäre nach schweizerischer Auslegung bei ausländischen Kunden vorzüglich Geld verdienen lässt, war aber schnell klar und offensichtlich sehr verlockend. Nun hat es aber auch die traditionsreiche Bank Wegelin schmerzlich erfahren müssen: Die Zeiten, in denen man das machen konnte, sind definitiv vorbei. Walter Giger, Zürich Unverständliches Verhalten. Seit 2008 publik geworden war, dass die UBS reiche US-Bürger aktiv zur Steuerhinterziehung animierte, kommt der Schweizer Finanzplatz wegen dieser Verfehlungen nicht mehr zur Ruhe. Unter Androhung einer Klage gegen die Grossbank erhielten die USA nicht nur 780 Millionen Dollar Bussgeld, sondern auch rund 5000 UBS-Kundendaten. Dank diesen Unterlagen konnte die US-Justiz zum Angriff auf weitere elf Schweizer Banken blasen. Die zu dieser Gruppe gehörende Bank Wegelin hat daraus jetzt ihre Konsequenzen gezogen und verkaufte die von Konrad Hummler geleitete älteste Privatbank an die Raiffeisen-Gruppe. Allerdings ohne das umstrittene US-Geschäft. Dieses verbleibt allein bei Wegelin und wird nun geordnet liquidiert, da man keinen Deal mit den USA eingehen will. Dieses Vorgehen ehrt Hummler, ebenso dass er seine von der UBS übernommenen amerikanischen Kunden nicht der Justiz ausliefern will. Die Frage sei aber erlaubt, wie ein solch cleverer Banker dazu kommt, sein Lebenswerk mit dieser grob fahrlässigen Kundenübernahme aufs Spiel zu setzen. Brigitta Moser-Harder, Hüntwangen Stolpernde Persönlichkeiten. Die Parallelen zwischen den Ereignissen um die Schweizerische Nationalbank und dem Rücktritt ihres Vorsitzenden und dem abrupten Ende einer angesehenen Privatbank sind unverkennbar. Der SNB-Präsident stolperte über unbedachte unsensible Devisentransaktionen, seiner eigentlichen beruflichen Domäne, der Chef einer erstarkten alten Privatbank über wenig bedachte Konsequenzen einer Vorwärtsstrategie, um im Private Banking vermehrt mitreden zu können. Hildebrand war unzweifelhaft eine Vorzeigefigur der Nationalbank, Hummler war in gleicher Weise eine Ausnahme im eintönigen Konzert der Privatbankiers. Dem einen gelang es, die Devisenspekulanten zumindest vorerst zum Schweigen zu bringen, der andere sprach dem Bankenplatz Mut zu mehr Zivilcourage zu. Beide haben allerdings die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Dem einen gelang es nicht, seine persönlichen Dispositionen klar vom Geschäftlichen zu trennen, der andere predigte zwar ausgezeichnet, konnte aber sein eigenes Haus nicht völlig von den Begehrlichkeiten des US-Fiskus abschotten. Es ist immer wieder erstaunlich, dass offenbar sehr erfolgreiche Persönlichkeiten, welche bereits einen gewissen Kultstatus in unserem Lande erreicht haben, über Dinge stolpern, die eigentlich für Aussenstehende längst tabu wären. Beda Düggelin, Zürich Lächerliches Flickwerk. Da wurden von der UBS glühende Kohlen weitergereicht, um in aluminiumverkleideten Kartonschalen aufbewahrt zu werden. Anscheinend noch mit dem Wissen oder Segen der Behörden. Und dann wundert man sich, dass die Behälter kurze Zeit später in Brand geraten? Als einfacher Bürger reibt man sich nur verwundert die Augen. Wie gierig und blöd können Banker eigentlich sein? Wirklich? Anscheinend noch viel, viel blöder und noch viel, viel gieriger, als man sich das jemals hätte auch nur im Traum vorstellen können. Und es sind auch noch Kantonalbanken mit Staatsgarantien dabei! Wir sitzen hier auf einem riesigen Pulverfass, und die Lunte ist fast schon abgebrannt. Und was tut man? Einzelsteuerdeals, Abgeltungssteuern aushandeln, teilweise Bankkundendaten preisgeben, trötzelnd, stämpfelnd zwar, aber äusserst dienstbeflissen; ein lächerliches Flickwerk und «Gfätterle» sondergleichen. Roland Keller, Zürich «Die Privatbank Wegelin ist wegen Gier nach Profit und Grösse an die Wand gefahren worden.»

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