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Le-Corbusier-Platz in Zürich: Stadtrat prüft andere Namensgebung Le-Corbusier-Platz in Zürich: Stadtrat prüft andere Namensgebung

In der neuen Grossüberbauung bei der Sihlpost soll ein Platz nach dem umstrittene Neuenburger Architekten benannt werden — jetzt erwächst diesem Plan Widerstand In der neuen Grossüberbauung bei der Sihlpost soll ein Platz dem umstrittenen Neuenburger Architekten die Ehre erweisen — dieser Plan stösst nun zunehmend auf Widerstand.

Von Daniel Schneebeli Zürich – Die UBS kippte Anfang Woche den Architekten Le Corbusier aus ihrer Imagekampagne (TA von gestern). Die Gesellschaft Schweiz-Israel hatte zuvor dagegen protestiert, dass die grösste Schweizer Bank mit einem Antisemiten werbe. Doch mit ihrem Verzicht auf Le?Corbusier hat die Bank nun auch die Stadt Zürich in Zugzwang gebracht. Denn der Stadtrat hatte vor drei Jahren beschlossen, an prominentester Lage zwischen Sihlpost und Hauptbahnhof einen neuen Platz nach dem Städteplaner zu benennen. Der Le-Corbusier-Platz wird Teil der Überbauung Stadtraum HB mit der Europaallee sein und kommt vor die neue Pädagogische Hochschule zu liegen. Die meisten Politiker haben die Brisanz der Platz-Benennung im Jahr 2007 nicht erkannt, oder der Stadtratsentscheid ist ihnen damals entgangen wie etwa der SP-Gemeinderätin Christine Seidler. Sie hat vor kurzem mit einer Interpellation zur Bührle-Kunstsammlung eine Debatte im Stadtparlament über Nazi-Raubkunst ausgelöst. Für die Raumplanerin Seidler geht es nicht an, dass die Stadt Zürich Le Corbusier ein Denkmal setzt. «Bei allem Respekt, aber das kann sich Zürich nicht leisten», sagt Seidler. Der Stadtrat müsse nun Verantwortung übernehmen und den Platz anders benennen. So absolut sagt es Kantonsrat Markus Bischoff (Alternative Liste) nicht. Er war vor einigen Jahren – damals noch als Gemeinderat – aktiv geworden wegen eines anderen Antisemiten: Jacob Burckhardt. Nach dem Kulturhistoriker ist in Zürich eine Strasse benannt. Bischoff verlangte damals, der Stadtrat müsse die Geschichte Burckhardts transparent machen. Im aktuellen Fall erinnert Bischoff daran, dass die Wertehaltung Le Corbusiers unter den europäischen Intellektuellen seiner Zeit «Mainstream» war. Dennoch ist für Bischoff die Platzbenennung heikel. Auch er empfiehlt eine Änderung des Namens, hält aber eine andere Idee für besser: Den Lebenslauf des Architekten und Möbeldesigners mit allen Sonnen- und Schattenseiten auf einer Tafel am Platz anzuschlagen. «Das hätte wahrscheinlich mehr Wirkung als eine Umbenennung», glaubt Bischoff. Lieber Wilhelm Tell ehren Für Michael Baumer, FDP-Präsident der Stadt Zürich, wäre eine Begründung der Namensgebung angezeigt. Man dürfe nicht vergessen, dass Le Corbusier nicht nur ein Hitler-Verehrer, sondern auch ein genialer Architekt gewesen sei. Dass der Platz-Name erst jetzt zu reden gibt, führt Baumer darauf zurück, dass er 2007 in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde. Weniger Mühe mit dem Namen hat SVP-Gemeinderat und Fraktionschef Mauro Tuena. «Mich stört wesentlich mehr, dass die zentrale Strasse im Stadtraum HB Europaallee getauft wurde.» In einem Vorstoss hat er eine Umbenennung in Wilhelm-Tell-Allee gefordert. Sein Anliegen ist noch hängig. Leupi will über die Bücher Die Sekretärin der Strassenbenennungskommission der Stadt Zürich, Charlotte Koch, weist darauf hin, dass der Entscheid einvernehmlich mit den SBB getroffen worden sei. Dennoch hat die aktuelle Kontroverse etwas ausgelöst. Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne) liess gestern ausrichten, an der Oktober-Sitzung der Strassenbenennungskommission werde der Name überprüft. Es wäre in der Schweiz nicht der erste Le-Corbusier-Platz. Bern hat einen, und in Genf gibt es eine «Rue Le Corbusier». Hintergrund Seite 8 Den neuen grossen Platz zwischen Sihlpost und Hauptbahnhof will der Stadtrat nach dem Städteplaner Le Corbusier benennen. Visualisierung: PD

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