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Läset für den Grand Cru Stadtrand

Der Winter war hart, der Frühling mässig, der Spätsommer ausgezeichnet. Die Winzer der Region Bern freuen sich auf einen hervorragenden Jahrgang. Dieses Wochenende beginnen sie die Trauben

Die Klimaerwärmung machts möglich: Rund um Bern entstanden in den letzten Jahren Rebbaugebiete. 2009 meint es die Natur besonders gut mit den Agglo-Winzern. Sie können sich auf eine ausgezeichnete Ernte freuen. Mit einer Ausnahme: In Boll vernichtete der Hagel zwei Drittel der Trauben. Hättenberger: «Gut bis sehr gut» Fast alle Rebbauern arbeiten nur nebenbei an ihren Trauben. Im grösseren Stil wirtschaftet einzig Andreas Blank in Ostermundigen. Hier kultiviert er auf der Südflanke des gleichnamigen Hügels den Hättenberger, roten Pinot noir sowie weissen Müller-Thurgau und Chasselas. Etwa 8500 7-dl-Flaschen kann Blank jährlich füllen. Nach dem strengen Winter hätten die Stöcke drei Wochen später als gewohnt ausgetrieben, erinnert sich Blank. Doch habe die gute Witterung in der zweiten Sommerhälfte diesen Rückstand aufgeholt. Blank will vom 4. bis 10.Oktober pflücken. Er erwarte einen «guten bis sehr guten Jahrgang». Clos de l’Albédonie: «Sensationell» Bei den Berner Winzern mengenmässig an zweiter Stelle liegt Mercurius Weisenstein. Der bildende Künstler hat im Zollikofer Gebiet Reichenbach einen eigenen Rebberg, den er Clos de l’Albédonie nennt. Der Ertrag ermöglicht ihm jährlich etwa 300 Flaschen zu füllen. Gleich daneben hat eine 2006 gegründete Genossenschaft ebenfalls mit Rebbau begonnen. Weisenstein betreut sie als Fachmann. Letztes Jahr konnten sich die Mitglieder erstmals über den Inhalt von 35 Flaschen freuen. Später wollen sie den Ertrag auf 1000 Flaschen steigern. Weisenstein keltert selber. Er und die Genossenschaft produzieren Rot- und Weisswein aus neun Traubensorten ausschliesslich für den Eigengebrauch. «Wenn das Wetter mitspielt, erwarte ich einen sensationellen Jahrgang», schwärmt der Winzer. Mit der Ernte will er dieses Wochenende beginnen. Sie wird, abhängig von der Sorte, bis Mitte Oktober dauern. Gäumann: «Besser als letztes Jahr» Als Malermeister ist Rudolf Gäumann zwar pensioniert, als Rebbauer jedoch gilt er immer noch als Jungwinzer. Er pflegt am Grabenweg in Stettlen ungefähr 150 Stöcke, die er 2003 gepflanzt hat. Der Einsteiger nennt seinen Wein Gäumann. Er keltert ihn selbst. 2008 war der Ertrag erstmals so gross, dass sich dies lohnte. Dieses Jahr erwartet er, für den Eigenbedarf 120 Halbliterflaschen roten Cabernet-Jura einlagern zu können. «Er wird wohl eher besser als der letztjährige», vermutet er. Grillehögeler: Böses Hagelwetter Mit Schaudern denkt Walter Kopp an den 26.Mai zurück. Damals zerstörte der Hagel zwei Drittel der Reben auf seinem Grillehoger am Südhang des Bantigers in Boll. Die anderen Winzer kamen ungeschoren oder mit kleinen Verlusten davon. Nur bei Kopp prasselten die Eiskörner derart vehement in den Rebberg. «Schade», sagt Walter Kopp, «ich hätte mich sonst auf einen Superjahrgang freuen können.» Die Folge des Hagelszugs: Die Trauben haben sich ungleich entwickelt, unreife Früchte hängen jetzt neben reifen. Kopp konnte bisher Wein für 200 Flaschen keltern, roten Regent und Cabernet-Jura. Mit dem Läset will er so lange wie möglich warten, wenn möglich bis Mitte Oktober. Er erwartet bloss einen Drittel der früheren Mengen und befürchtet, dass auch die Qualität leidet. «Nach der Ernte will ich entscheiden, was mit den Beeren geschehen soll.» Kopp hofft, dass er trotzdem Wein keltern kann. Möglicherweise gibt es Traubensaft. Vielleicht reicht es aber auch bloss für den Brennhafen. Peter Steiger Kaufen. Als einziger Winzer der Agglomeration Bern verkauft Andreas Blank für rund 15 Franken seinen Ostermundiger «Hättenberger». 079 4737002. >

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