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Kinder improvisieren 72 Stunden lang gute Taten

Während dreier Tage konnten Rütner eine Helpline anrufen – und sich von Kindern helfen lassen.

Von Stefanie Pfändler Rüti – Julienne ist zufrieden. Die Zwölfjährige steht cool da, die Hände in den Hosentaschen vergraben. «Zwei Autos habe ich gestern geputzt», sagt sie. «Das kann ich, weil ich manchmal dem Papi helfe.» Selbstsicher zitiert sie zwei jüngere Helferinnen herbei. «Erzählt der Journalistin mal, was ihr gemacht habt.» Die siebenjährige Xenia guckt scheu. «Ich habe Rasen gemäht», sagt sie. «Und ich habe jemandem beim Wischen geholfen», sagt die zehnjährige Marisa. Die drei Mädchen betrieben zusammen mit 40 anderen Kindern eine Helpline für die Bevölkerung. 72 Stunden lang konnten die Rütner eine Nummer anrufen und sich von den Kindern bei allerlei helfen lassen. Diese kamen so zu durchaus vergnüglichen Aufträgen: Eine Gruppe half spontan bei der Organisation einer Hochzeit, eine andere ging mit alten Menschen spazieren. Einige Kinder halfen bei einem Umzug, andere räumten eine Weide von Pferdeäpfeln frei. Und fast jeder erledigte ein paar unliebsame Aufgaben im Haushalt. Vor allem Letzteres scheint in der Gruppe viel mehr Spass zu machen als bei Mama zu Hause: «Wir mussten die Kinder fast ein wenig bremsen», sagt Vanessa Rucker lachend, die als Vertreterin des Jungwacht Blauring (Jubla) die Helpline ins Leben gerufen hatte. Während der «Aktion 72 Stunden» realisierten in der ganzen Schweiz insgesamt 20 000 Kinder und Jugendliche von Donnerstag bis Sonntag gemeinnützige Projekte. So auch in Rüti: Dort organisierten 120 Kinder neben der Helpline auch ein Abschlussfest, führten ein Theater auf und bauten eine Feuerstelle. Und dies möglichst simpel: Geld durfte keines aufgewendet werden, Materialien mussten sich die Kinder selber beschaffen, und Probleme meisterten sie mit spontaner Hilfe aus der Bevölkerung. Spontan 120 Kinder füttern Dass dabei oft Kreativität und Improvisationsgeist nötig waren, versteht sich von selbst. Und dies galt auch für die Organisatoren: Für das Essen etwa war der reformierte Jugendarbeiter Martin Trüb zuständig. Er wusste bis zum Startschuss nicht, wie er die 120 hungrigen Mäuler drei Tage lang stopfen würde. «Wir haben die Bevölkerung um Unterstützung gebeten», erklärt er. «Das brauchte allerdings viel Nerven und Gottvertrauen.» Doch das Risiko hat sich gelohnt: Vor allem Bauern aus der Umgebung versorgten die Teilnehmer schliesslich grosszügig mit Wienerli, Kartoffeln und Gemüse. «Einer spendete einfach so 50 Kilo Äpfel», freut sich Trüb. Ein Koch improvisierte dann aus den Gaben spontan Menüs. Gereicht hat es allemal: Am Ende musste Trüb gar Gaben ablehnen. Ganz konsequent konnte die mittellose Umsetzung der Projekte dann allerdings doch nicht realisiert werden. Die Feuerstelle etwa war an Bewilligungen und Wünsche der Gemeinde Jona gebunden, auf deren Gemeindegebiet sie gebaut wurde. «Das Material wurde deshalb im Voraus beschafft», erklärt Patrick Schwegler, der das Gesamtprojekt in Rüti leitete. Auch der Kreativität waren dadurch Grenzen gesetzt: Die Gemeinde wünschte sich spezifische Sitzgelegenheiten aus Stein und einen 1,50 Meter grossen Unterstand für das Holz. Dafür sieht die Feuerstelle nun professionell hergerichtet aus. Umso grösser war dann der Unmut am Sonntagmorgen, als der Ort bereits in der ersten Nacht vom Partyvolk übel hergerichtet wurde. «Kaputt ist zum Glück nichts, aber wir müssen aufräumen», bedauerte Schwegler. Eine besondere Herausforderung war die Produktion eines Theaterstücks, das am Samstag den Teilnehmern und am Sonntag der Öffentlichkeit vorgeführt wurde. Innert 72 Stunden organisierten die Kinder Requisiten, probten die Auftritte – und lernten ihren Text. «Zuweilen wars chaotisch, und manchmal gabs sogar Knatsch», fasst Patrick Schwegler die drei intensiven Tage zusammen. «Aber das gehört nun mal dazu.» Insgesamt seien die Projekte jedenfalls ein voller Erfolg gewesen.

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