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Karl’s Kühne bauen in Winterthur eine Schoggifabrik

Die Gassenschau ist mit einem neuen Stück zurück und will wieder vor 100 000 Zuschauern spielen.

Von Ruedi Baumann Winterthur – Ein chinesischer Investor, eine Schweizer Schoggifabrik und ein geheimes Rezept: Das sind die Zutaten des neusten Stücks von Karl’s Kühner Gassenschau. Kaum sind die Kulissen des meistbesuchten Schweizer Theaterstücks im Wallis abgebrochen, wird in Winterthur bereits wieder gebaggert, geschweisst und geprobt. Nach fünf Jahren kehrt die Gassenschau in den Industriepark Oberwinterthur zurück, wo «Silo?8» 2006 Premiere hatte. 580 000 Menschen sahen die rührende Geschichte um das Altersheim der Zukunft – zwei Jahre lang in Winterthur, zwei in Olten und ein Jahr in der Westschweiz. Am 23. Juni startet «Fabrikk», das neue Stück. Die beiden «K» stehen für Karl’s Kühne. Die Gassenschau, 1984 von vier waghalsigen Zürcher Strassenkünstlern gegründet, macht derzeit mit schwerem Gerät die von Dornen- und Weidenbüschen überwucherte Industriebrache des ehemaligen Sulzerareals wieder urbar. Riesige Schiffscontainer werden von Baggern herangeschleppt. Die Tribüne hat 1400 Plätze, und diese sind traditionellerweise zu 100 Prozent ausgebucht. Bis in den Spätherbst hinein. Mit Improvisieren Rollen finden Wo 2006 und 2007 das Altersheim stand, entsteht jetzt eine Schokoladenfabrik. Die genaue Geschichte sei noch geheim, behauptet Regisseur Paul Weilenmann. Wahr sein dürfte vielmehr, dass die Truppe, die durch Improvisation und wilde Stunts bekannt geworden ist, die Handlung selber noch nicht genau kennt. «Wir filmen die Proben, tippen sie über Nacht ab und erhalten so sehr natürliche Dialoge und Rollen», sagt Autorin Brigitt Maag. Allzu fest improvisieren kann die Gassenschau heute allerdings nicht mehr. Zu hoch liegt die Latte. Technikchef Markus Heller, gelernter Orgelbauer, verbaut ein Budget von über 4 Millionen Franken, welche Manager Ernesto Graf, studierter Mathematiker, wieder reinholen muss. Die Handlung des zartbitteren Spektakels muss in den Grundzügen feststehen, damit die 20 Techniker nach genauen Plänen arbeiten können. Und das ist die Rahmenhandlung: Eine Schweizer Schokoladenfabrik mit geheimem Rezept will nach China expandieren und tut alles, um einen chinesischen Investor zu gewinnen. Doch der Chinese will die ganze Fabrik kaufen und nach China verpflanzen. Die Chocolatiers wehren sich mit haarsträubenden Mitteln, es fliessen Tränen der Rührung, die Fabrik wird zur Wundertüte, und am Schluss fliegt wohl alles in die Luft. Wie kleckert man mit Schoggi? Ein zentrales Problem haben Karl’s Kühne bereits gelöst. Wie kleckert man am besten mit flüssiger Schokolade herum, ohne dass Schauspieler und Kostüme täglich chemisch gereinigt werden müssen? Die Lösung heisst Mooserde. Dieses Naturprodukt ist günstig, täuschend echt und kann sogar abgeschleckt werden. Nun muss Markus Heller noch ein Förderband konstruieren, das einen Schauspieler ohne Knochenbrüche durch ein Schokoladenbad befördert und zum Schoggistängel macht. Als Schauspieler agieren übrigens fast die gleichen wie in den letzten Jahren. Bloss die Italienerin und der wirre Dr.Wolf aus «Silo 8» werden ersetzt durch Nicole Steiner und Hoschi Hostettler. www.fabrikk.ch Weilenmann, Maag, Heller und Graf (v. l.) proben mit Schokolade.Foto: Reto Oeschger

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