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Kanti-Rektor weist Vorwürfe zurück

Bringt die Schweiz zu wenige Akademiker hervor, weil die Hürden fürs Gymi zu hoch sind? Darüber diskutierten Fachleute an einem Podium in Wetzikon.

Wetzikon. - Als Advocatus Diaboli - als Anwalt des Teufels - bezeichnete sich Philipp Sarasin gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion an der Kantonsschule Zürcher Oberland (KZO) in Wetzikon. In einem provokativen Artikel im «Tages-Anzeiger» hatte der Professor für Neuere Geschichte vor kurzem die hohen Hürden der Aufnahmeprüfung zum Gymnasium angeprangert. Die Politik betreibe eine Eliteselektion und verwehre zu vielen Kindern die Chance auf ein Universitätsstudium, so der Vorwurf Sarasins. Damit habe er eine Diskussion an die Öffentlichkeit gebracht, sagte er.

«Aufnahmeprüfung ans Gymi - muss das sein?», lautete das Thema der Podiumsdiskussion, die am Dienstag im Rahmen des Herbstforums an der KZO stattfand. Das Thema ist nicht zuletzt deshalb aktuell, weil im Kanton Zürich seit 2007 die Zentrale Aufnahmeprüfung (ZAP) durchgeführt wird, anstatt dass wie zuvor jede Schule eine eigene Prüfung macht. Seither habe die KZO leicht mehr Schüler aufgenommen, sagte Rektor Martin Zimmermann. «Im Vergleich zum kantonalen Durchschnitt melden sich im Oberland deutlich weniger Schüler für die Aufnahmeprüfung an», erklärte er. «Von diesen sind es dafür prozentual mehr, welche die Prüfung bestehen.» Für die Kritik von Philipp Sarasin zeigte er wenig Verständnis. «Beim Vorwurf der Eliteselektion fühle ich mich nicht angesprochen.»

Ausbildung auch finanzielle Frage

Auch die anderen Gäste stimmten diesem Eindruck Sarasins nicht zu. Dennoch bestand in vielen Fragen grundsätzlich Einigkeit unter den Teilnehmenden. «Eine Maturitätsquote von 20 Prozent ist tatsächlich ein politischer Entscheid», bestätigte Urs Moser vom Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich einen der Kritikpunkte Sarasins. Er wies auf die Vorteile des schweizerischen Bildungssystems hin, welches dem Einzelnen verschiedene Wege biete, ein Ziel zu erreichen. «Auch wer die Berufsmaturitätsschule absolviert, hat die Möglichkeit, an der Universität zu studieren.»

Die Zürcher Sekundarlehrerin und Schulleiterin Monika Dolder wies auf die Problematik hin, dass die Prüfungen zwar vereinheitlicht worden seien, die Schüler aber an verschiedenen Schulen sehr unterschiedlich vorbereitet würden. «Ab einem bestimmten Punkt ist die Vorbereitung zudem eine Frage des Portemonnaies.»

Prüfung sei kein Ausschlussverfahren

«Wir bilden in der Schweiz zu wenig Akademiker aus», sagte Philipp Sarasin. Deshalb müssten viele gebildete Fachkräfte aus dem Ausland geholt werden. Diese Ansicht wurde in der Runde nicht bestritten, auch wenn Urs Moser relativierte, dass in manchen Bereichen ein Überschuss an Universitätsabgängern herrsche. KZO-Rektor Martin Zimmermann mochte aber nicht gelten lassen, dass die Schuld für den Mangel an gebildeten Fachkräften bei den Gymnasien liege. Er wies auf die Verantwortung der Universitäten hin und bemängelte die Restriktionen, die bei vielen Studiengängen noch vorhanden seien. Die Aufnahmeprüfung ans Gymnasium verstehe er als einen Eignungstest und nicht als Ausschluss der anderen Kinder, die danach an die Sekundarschule müssten.

Der eigentliche Titel der Veranstaltung blieb am Ende kaum diskutiert - die Aufnahmeprüfung als solche wurde von keinem der Gäste wirklich in Frage gestellt. Eher zu reden gab der Zeitpunkt des Übertritts ans Gymnasium. In die Richtung von Philipp Sarasin, der die Selektion als zu früh beurteilte, ging der Vorschlag aus dem Publikum, das Langzeitgymnasium abzuschaffen und den Eintritt erst nach der zweiten Klasse der Sekundarschule zu ermöglichen. Zimmermann war davon wenig begeistert. Es sei wichtig, dass begabte Schüler möglichst früh in ein Umfeld kämen, das ihren Fähigkeiten entspreche. «Diesen Schülern gönne ich das Langzeitgymnasium.»

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