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«Japan wird bestimmt wieder auf die Beine kommen»

Eigentlich sollte in Winterthur-Töss das japanische Frühlingsfest gefeiert werden. Nun steht das Festival im Zeichen der Japan-Hilfe. Die Gespräche gehen weit über Origami oder Taiko-Trommeln hinaus.

Von Helene Arnet (Text) und Sophie Stieger (Bilder) Winterthur-Töss – In anderen Jahren machen in Japan um diese Zeit die Kirschblüten Schlagzeilen. Landauf, landab warten die Menschen gespannt auf die wenigen Tage, in denen die Kirschbäume blühen, weil sie dann ihr farbenfrohes Volksfest feiern. Zum Frühlingsfest, zum Haru Matsuri, wollte dieses Jahr der vor einem Jahr gegründete Kulturverein CH-Japan Renzanart Winterthur in Töss einladen. Doch dann ging in Teilen Japans die Welt unter. «Spontan wollten wir das Fest abblasen», sagt Vereinspräsident Daniele Flury. Nach Rücksprache mit den beteiligten Kunstschaffenden habe man aber entschieden, das Haru Matsuri unter anderem Vorzeichen durchzuführen. «Wir stellen es in den Dienst der Japan-Hilfe.» Ein Teil der Einnahmen geht nun an Organisationen, welche beim Wiederaufbau helfen. Die rechte Hand fährt ans Herz Die Stimmung ist gedämpft im Güterschuppen beim Bahnhof Töss. Wer die hier ausstellenden Japanerinnen und Japanern danach fragt, wie sie denn mit all dem Schrecken, der ihr Land getroffen hat, umgehen, bekommt immer wieder dieselbe Geste zu sehen: Die rechte Hand fährt ans Herz. Sie antworten ruhig und gefasst. Mit Erdbeben müsse man in Japan immer rechnen. Damit lebe man. Aber eine solche Katastrophe habe man nicht erwartet. Nahe Angehörige oder Haus und Hab verloren hat niemand von ihnen. Und so kommt nach der Hand am Herz auch sofort der Satz: «Wir haben Glück gehabt.» Die beiden jungen Musiker, welche bei einem Taiko-Workshop kraftvoll die Trommeln schlagen, sind erst am Samstagabend aus Ibaraki angereist. Dieser Landesteil grenzt an die Präfektur Fukushima, wo das havarierte Atomkraftwerk steht. «Wir sind in grosser Sorge», sagen die zwei Trommler. «Das müssen wir ertragen können. Wir dürfen nicht an uns denken, sondern an jene, die alles verloren haben.» Und was ist mit dem Atomkraftwerk? Shinichi Okano, der ältere der beiden, wiederholt: «Wir machen uns grosse Sorgen.» Er hält inne, schaut seinen Kollegen an und fährt dann fort: «Wir alle glauben aber fest daran, dass es den Leuten im Atomkraftwerk gelingt, den Schaden zu beheben.» Auch stolz auf Japan Dass ihre Landsleute es schaffen werden, wieder auf die Beine zu kommen – diese Überzeugung teilen alle, die in Winterthur zusammengekommen sind, um den Schweizerinnen und Schweizern die japanische Kultur näherzubringen. Und Hitomi Gredig, die zusammen mit Jiro Suzuki aus Tokio frische Sushi zubereitet, meint: «Ich bin auch stolz auf Japan. Die Menschen verhalten sich sehr ruhig und helfen einander.» Schwerttänzer (Iaido), Bonsai-Züchter, Origami-Künstler, Tuschmaler, Taiko-Trommler oder Aikido-Kämpfer, japanische Sängerinnen und Lautenspieler präsentieren sich im Laufe des einwöchigen Kulturfestivals. Vieles erscheint aufgrund der aktuellen Ereignisse in Japan in einem andern Licht. So etwa das Gedicht des chinesischen Dichters Du Fu, welches der Kalligraf Atsushi Nojima kunstvoll aufgeschrieben hat. Es heisst «Frühlingslandschaft» und beginnt mit den Worten: «Das Reich ist zerstört, es bleiben die Berge und Ströme.» Und irgendwann heisst es: «Der Zeit eingedenk fliessen unter den Blüten auch Tränen.» Du Fu lebte im 8. Jahrhundert und scheint über heute zu schreiben. Japanisches Frühlingsfestival in Winterthur-Töss: Bis So, 27. März, Ausstellung im Güterschuppen ab 10 Uhr. Konzert von Kiraku: Sa, 26. März, 15.30/20 Uhr, reformiertes Kirchgemeindehaus Töss. Programm: www.harumatsuri.ch Yuma Fukada (links) und Shinichi Okano beim Taiko. Das AKW Fukushima liegt etwa 100 km von ihrem Wohnort entfernt.

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