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In Nachthemd und Zipfelmütze das Zopfflechten erlernt

Die «Nacht der Bäcker» lockte 300 Besucher zum Oetwiler Bäcker Peter.

Von Daniel J. Schüz Oetwil/Egg – Merkwürdige Gestalten in wallenden Gewändern spuken zur Geisterstunde durch die Backstube. Mit Gespenstern allerdings haben sie nichts am Hut – ganz im Gegenteil, sie sind aus Fleisch und Blut. Bäckermeister Werner Peter, der ein Geschäft in Oetwil besitzt, hat die «Nacht der Bäcker» – die am vergangenen Freitag zum 125-Jahr-Jubiläum des Bäckermeisterverbands landesweit ausgerufen wurde – zur Nacht der offenen Backstube gemacht. Seine Frau Annemarie nutzt die Gelegenheit, im Café Peter in Egg endlich «eine richtige Pyjamaparty» steigen zu lassen. So treten die 30 Mitarbeiter in Laden und Service, aber auch im Untergeschoss, wo fleissig produziert wird, in Schlafgewand und Zipfelmütze zur Nachtschicht an. Unter dem Nachthemd der Chefin blitzt der spitzenbesetzte Saum wadenlanger Unterhosen hervor. Köchin kämpft mit den Tränen Werner Peter zeigt den Besuchern, die im Halbstundentakt dutzendweise zur Führung in die Backstube kommen, wie ein Zopf geflochten wird. «Im Grunde ist es ganz einfach», sagt der Bäcker. So sieht es auch aus, doch schafft es keiner der Zuschauer auf Anhieb. Kathrin Ackermann steht derweil im Vorraum und kämpft mit den Tränen: Sie hackt Zwiebeln. «Ich mache das schon seit Jahren», sagt die gelernte Köchin, «aber man wird nicht immun. Gegen Zwiebeln hilft auch die Brille nichts.» Sie vermengt die Zwiebeln mit drei Kilo Thonkonserven, gibt fein geschnittene Essiggurken und viel Mayonnaise dazu, Salz und Pfeffer darüber, das Ganze ins Rührwerk – und fertig ist die Sandwich-Thonmousse. Fast alles ist Handarbeit «Wir produzieren praktisch alles in Handarbeit», erklärt Werner Peter einem Besucher, der sich nach Halb- und Fertigprodukten erkundigt hat. Im Kampf gegen die wachsende Konkurrenz von Tankstellenshops, die rund um die Uhr Frischgebäck anböten, seien «eigene Rezepturen, individuelle Qualität und nicht zuletzt die freundliche Bedienung im Laden» die besten Argumente. Selbst die Vanille- und Schokoladencreme in der Patisserie sind bis auf das «unverzichtbare» Basispulver selbst produziert. Eine Ausnahme bilden auch die acht Liter pasteurisierte Eimasse, die jeden Tag für die Zopfteigproduktion eingesetzt werden. Zudem braucht die Bäckerei-Konditorei Peter täglich 100 vorgekochte Traiteur-Eier für Sandwiches und Canapés sowie weitere 100 Frischeier für den Guetsliteig und den Guss auf Kuchen, Torten und Wähen. Zum Bäckermeister-Service gehören auch die Spezialbrote, die jeden Morgen ins Altersheim geliefert werden: Sie werden bei niedrigerer Temperatur schonend gebacken, damit die Senioren in die weiche Rinde beissen können, ohne das Gebiss zu strapazieren. Während der Bäcker jeden Zopf in kunstvoller Handarbeit flechtet – was keine Maschine schafft –, wird der Teig für rund 150 Gipfeli, die Nacht für Nacht in den Ofen geschoben werden, automatisch gerollt und gebogen. «Eigentlich gibt es keinen Unterschied zwischen Banane und Gipfel, beide sind krumm», scherzt ein Besucher. Peter jedoch erklärt: «Bananen können nicht falsch wachsen, ein Gipfel muss aber auf die richtige Seite gebogen werden.» Zeige der Teiglappen nicht in die Richtung der Spitzen, sehe es unmöglich aus. Kein Auge zugetan So konnten rund 300 Besucher, die sich in Schlafanzüge und Nachthemden gestürzt hatten, einiges dazulernen – vom kunstvollen Zopfflechten bis zum korrekten Gipfelibiegen. Werner Peter hat kein Auge zugetan. Nach getaner Arbeit sagt er aber zufrieden zu seiner Frau: «Diese Nacht hat gezeigt, dass sich die Leute für den Dorfbeck interessieren.» Bäckermeister Werner Peter unterrichtet Isabelle Sollberger (links) und Svenja Ernst im Bäckerhandwerk. Foto: Philipp Dubs

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