Zum Hauptinhalt springen

IM BRENNPUNKT: DER 24-MILLIONEN-KREDIT FÜR DIE SANIERUNG DER DIELSDORFER SPORTANLAGE ERLEN

Die Sportanlage Erlen ist in der Vergangenheit miserabel geführt worden. Das kommt die Trägergemeinden nun teuer zu stehen. Am 29. November stimmen diese über ein Sanierungsprojekt ab.

Erlenprojekt, eine Chance mit Vorbehalten

Dielsdorf. - Bei der Grundsteinlegung der Sportanlage Erlen in Dielsdorf im Jahr 1975 wurde ein Fehler begangen, der bis heute nicht korrigiert werden konnte: Die Kosten wurden auf nur drei Gemeinden - Dielsdorf, Niederhasli und Steinmaur - aufgeteilt. Was in den 70ern euphorisch zum Wohle der Volksgesundheit gebaut wurde, lastet nun als finanzielle Bürde auf den Trägergemeinden, die das alljährliche Defizit bezahlen. In Spitzenzeiten betrug es 1,6 Millionen Franken, 2008 war es 1 Million Franken.

Aber damit nicht genug. Anstatt die Anlage attraktiv zu betreiben, wurde sie nur verwaltet. Dem Wandel der Bedürfnisse wurde nicht Rechnung getragen. Im Gegenteil: Als die Erlen in die Jahre kam, wurde eine unkoordinierte Pflästerlipolitik betrieben. Dabei ging der Blick fürs Ganze verloren. Die Schuld dafür nur den früheren Geschäftsleitern in die Schuhe zu schieben, wäre verfehlt. Sie mögen ihren Job nicht getan und den Verwaltungsrat nicht über den tatsächlichen Zustand der Erlen informiert haben. Es besteht aber eine Holschuld vonseiten des Verwaltungsrates, der sich aus Gemeinderäten zusammensetzt. Er hätte eine Strategie haben und im Sinne der Aktionäre, also der Trägergemeinden, handeln müssen. Dieses Versäumnis geben die damaligen Verantwortlichen heute zu.

Nicht das erste Sanierungsprojekt

Sie verzichteten zudem auf die Beratung von aussen, wie man sie beim vorliegenden Sanierungs- und Ausbauprojekt in Anspruch genommen hat. Das hätte bereits 2003 geschehen können. Damals liess man fünf Investitionsvarianten ausarbeiten. Diese reichten von «gar nichts tun» bis zur «Top-Variante», die vorsah, dass beide Eisfelder überdacht werden, das Hallenbad ausgebaut und ein Wellnessbereich eingerichtet wird. Die Kosten dafür wurden auf 5,7 Millionen Franken veranschlagt. Diese Variante wurde den Stimmberechtigten nie zur Abstimmung vorgelegt. Begründung: zu teuer. Alle drei Gemeindeversammlungen bewilligten hingegen das von den Gemeinderäten favorisierte Projekt, das 3,8 Millionen Franken kostete: Es wurde eine Trennung der Eisfelder vorgenommen und eines davon überdacht. Für die restliche Sportanlage wurden nur werterhaltende Massnahmen beantragt. Diese Variante hatte es leicht an den Versammlungen, hing doch der Eishockeyklub vom Weiterbestehen der Eisfläche ab. Er mobilisierte entsprechendgut. Über den Kredit von 24 Millionen wird jedoch an der Urne abgestimmt.

Im Vorfeld der damaligen Kreditbewilligung wurde der Verkauf der Erlen in Betracht gezogen. Die Migros lehnte das Angebot ab, obwohl sie nur 1 Franken hätte bezahlen müssen. Allerdings bestand die Auflage, dass das Eisfeld weiterbetrieben und eine Preisreduktion an die einheimische Bevölkerung gewährt werden müsste.

Nur: Eisbahn und Hallenbad lassen sich nicht kostendeckend betreiben, wenn man wettbewerbsfähige Eintrittspreise verlangen will. Bei einer solchen Sportanlage wird immer ein Defizit zu decken sein, was eine soziale Aufgabe der Gemeinden und des Staates ist. Die Frage ist: Mit welchen Massnahmen kann dieses tief gehalten werden? Da setzen die attraktivitätssteigernden Massnahmen im neuen Projekt an. Mit einer modernen Sauna und einem Wellnessbereich lässt sich, gemäss dem zu Hilfe gerufenen Thomas Spengler, Präsident des Verbands Hallen- und Freibäder VFH, Geld generieren. Diese Erfahrung hat er bei der von ihm betriebenen Anlage in Schaffhausen gemacht.

Ein Ja ist eine Verpflichtung

Mit zusätzlichen Einnahmen wird sich das Defizit verringern. Die Investitionen von 24 Millionen Franken werden die Trägergemeinden aber über Jahre belasten. Der Versuch, andere Gemeinden an Bord zu holen, ist kläglich gescheitert. Ein solches Vorhaben lässt sich nicht allein mit einem Bettelbrief erreichen. Das Unverständnis bei Bevölkerung und Behörden der Trägergemeinden über die fehlende Solidarität ist jedoch verständlich, geht aus einer Auswertung der Besucherzahl doch klar hervor, dass nicht einmal ein Drittel der Gäste aus Dielsdorf, Niederhasli und Steinmaur stammen.

Das neue Projekt ist gut und bietet die Chance für einen Neuanfang. Es entbindet Verwaltungsrat und Trägergemeinden bei einer Annahme aber nicht von der Pflicht, die Leitung der Anlage zu Professionalisieren. Nur so kann der Turn-around langfristig geschafft werden. Zudem ist es an der Zeit, dass sich die Gemeinden des Bezirks Dielsdorf zusammensetzen und ein Sportkonzept erarbeiten. Die Zentrumslasten müssen verteilt werden. Damit dieses Ziel erreicht wird, müssen die Träger der Erlen das Heft nochmals in die Hand nehmen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch