Zum Hauptinhalt springen

«Ich fühle Reggae und keinen Regen»

Die Stimmung am Reeds-Festival war friedlich und locker. 8500 Reggae-Fans verbrachten das Wochenende im karibischen Pfäffikon.

Von Nicole Zurbuchen (Text) und David Baer (Bilder) Langsam, beinahe andächtig wiegt das farbenfrohe Menschenmeer im kühlen Regen hin und her. Modemässig ist jede Kombination erlaubt: sommerlich kurze Jupes mit Gummistiefeln, lange, mit Holzperlen bestickte Röcke mit Regenpelerinen, Fleecepullover mit Flipflops. Einige Gestalten hüllen sich in Wolldecken. So weit das Auge reicht, sieht man Shirts und Mützen in den Rastafarben Rot, Grün, Gelb. Dazu die obligaten Dreadlocks in verschiedenen Verfilzungsstadien. Wer sich den Imbissbuden nähert, riecht exotische Gewürze, grilliertes Fleisch und Pommes frites – vermischt mit einer Prise Seeluft. Die Marktstände auf dem Pfäffiker Festgelände verkaufen Kleidung und Schmuckstücke, die zum Sound der Reggae-Stars passen; daneben buhlen kitschige Ketten aus Plastikblumen um die Gunst der Käufer. Der echte Reggae-Fan hat ein sonniges Gemüt und lässt sich von Nebensächlichkeiten wie zwei Tage Regen nicht die gute Laune verderben. «Ich habe nur kurze Hosen und Flipflops dabei», sagt der Berner Tim Sollberger am Samstagabend, «aber das Festival ist trotzdem saugeil.» Der dunkelhaarige Lockenkopf, der mit seinen Kollegen auf dem Campingplatz übernachtet, schwärmt von der tollen Stimmung. Kaum der Rede wert ist für ihn, dass das Zelt nicht dicht ist. «Ich habe nicht einmal einen Schlafsack dabei», fügt sein Kollege an, ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Jede seiner Gesten signalisiert, dass er mit sich und seiner Welt zufrieden ist. Die 17-jährige Lena Joos erklärt, wie die Reggae-Musik in jede Faser ihres Körpers hineinfliesst. Ihr Fazit: «Ich fühle Reggae und keinen Regen.» Platz zum Tanzen Samuel Volery aus Uster gibt zu, dass ihn der Dauerregen am Freitag schon ziemlich genervt habe. Und was ist mit dem Samstag? Der 26-Jährige macht eine wegwerfende Handbewegung. «Heute hat es ja gar nicht richtig geregnet», protestiert er lachend und ergänzt: «Morgen soll es sowieso besser werden.» Das Thema ist für ihn erledigt; viel lieber schwärmt er vom guten Sound. Gegen halb elf am Samstagabend strömen die Massen in Richtung Bühne; die Fans warten gespannt auf den Auftritt des bekannten Reggae-Musikers Alpha Blondy. Eine junge Südafrikanerin, die eine bunte, mit Pailletten bestickte Bluse trägt, sagt, dass sie sich am Reggae-Festival wie zu Hause fühle. «Das ist meine Musik, ich habe sehr viel getanzt.» Dabei sei ihr ziemlich heiss geworden. «Deshalb fand ich den Regen erfrischend», fügt sie fröhlich an. Ihre Berner Freundin Jessica Köstler findet das Reeds-Festival super zum Tanzen. «Hier hat man noch so richtig Platz», ruft sie aus, «an grossen Open Airs wie Frauenfeld kann man das Tanzen glatt vergessen.» Für viele Fans ist das Alpha-Blondy-Konzert einer der Höhepunkte. Als der an der Elfenbeinküste aufgewachsene Sänger für die Zugabe «Wish You Were Here» nochmals die Bühne betritt, kocht die Menge. Was zudem auffällt: In Bühnennähe gibt es kein Geschubse und Gedränge, die Stimmung ist ausgesprochen friedlich. Relaxt geht es nachts um eins auch im Shuttlebus zu und her. Beim Aussteigen bedanken sich die Jugendlichen höflich beim Fahrer. Unterwegs mit den Stars Nach dem Auftritt wird der Reggae-Sänger vom Pfäffiker Christian Ramseier abgeholt, der die Festivalstars zwischen Flughafen, Hotel und Bühne herumchauffiert. Alpha Blondy sei sehr umgänglich und lustig gewesen», verrät der 24-Jährige. «Als ich ihn vom Flughafen ins Hotel brachte, tanzte und sang er in der Lobby.» Ein weiterer Fahrgast von Ramseier war Ali Campbell, der frühere Lead-Sänger von UB40. Der habe gewünscht, dass er während des ganzen Konzerts im Auto auf ihn warte. «Ich durfte das Auto nicht verlassen, weil ich eine Handtasche bewachen musste», so Ramseier. «Hätte ich zur Toilette gemusst, hätte ich den Manager anrufen und ihn bitten müssen, während dieser Zeit im Auto zu sitzen.» Mit den Stars hat der Pfäffiker gute Erfahrungen gemacht. Die meisten würden sich für die Schweiz interessieren oder fragen, wie die Stimmung auf der Bühne sei. Vor einem Jahr habe er den bekannten Sänger Shaggy begleitet, erzählt er. «Auf dem Weg zum Hotel kamen wir am Wegweiser zur Aftershow-Party vorbei. Als wir dann beim Hotel ankamen, bat mich Shaggy, im Auto auf ihn zu warten.» Eine halbe Stunde später seien drei Leute mit grossen Sonnenbrillen und Kapuzen eingestiegen, die zur Afterparty wollten und sich dort direkt auf die Tanzfläche begeben hätten. «Trotz der Verkleidung sprach es sich ziemlich schnell herum, dass Shaggy auf der Party war.» Rund 8500 Besucher tummelten sich an den drei Festivaltagen auf dem Gelände am Pfäffiker Seequai. Erwartet hatten die Organisatoren 10 000 Leute. Für die OK-Präsidentin und Medienverantwortliche Janine Brawand war der Sonntag das Highlight: «Durchgehend gute Bands und super Wetter», resümiert sie. Am verregneten Freitag seien die Besucherzahlen jedoch deutlich unter den Erwartungen gelegen. Trugen zum gelungenen Festival bei: Alpha Blondy auf der Bühne (o.), C. Ramseier und J. Brawand (Foto Mitte, PD) hinter der Kulisse.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch