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Horgen will Pfarrer Siebers Bronzemenschen für 30 000 Franken kaufen

Der Gemeinderat sucht mit den Kirchen bereits nach einem neuen Standort für die Figuren.

Von Arthur Schäppi Horgen – Sieben Wochen lang sorgten sie im Ortskern von Horgen bei Kunstfreunden und Passanten für Faszination, Inspiration und manchmal auch Irritation: die 40 Werke von 22 Künstlern. Am Sonntag hat der Kulturfonds die Freiluftausstellung beendet. Doch die Gruppe mit elf Bronzefiguren von Obdachlosenpfarrer Ernst Sieber soll weiterhin im öffentlichen Raum von Horgen bleiben. Seine Skulpturen stellen zwei Behinderte dar, die sich gegenseitig stützen, einen Reichen mit abweisender Hand, Kinder, die Fisch und Brot teilen, sowie einen ausgemergelten Afghanen mit hungerndem Kind. Zu dieser Skulpturengruppe gehören weitere Menschen, die Sieber im Verlauf von 20 Jahren aus Lehm aus einem Flussbett geformt hat und später in Bronze giessen liess. Die Figuren hat er während der Ausstellung auf der Piazza um Christus am Kreuz als zentraler Figur gruppiert. Seine Kunstwerke haben an der Ausstellung in Horgen besonders grosse Beachtung und Resonanz gefunden. Fast nur positives Echo An seiner letzten Wochensitzung hat der Gemeinderat Horgen beschlossen, das Werk des Obdachlosenpfarrers mit Horgner Wurzeln zu erwerben, falls mit Pfarrer Sieber ein passender Standort ausgemacht werden könne. Die Liegenschaftenvorsteherin Denise Vielmi (CVP) sagt, dass der Gemeinderat überzeugt sei damit im Sinne der Bevölkerung zu handeln. Sie gehört als Vertreterin des Gemeinderates der Stiftung Kulturfonds an. «Die weitaus meisten Betrachter zeigten sich beeindruckt und berührt von den ausdrucksstarken Figuren. Es gab fast nur positive Reaktionen», sagt Vielmi. Horgen habe jetzt die wohl einmalige Chance, zu einem bedeutenden Werk des national bekannten Obdachlosenpfarrers zu kommen. Sieber wurde in Horgen geboren und wuchs dort auch auf. Aufgrund von Vorgesprächen mit Sieber rechnet der Gemeinderat mit Anschaffungskosten von rund 30 000 Franken. Klar sei für die politische Behörde, dass die Figurengruppe mit ethisch-religiöser Botschaft zwar im Ortskern, aber nicht auf der Piazza bleiben soll. Der Gemeinderat möchte sie am liebsten mit der reformierten und katholischen Kirche an einem geeigneten Ort im Umfeld der beiden Kirchen oder Kirchgemeindehäuser platzieren. «In einer Gemeinde wie Horgen mit je einem Drittel Reformierten, Katholiken und Andersgläubigen wäre dort die Akzeptanz sicher breiter als vor dem Gemeindehaus», sagt Vielmi. Dem Gemeinderat sei eine weiterhin multifunktionale Nutzung der Piazza wichtig. Bezüglich einer gemeinsamen Standortsuche habe man von den beiden Kirchgemeinden «bereits erste positive Signale» erhalten. Bis für die Bronzegruppe ein definitiver Standort gefunden ist, möchte die Gemeinde sie in der Nähe der Abdankungshalle beim Friedhof aufstellen oder vorübergehend in einer gemeindeeigenen Liegenschaft unterbringen. Erlös kommt Pfuusbus zugute Pfarrer Sieber ist «glücklich» über den Vorentscheid aus Horgen. Der 84-Jährige spricht von Horgen als «Wunschgemeinde», der er seine Figuren «gewissermassen als mein Testament» übergeben wolle. «Ich fühle mich mit Horgen und seinen Menschen noch immer heimatlich verbunden und bekomme manchmal heute noch Augenwasser, wenn ich die Horgner Kirchenglocken läuten höre», sagt der Gottesmann. Während der Ausstellung habe er gespürt, dass sich viele Horgner über seine Figuren gefreut und ihnen sowie ihrer Botschaft von der Auferstehung und vom Teilen mit grosser Ehrfurcht begegnet seien. Deshalb wolle er auch nicht auf dem Standort auf der Piazza beharren. Diesen favorisierte er lediglich für die Ausstellung «Viel wichtiger ist mir, dass die Figuren im Alltag und Leben, vor allem aber in den Herzen der Horgnerinnen und Horgner einen Platz finden», sagt Sieber. Die Figurengruppe, zu der auch zwei hungernde Muslime aus Afghanistan gehören, versteht Sieber als religionsübergreifendes Sinnbild: «Die Botschaft des Teilens ist nicht nur eine christliche, sondern eine weltumspannende Botschaft, welche die Weltreligionen miteinander vereint.» Nicht reden mag der künstlerisch tätige Seelsorger über das Finanzielle rund um sein Werk. Nur so viel: «Einen allfälligen Erlös würde ich sicher zu einem Teil dem Pfuusbusverein zukommen lassen.» Pfarrer Siebers Bronzefiguren gruppieren sich um Christus am Kreuz. Foto: André Springer

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