Zum Hauptinhalt springen

Hochsensibler Kämpfer wird 75

«Himmeltraurige Geschichten» prägten sein Leben. In seinem Werk ist er deshalb Grenzgänger zwischen Liebe, Zorn und Trauer: Der stets politisch engagierte Künstler Schang Hutter feiert heute den 75. Geburtstag.

Vor zwanzig Jahren bezeichnete die Kunstkritikerin Annemarie Monteil das Werk des Künstlers Schang Hutter als das «interessanteste und eigenwilligste eines Schweizer Bildhauers». Heute wird dieser Schang Hutter 75 Jahre alt. Diesen Geburtstag feiert er im kleinen Rahmen in Derendingen mit seinen engsten Freunden, bevor er wieder nach Genua zum Arbeiten abreist. Und er ist dabei froh, dass «ich täglich arbeiten darf und kann».Eine BefreiungHeute geht Schang Hutter allerdings «äm Stäcke», «aber das habe ich längst akzeptiert.» Seit einem Bandscheibenvorfall müsse er anders arbeiten. Die Zeit der schweren Skulpturen ist vorbei, er fand wieder vermehrt zum Zeichnen, zum Schaffen von Kopfskulpturen und beschäftigt sich mit grösseren Holzarbeiten. Die Figur bleibt zentral in seinem Schaffen, das Interesse am Menschen, seiner Fragilität und Gefährdung, auch an der Erhaltung seiner Würde ist ungebrochen gross. Allerdings: «Ich bin etwas fröhlicher geworden, lockerer», stellt er heute fest. Hutter war und ist in seinem Schaffen immer ein Grenzgänger zwischen Liebe, Zorn und Trauer. «Ich bin froh, dass ich mich ein klein wenig von den schweren, himmeltraurigen Themen und Geschichten, die mich prägten – und natürlich weiterhin prägen – entfernen konnte.» Dies heisst aber nicht, dass der hochsensible Kämpfer Schang Hutter still geworden ist, seine «Belästigung durch Kunst» ist vielmehr eine nachhaltige und nachhallende.Eine konsequente HaltungWas den Künstler bedrückt und beschäftigt, teilt er über seine Figuren mit. «Der Verletzlichkeit Raum geben» (eine Installation von 1996) kann auch als eine der typischen und wohl auch treffendsten inhaltlichen Verkürzungen zum Werk von Schang Hutter verwendet werden. Sein Gesamtschaffen, das sich über einen Zeitraum von 50 Jahren erstreckt, zeigt in eindrücklicher Weise, wie konsequent und mit wie viel Engagement, und eben auch Liebe, der Künstler seinen schweigenden Figuren eine eigene und eindringliche Sprache verleiht, sie zuweilen auch zum Schreien bringt. Wer sich Zeit nimmt, hört sie unverkennbar. Vor zehn Jahren sprach Schang Hutter von einem «Neuanfang in Genua». Er nahm in Genua Wohnsitz und richtete sich ein Atelier ein, gelegentlich lebt er seither immer wieder auch in Derendingen, erst seit kurzem hat er in Bellach wieder einen Arbeitsort. Zu Schang Hutters Künstlerbiographie gehört ganz eng auch seine «Wohn- und Atelierbiografie». Steter WechselIn Ateliers quer durch Europa habe sich Hutter an der Wirklichkeit abgearbeitet, stellte 2004 der Galerist Beat Selz fest. Ergänzend fällt auf, dass diese Biografie ein steter Wechsel zwischen der Enge der ursprünglichen Heimat und der Weite von Grossstädten aufzeigt: Lehre als Steinbildhauer in St. Niklaus, Studium in München, Wohnungen und Ateliers in Solothurn, Tscheppach und Küttigkofen, Aufenthalt in Polen, Werkstatt in Derendingen, Aufenthalt in München, Atelier und Wohnung in Hamburg und Berlin, Atelier und Wohnung in Genua und wieder in Derendingen. Schang Hutter braucht offensichtlich das Wechselbad zwischen dem Pulsierenden und dem Ruhenden. Heute freut er sich gerade wieder auf Genua: «Dort kann ich im Moment von den Raumverhältnissen her besser arbeiten.» Thomas Schärli>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch